Einigkeit und Streit über den Schacht III

dzVerkauf an Investor

Eigentlich ist sich der Stadtrat fast einhellig einig über den Verkauf des Schacht III an eine Tochter der Fakt AG in Essen. Trotzdem kommt es zum Streit über den richtigen Zeitpunkt.

Rünthe

, 10.10.2018, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

In das Begegnungszentrum „Schacht III“ soll ein Zentrum für Fitness und Reha-Sport einziehen. Das Unternehmen „Limitless“ das bereits acht Filialen im Bundesgebiet hat, will in Rünthe eine weitere eröffnen. Geschäftsführer Mirko Kinzel versprach in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses eine „hochwertige Ausstattung“, die nur wenig mit einer „Muckibude“ gemeinsam haben soll – und die auch ein älteres Publikum anziehen soll, dass sich fit halten will.

Im Erdgeschoss der ehemaligen, 1914 gebauten Waschkaue, sollen zwei der bisherigen Nutzer bleiben. Die Perthes-Werkstatt soll bleiben – ebenso wie die Umkleiden für den Sportplatz am Schacht III. Für die Kindergruppe des „Vereines für Kinder- und Jugendhilfe“, für die im Schacht III kein Platz mehr ist, hat die Stadt schon einen Platz in der ehemaligen Hellweg-Hauptschule gefunden. Zusätzlich hat die Stadt sich im Kaufvertrag mit der Rudimo AG – einem Unternehmen, das zur Essener Fakt-Gruppe gehört – gegen offenbar alle Eventualitäten abgesichert: Jede künftige Nutzungsänderung muss ihre Zustimmung haben – und wenn die Rudimo AG das Gebäude wieder verkaufen sollte hat sie ein Vorkaufsrecht.

Heftiges Wortgefecht

Ein Konzept, das fast einhellig alle Fraktionen im Ausschuss lobten – und trotzdem kam es zu einem heftigen Wortgefecht zwischen der Stadtverwaltung und der SPD auf der einen sowie CDU und Grünen auf der anderen Seite. Dabei ging es einzig und allein darum, wann der Stadtrat dem bereits notariell besiegelten Kaufvertrag zustimmt. CDU und Grüne sprachen sich dafür aus, den Beschluss von der Sitzung an diesem Donnerstag mindestens auf die November-Sitzung des Rates zu verschieben – um „die Bürger mitzunehmen“, wie es CDU-Ratsmitglied Thomas Eder aus Rünthe formulierte. Über die Frage, ob die Rünther Bürger irritiert sind, weil das Konzept bisher nicht öffentlich bekannt sei herrschten unterschiedliche Meinungen, die vor allem zwischen CDU und SPD heftig ausgetragen wurden.

Inzwischen hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Schäfer mitgeteilt, dass seine Fraktion sich entschlossen hat, schon an diesem Donnerstag über den Kaufvertrag abzustimmen – unter anderem mit Rücksicht auf den Investor. Der zeigte sich irritiert über die heftige Diskussion. Wie zu erfahren war hat der Vorstandsvorsitzende der Fakt AG, Prof. Hubert Schulte-Kemper, bei Bürgermeister Roland Schäfer darauf hingewiesen, dass jede Verzögerung beim Verkaufsbeschluss vor allem dem Pächter Probleme bereitet. Limitless müsse den Umbau planen, Geräte bestellen und Personal einstellen. Geschäftsführer Mirko Kinzel hatte schon in der Sitzung gesagt, dass eine Eröffnung im heißen Sommer problematisch sei.

Meinung der Redaktion

Von Michael Dörlemann

Die Situation um den Schacht III ist paradox: Eigentlich sind alle Fraktionen für den Verkauf des Schacht III – und trotzdem kommt es zu einem Streit von selten gekannter Heftigkeit – und das auch noch in Anwesenheit des Käufers und des künftigen Pächters der ehemaligen Waschkaue. Dass die irritiert sind, ist für den neutralen Beobachter gut nachvollziehbar. Ob die Debatte von beiden Seiten angemessen geführt wurde, darüber lässt sich sicherlich streiten. Unbestritten ist jedoch, dass sie im Vorfeld leicht zu vermeiden gewesen wäre. Angesichts der Diskussion um den Verkauf des Schacht III, die schon seit Monaten geführt wird, hätte das Baudezernat so viel Instinkt haben und Käufer und Pächter schon vor drei oder vier Wochen einladen sollen, ihr Konzept vorzustellen. Dann wäre es bekannt und die Kuh vom Eis gewesen. Stattdessen hat sie stur an dem schon seit Jahresbeginn feststehenden Termin für den Stadtentwicklungsausschuss festgehalten – nur zwei Tage vor der entscheidenden Ratssitzung. Dass das zu Irritationen bei zumindest einigen Mitgliedern im Stadtrat führt, hätte sie sich ausrechnen können.

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