Eine Fotografin nimmt das Bergkamener Rathaus in den Fokus

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Für die architektonischen Besonderheiten des Bergkamener Rathauses haben die wenigsten Besucher einen Blick. Das könnte sich jetzt ändern: Eine junge Fotografin stellt Rathaus-Fotos aus.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 10.09.2019, 12:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schnell noch den Personalausweis im Bürgerbüro verlängern lassen, im Kulturbüro die Tickets für die nächste Kulturveranstaltung abholen oder was auch immer. Wenn die Bergkamener Bürger in „ihr“ Rathaus eilen, haben sie meist einen klares Ziel vor Augen, bei dem sicherlich aber der Blick auf das in die Jahre gekommene Zweckgebäude und dessen Charme viel zu kurz kommen dürften.

Nun eröffnete Bürgermeister Roland Schäfer in den Rathausfluren eine Fotoausstellung, die Architektur des aus den 70er Jahren stammenden Gebäudes bewusst in den Fokus rückt.

Eine Fotografin nimmt das Bergkamener Rathaus in den Fokus

Die Ausstellung ist im Treppenhaus des Rathauses zu sehen. © Marcel Drawe


Eröffnung am Jahrestag der Einweihung

Unter dem Titel „Bauten für Bürger – Rathäuser der Nachkriegsmoderne im Ruhrgebiet“ hat die Fotografin Julia Steinmeyer im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Dortmunder Fachhochschule genau diesen speziellen Blickwinkel gewählt. Dass die Ausstellung auch noch am 9. September, eröffnet wurde, hat dabei nicht nur etwas mit dem Jahr 2019, dem Jahr der Demokratie zu tun, so Bürgermeister Roland Schäfer bei der Eröffnung, sondern insbesondere auch damit, dass die offizielle Einweihung des Bergkamener Rathauses ebenfalls an einem 9. September, dem des Jahres 1976, erfolgte.

Der Sohn des Rathaus-Architekten war anwesend

Stellvertretend für den Architekten des Rathauses, Friedrich Karl Schulte, der im Jahr 2007 verstarb, waren nun dessen Tochter Sabine Trübsand und dessen Sohn, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Bergkamen, Kai Schulte, zur Ausstellungseröffnung gekommen. Und Schulte junior, ebenfalls Architekt, weiß durchaus, was sich der Rathaus-Erbauer seinerzeit gedacht hat: „Mein Vater hatte damals ganz bewusst Verwaltung und Sitzungssaal voneinander getrennt“, erläuterte er die räumliche Aufteilung von Ratstrakt und Rathaus. „Um nämlich so deutlich zu machen, dass die politische Willensbildung, also die Legislative im Stadtparlament, und die Exekutive, also die Umsetzung der dort gefassten Beschlüsse in der Stadtverwaltung, nicht miteinander vermischt werden dürfen.“

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Die Fotografin hat acht Ruhrgebietsrathäuser verewigt

Insgesamt acht Rathäuser des Ruhrgebiets hat Julia Steinmeyer, ebenfalls ein Kind dieser besonders geprägten Industrieregion, mit ihrer Kamera bildlich verewigt. Neben dem Rathaus der Stadt Bergkamen, finden sich die Verwaltungszentralen von Castrop-Rauxel, Dorsten, Essen, Herten, Lünen, Marl und Waltrop in dem über einhundert Seiten umfassenden Folianten wieder. Dabei hat die Fotografin so manche Details bildlich festgehalten und in den Vordergrund gerückt, die selbst „Insider“ bisher noch nicht wirklich wahrgenommen haben.

Moderne Rathäuser sind keine Trutzburgen

„Prägend für die Architektur der Nachkriegsmoderne mit ihrer sachlichen Schönheit, sind neben der Bauform mit Rasterfassade, auch die technische Perfektion und Präzision typisch für diese Zweckbauten“, so Julia Steinmeyer. Und anders als die „Trutzburgen“ aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, zeichneten sich die modernen Rathäuser aus den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit insbesondere durch Transparenz und Offenheit aus, welche nicht nur in der Architektur das charakteristische Merkmal einer Demokratie darstellen sollten.

Die Fotoausstellung im Treppenhaus ist bis zum 9. November zu sehen. Sie ist während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen: montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr.

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