Wer auf dem Datteln-Hamm-Kanal mit dem Schiff zu schnell fährt, riskiert ein Knöllchen. Das kommt von der Wasserschutzpolizei. Die hat es aber auch mit schwereren Delikten und Kriminellen zu tun.

Bergkamen

, 24.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Polizeihauptkommissar Klemens Wand ist mit dem Streifenwagen zum Ortstermin in die Marina gekommen. Dabei ist er bei der Wasserschutzpolizei. „Mit unseren Booten fahren die Kollegen Patrouille“, sagt Wand. Zu ihrem Revier gehört der Hafen in Rünthe. Der liegt am Datteln-Hamm-Kanal, einer Bundeswasserstraße. Auf denen sorgt die Wasserschutzpolizei für Recht und Ordnung.

Einsatz in der Marina: Die Wasserschutzpolizei jagt Umweltsünder und Kriminelle

Klemens Wand und seine Kollegen von der Wasserschutzpolizei ermitteln auch gegen Kriminelle. Zum Beispiel gegen Diebe, in der Marina Bergkamen-Rünthe etwas von den Booten stehlen. © Stefan Milk

So einen Kanal kann man mit einer Autobahn vergleichen. Und die Aufgaben der Wasserschutzpolizisten mit denen der Kollegen von der Autobahnpolizei. Etwa bei der Kontrolle des Schwerlastverkehrs, wobei es bei Wand und Co. Transportschiffe geht. Genau wie Lastwagen haben auch die einen Fahrtenschreiber. Die Schiffslenker müssen Ruhezeiten einhalten: „Ein Schiff darf 14 Stunden am Stück fahren“, erläutert Wand. Gibt es eine zweite Mannschaft an Bord, darf es rund um die Uhr unterwegs sein.

Die Wasserschutzpolizei stoppt überladene Schiffe

Auch überladene Transportersind etwas, was die Wasserschutzpolizisten häufiger beschäftigt. „Das kann man den Tiefgangmarken am Schiffsrumpf erkennen“, erläutert Wand. Anders als auf Autobahn werden die verdächtigen Fahrzeuge aber nicht rausgewunken: „Wir machen mit unserem Boot während der Fahrt fest und ein Beamter geht dann an Bord“, erklärt Wand den Vorgang.

Wenn das Schiff aber tatsächlich zu viel geladen hat, muss es die nächstmögliche Liegestelle anlaufen – zum Beispiel das Kanalufer gegenüber der Marina. Es darf erst weiterfahren, wenn ein anderes Schiff oder ein Lastwagen eine Teil der Ladung übernommen hat.

Einsatz in der Marina: Die Wasserschutzpolizei jagt Umweltsünder und Kriminelle

Auch Freizeitkapitäne müssen damit rechnen, von der Wasserschutzpolizei kontrolliert zu werden. © picture alliance / Arne Dedert/d

In der Marina hatte die Wasserschutzpolizei zuletzt zu tun, weil dort zwei Mal Öl auf dem Wasser entdeckt wurde. So etwas kommt häufiger vor, sagt Wand. In den meisten Fällen seien Unfälle oder Fahrlässigkeit die Ursache. Er kann sich an einen Schiffsführer erinnern, der den Trinkwasserschlauch versehentlich in den Dieseltank steckte – und der lief dann natürlich über.

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Es gibt aber auch Kapitäne mit krimineller Energie, die ihr Altöl absichtlich in den Kanal ablassen. Ein solchen hat die Wasserschutzpolizei vor einiger Zeit mit Hilfe eines Hubschraubers überführt: „Vor dem Schiff war alles sauber, dahinter eine dicke Ölspur“, schildert Wand die Eindrücke aus der Luft. Der Bootsführer habe zwar geleugnet, aber an Bord fanden sich ausreichend Beweise.

