Einkaufen für alle, die besser nicht mehr vor die Tür gehen

dzJugendzentrum „John“

Viele ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankung meiden in der Coronakrise besser jeden Kontakt. Einkauf und Besorgungen erledigen auf Wunsch die Teamer aus dem evangelischen Jugendzentrum „John“.

Bergkamen

, 21.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sonst betreuen sie die Jugendgruppen im evangelischen Jugendzentrum „John“ in Oberaden, sie begleiten Ferienfreizeiten oder leiten Sportkurse. Jetzt aber haben die jugendlichen „Teamer“ eigentlich nichts zu tun. Die Schule fällt aus und die Treffen auch. Jetzt haben sich die 35 jungen Leute aus der Martin-Luther-Gemeinde eine sinnvolle Beschäftigung gesucht: Sie wollen einkaufen und Besorgungen machen für alle, die besser gar nicht erst aus dem Haus gehen.

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Die Anregung dazu gab Pfarrerin Petra Buschmann-Simons. „Es geht uns darum vorzubeugen, dass sich ältere oder vorbelastete Menschen erst gar nicht infizieren können“, sagt Nele Krabs (19), die den Einkaufs- und Besorgungsservice zusammen mit Tom Reinecke (18) vorstellt.

Anmelden und Geld und Einkaufszettel vor die Tür legen

Der Einkauf soll möglichst kontaktlos und sehr einfach funktionieren: Wer einen Einkauf benötigt kann sich beim Team melden. Das schickt jemanden los, der den Einkaufszettel und das Geld für den Einkauf abholt. Das geht auch ganz ohne persönlichen Kontakt, indem der Auftraggeber Geld und Zettel vor die Tür legt, sobald der Helfer kommt.

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Auch die Übergabe der Lebensmittel kann ganz ohne Kontakt erfolgen. „Wir sagen Bescheid, wann wir kommen und stellen den Einkauf und das Wechselgeld dann vor die Tür“, erläutert die 19-Jährige. Das soll bei Besorgungen, zum Beispiel, wenn ein Rezept in der Apotheke eingelöst werden muss, ähnlich laufen.

Die Helfer gehen sogar mit dem Hund Gassi, wenn dabei Hilfe benötigt wird. Sie tragen bei ihrem Service Einmal-Handschuhe, um mögliche Übertragungswege komplett auszuschließen, erläutert Tom Reinecke.

Die Helfer bringen die Einkäufe bis vor die Haustür. Sie haben sogar klimafreundliche Taschen mit dem Aufdruck des Jugendzentrums.

Die Helfer bringen die Einkäufe bis vor die Haustür. Sie haben sogar klimafreundliche Taschen mit dem Aufdruck des Jugendzentrums. © Stefan Milk

Gemeinde stellt ihren Bulli für Transporte zur Verfügung

Selbst größere Einkäufe und kleinere Transporte innerhalb von Bergkamen sind kein Problem. Die Kirchengemeinde hat dafür ihren Gemeindebulli samt Fahrer zur Verfügung gestellt. Auch der Gemeinde-Imker Werner Löbbe hat sich als Fahrer angeboten. An dem Service beteiligen sich auch die Jugendlichen aus dem Gemeindeteil in Rünthe. Dort hat Jugendreferent Jürgen Jauer die Koordination übernommen.

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Das einzige, was den Jugendlichen jetzt noch fehlt, sind Menschen, denen sie helfen können. Sie hoffen, dass ältere oder vorbelastete Menschen keine Scheu haben sich bei ihnen zu melden.

Der Service gilt auch nicht nur für Oberaden, Rünthe und Heil, den Stadtteilen, in denen die Kirchengemeinde vertreten ist, sondern für ganz Bergkamen.

Ein großes Transparent, das sie zwischen die Bäume vor der Martin-Luther-Kirche hängen wollen, soll auf den Service aufmerksam machen. Dort steht auch die Kontakt-Telefonnummer.

Jetzt fehlen nur noch Menschen, denen sie helfen können

Die Teamer haben ihr Angebot schon bei Facebook und Instagram veröffentlicht. Dort ist es auch schon rund 100 mal geteilt worden. „Insgesamt ist es auf diesem Wege bereits bei rund 1000 Menschen angekommen“, sagt Nele Krabs. Gemeldet hat sich aber noch niemand. Beide Teamer hoffen, dass sich das schnell ändert.

Alle, die gerne selbst Helfer werden möchten, sind ebenfalls dazu eingeladen. „Eine Mutter, deren Sohn am Jugendcamp teilgenommen hat, hat sich auch schon gemeldet“, sagt die Teamerin.

Wer Hilfe beim Einkaufen oder bei Besorgungen benötigt oder selbst als Helfer beim Einkaufen oder für Besorgungen zur Verfügung stehen möchte, kann sich unter Tel (0151) 43157302 beim Team des John melden.

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