Ein Schalker in schwarz-gelb: Gerhard Schnock ist seit 50 Jahren der Briefträger im Dorf

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50 Jahre Postbote - dieses Jubiläum feiert Gerhard Schnock. Seit 1976 ist er nur noch in Bergkamen unterwegs. Nach rund 15 Jahren in Oberaden ist aktuell Weddinghofen sein Stammbezirk.

Bergkamen

, 20.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach 50 Jahren als Postbote kennt Gerhard Schnock seine Leute, sogar deren Kindeskinder. Er sieht, welche Art von Briefen er zustellt. Er weiß, wo manchem der Schuh drückt. Er hört die Sorgen und Nöte der Menschen. „Du weißt, was im Dorf los ist“, sagt er - und noch viel mehr. Von Freud bis Leid erlebt der Briefträger alles mit, ihm wird alles erzählt.

Oft der einzige Ansprechpartner

„Oft bist du der einzige Ansprechpartner, den die Leute noch haben“, weiß Gerhard Schnock. Wenn jemand am Gartenzaun steht und auf die Post wartet, dann steigt er für ein Schwätzchen vom Rad. Zeit dafür hat er eigentlich nicht, so eng ist sein Job heute getaktet. Doch: „Lieber hänge ich hinten eine halbe Stunde dran, als dass ich da einen stehen lasse“, sagt Gerhard Schnock. Der sonst gut gelaunte Mann, der stets einen schlagfertigen Spruch auf den Lippen hat, wird da ungewöhnlich ernst. „Du bist Sozialpartner. Dir wird alles erzählt. Du bist eine Vertrauensperson.“

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Briefgeheimnis ist mehr als nur eine Auflage

Deshalb sagt Schnock auch: „Gut, dass es das Postgeheimnis gibt.“ Darunter fallen nämlich nicht nur Briefe. Das betrifft alles, was er von den und über die Kunden erfährt. Und das nimmt Schnock sehr ernst. Es ist aber auch harte Arbeit, das schwer beladene Fahrrad die Bordsteine rauf und runter zu wuchten. Aber die selbst bestimmte Arbeit an der frischen Luft liebt Gerhard Schnock. Mehrfach hätte er in den Innendienst wechseln können, Schalterarbeit wäre aber nichts für ihn gewesen. „Acht Stunden in abgeschlossenen Räumen, da bist Du doch eingepfercht“, sagt Schnock. Karriere machte er trotzdem: Seit 20 Jahren ist er Teamleiter in Bergkamen und für die über 50 Kollegen inklusive Personal- und Urlaubsplanung verantwortlich.

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Die Mutter verbot einen Beruf auf der Zeche

„Es ist ein absoluter Traumjob“, sagt Gerhard Schnock - zu dem ihn der Zufall und ein Klingeln an der Tür führten. Mit 14 Jahren musste der Burgschüler einen Beruf wählen. Seine Mutter sagte nur eins: „Auf der Zeche fängst du nicht an.“ Schnock weiß, warum: „Damals gab es noch Heimwäsche - und mein Vater und meine beiden älteren Brüder waren auf Haus Aden. Die dreckige Wäsche eines vierten Mannes wollte Mutter nicht auch noch machen.“ Beim Klempner arbeitete er einen Tag Probe. „Ich hab mit einer Kurbel in einer verstopften Toilette gerührt“, weiß er noch wie heute, dass dieser Beruf nichts für ihn war.

Mit 14 Jahren bewarb sich Gerhard Schnock bei der Posthauptstelle in Kamen - und konnte sofort anfangen.

Mit 14 Jahren bewarb sich Gerhard Schnock bei der Posthauptstelle in Kamen - und konnte sofort anfangen. © Borys Sarad

Mit dem Fahrrad die Bewerbung weggebracht

Und dann klingelte Postbote Erich Hüsing an der elterlichen Haustür. Nach einem Gespräch schnappte sich der Junge sein Fahrrad und fuhr zur damaligen Post-Hauptstelle nach Kamen. Er konnte sofort anfangen. In der Personalakte ist die Bewerbung mit dem Passbild noch zu finden: Der damals erst 1,50 Meter große Junge schrieb: „Mein Ziel ist es, einen schönen Beruf zu erlernen.“

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Verantwortungsvoller Beruf, der sicheres Auftreten verlangte

Mehrfach hat sich die Post seither gehäutet. Der Beruf ist ein völlig anderer geworden. Doch von der Pike auf erlernte Schnock die Brief- und Paketzustellung, zu der damals auch Rentenauszahlung, das Eintreiben der Rundfunkgebühr und das Kassieren des Zeitungsgeldes gehörte. „Du hattest regelmäßig bis zu 15 000 D-Mark bei Dir“, erinnert sich Schnock. Doch es gab auch Momente, in denen Wechsel platzen und Leute nicht zahlten. Da musste der Teenager dann sicher auftreten, Kredite einfordern und Papierkram erledigen. „Auftragsgemäß erhebe ich Protest mangels Zahlung gegen den Bezogenen“, weiß Schnock noch heute, was er schreiben musste.

Nur mit einer Sache kann sich der Schalke-Fan nicht so richtig anfreunden: „Du glaubst ja gar nicht, wie ich mich hierdrin fühle“, sagt er - und zupft lachend an der schwarz-gelben Dienstkleidung.

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