Die Wasserschutzpolizei hat eine eigene Kripo

Die Wasserschutzpolizei bekommt es aber auch mit ganz anderen Kriminellen zu tun. „Wir sind für Straftaten zuständig, die auf dem Wasser geschehen“, sagt Wand. So gab es vor einiger Zeit in der Marina eine Serie von Außenbordmotor-Diebstählen. Für solche Fälle gibt es eine eigene Wasser-Kripo, die bei Bedarf mit den Kollegen vom Land zusammenarbeitet.

Einsatz in der Marina: Die Wasserschutzpolizei jagt Umweltsünder und Kriminelle

Dieser Wasserpolizist überprüft die Geschwindigkeit von Booten in Brandenburg. Die Tempokontrollen auf dem Kanal sehen ähnlich aus. © picture alliance / Ralf Hirschbe

Im Dienstalltag auf dem Kanal haben es Wand und seine Kollegen aber häufiger mit Vergehen zu tun, die dem gemeinen Autofahrer nicht ganz fremd sind. Auf dem Wasser gibt es ein Tempolimit. „Auf dem Datteln-Hamm-Kanal sind zwölf Stundenkilometer erlaubt“, sagt Wand. Zur Kontrolle verwendet die Wasserpolizei Laserpistolen.

Wasserschutzpolizei NRW

Die Hüter der Wasserstraßen

  • Die Wasserschutzpolizei (WSP) NRW ist dem Polizeipräsidium Duisburg zugeordnet und hat 275 Mitarbeiter, 24 Boote und 15 Standorte im Land.
  • Bergkamen liegt im Bereich der WSP-Wache Datteln, die für ingesamt 160 Kilometer auf dem Datteln-Hamm-Kanal, dem Dortmund-Ems-Kanal, dem Rhein-Herne Kanal und dem Weseln-Datteln-Kanal zuständig ist.
  • Informationen gibt es auf der Homepage der WSP unterpolizei.nrw/artikel/wasserschutzpolizei

Freizeitkapitäne sind auch schon mal betrunken

Mit der erwischen sie auch des öfteren Freizeitkapitäne aus der Marina, die es mit der Geschwindigkeit nicht so genau nehmen. Und Alkohol am Steuerrad ist auf dem Kanal ebenfalls ein Thema, sagt Wand.

Einsatz in der Marina: Die Wasserschutzpolizei jagt Umweltsünder und Kriminelle

Klemens Wand von der Wasserschutz-Polizei hat die Entwicklung der Marina miterlebt. © Stefan Milk

Dass der Kanal nicht nur eine Wasserstraße, sondern auch ein Ort der Freizeitgestaltung ist, merken die Wasserpolizisten auch beim Blick ans Ufer. Da überprüfen sie schon mal, ob ein Angler auch die entsprechende Erlaubnis hat. Unter Umständen bekommt er aber auch einen Strafzettel, wenn er einen Angelschein vorweisen kann. Zum Beispiel, wenn ein Mofa an der Angelstelle steht: Der Betriebsweg am Ufer ist Radlern und Fußgängern vorbehalten.

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Der Sprung von der Brücke ist gefährlich und kann teuer werden

Zu Konflikten zwischen den Kanalnutzern kommt es nach Wands Erfahrung vor allem im Sommer, wenn auf und am Wasser richtig viel Betrieb herrscht – und auch im Wasser. „Baden im Kanal ist weder verboten noch erlaubt“, sagt Wand. „Es wird geduldet.“

Einsatz in der Marina: Die Wasserschutzpolizei jagt Umweltsünder und Kriminelle

Baden im Kanal duldet die Wasserschutzpolizei – solange sich die Badenden von Brücken und ähnlichen Bauwerken fernhalten. © Johannes Brüne

Allerdings nur dann, wenn sich die Badenden von Brücken, Schleusen und ähnlichen Bauwerken mindestens 100 Meter fernhalten. Und gar keinen Spaß verstehen die Wasserpolizisten, wenn sie ein bei Jugendlichen beliebtes, aber gefährliches Kanal-Verhalten beobachten: Dem Sprung von der Brücke. Der kann teuer werden, warnt Wand: „Das Bußgeld beträgt um die 100 Euro.“

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