„Einbruch: Witwe tot!“: So haben wir 1998 über den Mord an Anne Saußen berichtet

dzNeu aufgerollter Mordfall

Der Mord an der Bergmannswitwe Anne Saußen wird neu aufgerollt. Unsere Zeitung hat schon nach der Tat 1998 umfangreich über den Fall berichtet. Ein Blick ins Archiv.

Bergkamen

, 17.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einbruch: Witwe tot!“ So lautet am 25. März 1998 eine Schlagzeile auf der Titelseite des Hellweger Anzeigers. In dem „Anreißer“, wie Zeitungsjournalisten den kurzen Hinweis auf ein Thema aus dem Innenteil nennen, werden die Leser erstmals über den Mord an Anne Saußen informiert. Mit einer Leiter seien „bislang unbekannte Einbrecher in das Obergeschoß eines Vier-Familien-Hauses in Oberaden“ eingedrungen, hätten die 84-jährige Wohnungsinhaberin geknebelt, auf ihr Bett geworfen und die Wohnung durchsucht. Am Morgen danach habe eine Nachbarin die Bergmannswitwe tot aufgefunden.

25. März 1998: Der Einbruch war vermutlich geplant

Der ausführliche Bericht im Innenteil vom 25. März 1998 ist bereits gespickt mit spannenden Details. „Oma Saußen“, wie sie liebevoll von der Nachbarschaft genannt wurde, wurde vermutlich ausgespäht, schrieb Rainer Volker Larm, damaliger und langjähriger Leiter der Lokalredaktion Bergkamen des Hellweger Anzeigers.

Er berichtete nach einem Gespräch mit den Nachbarn, dass schon vor einer Woche die Telefonleitung des Hauses zerstört worden sei. Anne Saußen, wie sie offiziell hieß, wurde „Änne“ gerufen und in der Berichterstattung auch so genannt – eine damals verbreitete Koseform für ältere Damen mit dem Namen Anne.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 25. März 1998.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 25. März 1998. © Screenshot: Kohues

26. März 1998: 84-Jährige erstickte auf Bett am Knebel

Im zweiten ausführlichen Bericht über den Mordfall heißt es, der damals ermittelnde Staatsanwaltschaft Dr. Heiko Artkämper sei sicher, den oder die Täter schnell zu schnappen. Es wurden Details zur Todesursache und zur Tatausführung bekannt. Die Obduktion habe ergeben, dass die 84 Jahre alte Frau Saußen offensichtlich an dem Knebel erstickte, den ihr die Einbrecher verpasst hatten.

In die Wohnung gelangten sie durch ein schräg stehendes Fenster mit Hilfe einer Leiter, die genau beschrieben wird. Wörtlich heißt es im Artikel: „Die auf 7,50 Meter ausziehbare dreiteilige Alu-Leiter stammt aus einem Götzen-Baumarkt. Das Preisschild - 339 Mark - klebt noch.“

Noch unbekannt war die Beute. Die Mordkommission konzentriere ihre Ermittlungsarbeit auf das Umfeld und befrage Nachbarn, schrieb Autor Rainer Volker Larm. Hinweise darauf, dass die Täter aus der Nachbarschaft stammen, gebe es bislang nicht.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 26. März 1998.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 26. März 1998. © Screenshot: Kohues

28. März 1998: Staatsanwaltschaft setzt 3000 D-Mark Belohnung aus

Die Mordkommission der Dortmunder Polizei habe ihre Zelte in der Kamener Wache aufgeschlagen, heißt es im nächsten Bericht vom Samstag, 28. März 1998, und sie sei auch über das Wochenende zu erreichen.

Bei der Suche nach einer heißen Spur setzt die Staatsanwaltschaft auf die Mithilfe der Bevölkerung und lobt eine Belohnung in Höhe von 3000 Mark aus für Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Einbrecher führen. Man gehe davon aus, dass die Täter aus dem Umfeld stammen. Noch immer sei unklar, woher die Leiter stammt, mit der die Täter in das Obergeschoss des Hauses am Boirenbusch drangen.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 28. März 1998.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 28. März 1998. © Screenshot: Kohues

30. März 1998: Mordkommission wartete vergeblich auf Tips

Der „heiße Tip“ sei ausgeblieben, steht nach dem Wochenende in der Ausgabe vom 30. März 1998. Auch der Besitzer der Leiter habe sich bei den Ermittlern nicht gemeldet. Der Leiter der Mordkommission, Norbert Rosenthal, schließt nicht mehr aus, dass die Leiter aus Diebstählen stammt, die der Götzen-Baumarkt in Hamm zu beklagen hatte – und dass der oder die Täter sie mitbrachten.

Die Ermittler gehen von Tätern aus der Nachbarschaft und nicht von einer Bande aus. Der Einbruch war – das zeigten die Spuren – gut vorbereitet und geplant, die Täter wussten, wonach sie suchten. Norbert Rosenthal wird mit dem Satz zitiert: „Ich glaube nicht, daß der oder die Täter die Leiter allzuweit mitgeschleppt haben.“

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 30. März 1998.

Berichterstattung über den Mord an Bergmannswitwe Anne Saußen vom 30. März 1998. © Screenshot: Kohues

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