Eine schrecklich nette und chaotische Familie

dzPremiere bei Volksbühne Oberaden

Eine Leiche im Wohnzimmer, ein verwirrter Erfinder und eine Hippie-Frau – im neuen Schwank der Volksbühne Oberaden dreht sich alles um eine durchgedrehte Familie. Bei der Premiere gab es viel Applaus.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 15.09.2019, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nur ein schwacher Trost, wenn Friedhelm Beierle alias Rainer Achsnich verzweifelt ausruft: „Für die Familie kann man nichts.“ Ansonsten kommt es wieder mal richtig dicke in dem neuesten, gleichnamigen Schwank der „Volksbühne 20 Oberaden“, der am Samstagabend im Martin-Luther-Haus in Weddinghofen seine Premiere hatte.

Rabenschwarze Geschichte

Die rabenschwarze Geschichte von Hans Schimmel entführt die Zuschauer in das biedere Wohnzimmer von Friedhelm Beierle, der als das „weiße Schaf“ seiner Familie gilt. Endlich hat das biedere Familienoberhaupt nun auch seine Traumfrau gefunden und alles könnte doch so schön sein. Wenn sich nicht auch noch Friedhelms zwei Brüder und ebenso seine zwei Schwestern in dem gemeinsamen Wohnzimmer tummeln würden. Der aufmerksame Zuschauer merkt sofort: Irgendwie haben die alle einen an der Klatsche.

Eine schrecklich nette und chaotische Familie

Mit viel Situationskomik und Dialogen, die zum Teil gekonnt rückwärts gesprochen werden, sorgen die Schauspieler für viel Heiterkeit im Publikum im Martin-Luther-Haus. © Stefan Milk

Volksbühne Oberaden

Vorstellungstermine

Weitere Aufführungen von „Für die Familie kann man nichts“ mit der Volksbühne Oberaden sind am Sonntag, 22. September, um 16.30 Uhr im Martin-Luther-Haus in Bergkamen sowie am Samstag, 28. September, 18 Uhr, und Sonntag, 29. September, 17 Uhr, in der Gaststätte Haus Düfelshöft in Südkamen. Mehr unter www.volksbuehne20.de.

So ist da Friedhelms Schwester Gertrud (Ulrike Mücke), die auf dieser Welt nur einen liebt und das ist ihr stets gefüllter Kühlschrank. Gerade von ihrem Guru aus Indien zurück, ist nun auch Friedhelms Schwester Hermine (Silke Uhlenbrock). Dumm nur, dass sie sich zum Leidwesen ihrer Mitmenschen seitdem nicht mehr wäscht, denn schließlich möchte sie doch ihre „Aura“ nicht zerstören.

Ein ganz anderes Problem ist hingegen Friedhelms Bruder „Hubbi“ (Wolfgang Scholz), der seit dem Eintreffen von Hermine wegen deren duftender Aura nachvollziehbarerweise nun immer mit einer Nasenklammer herumläuft. Leider handelt es sich bei ihm zudem auch noch um einen verwirrten Erfinder, der so manches Küchenutensil verschwinden lässt, um dann beispielsweise aus einem Stabmixer einen neuartigen Ganzkörperrasier zu konstruieren. Die Umstehenden reagieren genervt auf sein Stottern, weil er am Ende meist auch noch vergisst, was er eigentlich sagen wollte.

Eine schrecklich nette und chaotische Familie

Schwarzer Humor bei der Volksbühne Oberaden: Die zu transportierende „Leiche“ (Dieter Kress) muss nach einer Autopanne im Wohnzimmer zwischengelagert werden. © Stefan Milk

Immer im Schlamassel steckt hingegen Friedhelms Bruder Willi (Jan Laschober), der gerade mal als Leichenwagenfahrer jobbt und aufgrund einer Autopanne die zu transportierende Leiche (Dieter Kress) gezwungenermaßen im Wohnzimmer zwischenlagern muss. Hermine, die gerade mit ihren Freundinnen eine spiritistische Sitzung abhält, glaubt nun erschrocken, dass sie die Leiche herbeigeschworen hat. Zur Verwirrung aller, hat die Leiche dann sogar noch ein überraschendes Eigenleben und scheint auch nicht wirklich tot zu sein.

Zu einer Agentenstory mutiert

Mit viel Situationskomik und Dialogen, die zum Teil gekonnt rückwärts gesprochen werden, sorgen die Mimen für viel Heiterkeit im Publikum. Allerdings ist bei den vielen Akteuren, die dieses Mal im Einsatz sind, und der überaus verzwickten Handlung ein Höchstmaß an Konzentration angesagt. Tummeln sich doch auch noch eine liebestolle Steuerberaterin, eine Nachhilfeschülerin und ein Geheimagent auf der Bühne. Kein Wunder also, dass die Inszenierung unter Regie von Rainer Achsnich am Ende zu einer ausgewachsenen Agentenstory mutiert.

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