Eine Antwort auf die Armut

Ökumene für Lebenslotsen

Es sind die scheinbar einfachen Dinge im Leben, die für Menschen in besonderen Situationen unüberwindbar scheinen: Briefe, Anträge oder ein zu geringes Einkommen. Aber es gibt Menschen, die helfen.

Bergkamen

, 29.11.2018, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Antwort auf die Armut

Lebenslotsen helfen Menschen, die in ihrem Alltag überfordert sind.Und das können manchmal auch schon Briefe sein, die sie nicht öffnen. © Stefan Milk

Die Idee, Lebenslotsen in Bergkamen einzusetzen, ist schon vor einiger Zeit geboren. Gemeinsam wollen die evangelischen Kirchengemeinden und der Pastoralverbund als Ökumene „eine Antwort formulieren gegen die Armut in Bergkamen“, sagt Pastor Thorsten Neudenberger. Mit Pastorin Petra Buschmann-Simons und Vertretern der Friedenskirchengemeinde wollen sie auf möglichst unkomplizierte Weise Menschen in Notsituationen helfen. „Es ist nicht selten, dass wir an Menschen, die vor unserer Tür stehen, Lebensmittelgutscheine ausgeben“, so Neudenberger, „aber wenn es komplizierter wird, beispielsweise bei Behördengängen, müssen wir passen.“ Von dem Projekt der Lebenslotsen erhoffen sich die Gemeinden eine Ideen-Bündelung und mehr Kompetenz, wenn die Anliegen der Hilfesuchenden spezifischer werden.

Ohne weitere Unterstützung sei es den Seelsorgern oft nicht möglich, die Bedürfnisse von Menschen in Not und in Armut zu koordinieren, sagt Neudenberger. Da man aber in Bergkamen – was die Zusammenarbeit der Gemeinden anbelangt – in jüngster Zeit vor allem im Bereich der Flüchtlingshilfe und mit dem Haus Frieden nur gute Erfahrungen gemacht habe, wolle man nun mit den Lebenslotsen daran anknüpfen. Wie die Lebenslotsen in den Alltag rund um den Nordberg eingebracht werden können, wollen die Bergkamener von Vertretern der evangelischen Gemeinde in Massen erfahren. Dort sind die Lebenslotsen schon seit mehreren Jahren aktiv,

Pfarrerin Petra Buschmann-Simons erfuhr im Rahmen einer Hospitation in der dortigen Gemeinde von dem Projekt und möchte es seitdem auch in Bergkamen anbieten. Denn dass es in Bergkamen weit mehr Menschen in Armut und ausweglosen Situationen gibt als die, die ohnehin schon regelmäßig an den Türen der Seelsorger klingeln und um Hilfe bitten, davon ist Neudenberger überzeugt. „Das sind nur die, die sich trauen, um Hilfe zu bitten, für mich die Spitze des Eisberges,“ sagt Neudenberger. Sollte das Lebenslotsenprojekt auch in Bergkamen realisiert werden, wäre dies „die Antwort der christlichen Kirchen“ auf die Armut.

Eine Antwort auf die Armut

Schon mit der Eröffnung des Haus Frieden demonstrierten die Bergkamener Gemeinden erfolgreiche Ökumene. © Marcel Drawe

Neue Wege bahnen

Petra Buschmann-Simons war, als sie das Massener Projekt der Lebenslotsen im Rahmen einer Hospitation kennenlernte, begeistert, allerdings sei ihr auch sehr schnell klar gewesen, dass es nicht allein, sondern nur in einem größeren Verbund zu steuern sei. Den bildet nun zunächst die Bergkamener Ökumene. Angedacht ist allerdings, weitere Verbände und Institutionen mit ins Boot zu nehmen. „Um den Menschen, die Hilfe benötigen und Wege scheuen, neue Wege zu bahnen“, hofft Buschmann-Simons. Denn es gibt sie, diese Situationen, wenn es im Dschungel von Vorschriften und Gesetzen, behördlichen Zuständigkeiten oder „stürmischer See“ im täglichen Leben hoch her geht und Unterstützung notwendig ist. Von Lotsen, die helfen, die Probleme zu umschiffen und zur Seite stehen. Und die einfach mal die Briefe öffnen, die sich seit Wochen auf dem Küchentisch stapeln. Oder die helfen, endlich den Antrag auszufüllen, der notwendig ist, um das Pflegegeld zu erhalten.

Eine Antwort auf die Armut

Es geschieht häufig, dass Bergkamener an die Türen der Kirchen klopfen und die Geistlichen nicht nur um seelsorgerischen Beistand bitten. © Stefan Milk

Ein hauptamtlicher Mitarbeiter

Das Wichtigste für alle Beteiligten nach einem ersten Treffen. „Wir brauchen einen Hauptamtlichen, der sich überwiegend auskennt mit der Gesetzgebung“, sagt Petra Buschmann-Simons. Einen, der Antworten findet, um Anträge an die Rentenversicherung auszufüllen und die Kontoauszüge der Bank im Blick behält. Das ist das Eine. Das Andere: Für mögliche Sprechstunden suchen die an dem Lebenslotsen-Projekt Beteiligten einen Ort, der sich dafür anbietet. „Möglicherweise dort, wo auch die Ausgabestelle der Tafel ist“, überlegt Buschmann-Simons. Zunächst ist angedacht, das Lebenslotsen-Projekt ähnlich wie in Massen mit einem Hauptamtlichen und einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der eine regelmäßige Sprechstunde anbietet, zu besetzen.

Schon in der kommenden Woche finden Gespräche mit Vertretern der Caritas und Diakonie statt, während der weitere Schritte besprochen werden, unter anderem eine möglichst optimale Vernetzung der Bergkamener und die Finanzierbarkeit eines hauptamtlichen Mitarbeiters.

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