Eigentlich sind alle Übernachtungsmöglichkeiten einschließlich der Campingplätze geschlossen. Der Wohnmobilhafen an der Marina nicht. Er ist Zuflucht für einige Menschen, die sonst keinen Platz haben.

Bergkamen

, 10.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie Gestrandete wirken Edward und Renate Zaremba eigentlich nicht. Das Ehepaar, das aus Unna stammt, wirkt eher, als wenn es an der Marina in Rünthe ein paar entspannte Urlaubstage verbringt. Sie haben sich draußen einen Campingtisch mit zwei Stühlen aufgebaut, die Fahrräder stehen bereit und auf dem Parkplatz am Wohnmobilhafen wartet der Kleinwagen, den sie auf einem Anhänger immer dabei haben.

Kontakte sind nur auf die Distanz möglich

Das Ehepaar muss sich auch im Wohnmobilhafen isolieren. Gespräche mit Betreiber Detlef Göke oder mit den wenigen anderen Gestrandeten sind nur auf die Distanz möglich. Trotzdem hat Renate Zaremba keine großen Probleme mit der Kontaktsperre. „Wir haben hier alles, was wir brauchen, sogar einen Backofen“, sagt Renate Zaremba. Die Kinder und die Enkel haben sie auch schon gesehen, zumindest auf die Entfernung und die 72-Jährige hat ihnen Kuchen vor die Tür gestellt.

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Vor gut einem Jahr haben sie und ihr 74 Jahre alter Ehemann sich entschlossen, ihr Haus gegen ein Wohnmobil einzutauschen. Das Haus in Mühlhausen mit dem großen Garten war dem Ehepaar zu groß und zu arbeitsreich geworden. Keines der Kinder wollte es. Campingurlaube haben sie schon immer geliebt – und so lagerten sie ihre Möbel ein und tauschten das Haus gegen ein Wohnmobil.

Die Kinder wollten sie in der Nähe haben

Die Corona-Krise ereilte das Ehepaar auf dem Rückweg aus dem Allgäu, wo eine Tochter lebt. Sie waren in Richtung Schwarzwald gefahren und hatten unterwegs auf einem Platz übernachtet. Dort hätten sie sogar bleiben können. „Aber die Kinder wollten, dass wir lieber in der Nähe sind, falls einmal etwas ist“, erklärt Renate Zaremba.

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Da wirkt das Ehepaar Müller, das erst am Morgen mit gebührendem Abstand einen Stellplatz bezogen hat, deutlich unentspannter – obwohl Wernfried und Gabriele Müller die Erleichterung deutlich anzumerken ist, dass sie in Rünthe angekommen sind. Die ehemalige Lehrerin und der ehemalige Kaufmann leben schon seit fast acht Jahren zusammen mit Hund „Gini“ in ihrem Wohnmobil.

Gabriele und Wernfried Müller stehen mit ihrem Hund Gini vor ihrem Wohnmobil. Das Ehepaar ist glücklich, dass es im Wohnmobilhafen bleiben kann. Das Ehepaar hat schon vor fast acht Jahren alles aufgegeben und lebt seitdem im Wohnmobil.

Gabriele und Wernfried Müller stehen mit ihrem Hund Gini vor ihrem Wohnmobil. Das Ehepaar ist glücklich, dass es im Wohnmobilhafen bleiben kann. Das Ehepaar hat schon vor fast acht Jahren alles aufgegeben und lebt seitdem im Wohnmobil. © Stefan Milk

Von der Corona-Krise in Spanien überrascht

Als die Corona-Krise begann, waren sie wie immer für das Winterhalbjahr in Spanien. Als sie die ersten Gerüchte hörten, dass die Grenzen geschlossen werden sollten, machten sie sich auf, zurück nach Deutschland.

Zunächst waren sie in Zell an der Mosel. Dann mussten sie auch dort weg. Die letzten Tage haben sie im Wohnmobil in der Garageneinfahrt ihrer Kinder in Dorsten verbracht, wo sie auch gemeldet sind. „Ohne Meldeadresse bekommt man in Deutschland nun mal noch nicht einmal seine Rente ausgezahlt“, erklärt Müller.

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Nach einigen sehr unbequemen Tagen hörte sie, dass der Wohnmobilhafen in Rünthe geöffnet ist – speziell für Menschen, die kein anderes Zuhause als ihr Wohnmobil haben. Jetzt sind sie da, erleichtert und hoffen, dass Göke nicht so bald vor der Tür steht und ihnen sagt, dass sie wieder fahren müssen.

Detlef Göke ist der Betreiber des Wohnmobilhafens und überwacht, dass sich seine wenigen Gäste an die Kontaktsperre halten.

Detlef Göke ist der Betreiber des Wohnmobilhafens und überwacht, dass sich seine wenigen Gäste an die Kontaktsperre halten. © Stefan Milk

Ordnungsamt erlaubt, dass Menschen ohne Wohnung bleiben

Die Sorge müssen sie vorerst nicht haben. Der Betreiber hat mit dem Bergkamener Ordnungsamt abgesprochen, dass er den Platz für diejenigen öffnen darf, die in ihrem Wohnmobil leben.

Keine Begegnung nötig

Perfekte Bedingungen, um Kontaktsperre einzuhalten

  • Die Wohnmobilisten, die jetzt im Wohnmobilhafen stehen, können sich nach Gökes Angaben bestens an die Kontaktsperre halten.
  • Dort gibt es keine Gemeinschaftswaschanlagen wie auf Campingplätzen.
  • Es gibt an den Stellplätzen Strom- und Wasseranschluss. Die Gäste müssen die eigenen Sanitäranlagen, Dusche und Waschbecken im Wohnmobil nutzen.
  • Die Corona-Krise hat dem Platzwart zwar schon deutliche Einnahmeverluste beschert, weil sonst meist fast alle Plätze belegt sind.
  • Er bleibt trotzdem Optimist. Er hat noch einen zweiten Job – und er nutzt die Zeit für Arbeiten am Platz, die sonst nicht möglich sind.
  • Göke hat unter anderem nicht genutzte Stellplätze neu mit Rasen eingesät.

Zurzeit sind das drei – außer den Zarembas und den Müllers auch noch ein ehemaliger Bergmann, der aus Dortmund stammt.

Göke hat vom Ordnungsamt deutliche Auflagen bekommen. Er darf beispielsweise nur zehn der insgesamt 18 Stellplätze vermieten, damit die Wohnmobilisten ausreichend Abstand halten.

Vor einigen Tagen kamen noch Rückkehrer aus dem Süden

In der vergangenen Woche hatte er noch deutlich mehr Übernachtungsgäste. Auch die waren Corona-Flüchtlinge. „Da sind noch viele gekommen, die in Südeuropa waren und nach Hause sollten, entweder nach Norddeutschland oder nach Skandinavien“, sagt Göke. Seit dieser Woche scheinen aber alle wieder Zuhause zu sein. Göke hat keine Anfragen mehr.

Dafür haben sich aber schon die ersten gemeldet, denen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt und die angefragt haben, ob sie nicht übers Wochenende kommen können, um ein paar Tage an der Marina und am Beversee zu verbringen. Gökes Antwort fällt jedes Mal kurz aus: „Nein“. Übernachtungen aus touristischen Gründen sind während der Kontaktsperre komplett verboten.

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