Ein norddeutscher Verpackungsgroßhändler zieht an die Industriestraße

dzHildebrandt AG

Jan Marcus, Chef der Paul Hildebrandt AG, hat es nicht so leicht, wenn er ein neues Grundstück für den Verpackungsgroßhändler aus Norddeutschland sucht. Nun ist er an der Industriestraße.

Bergkamen

, 13.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Dort hat das Unternehmen mit Hauptsitz im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg in der Nähe von Hamburg ein 25.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, auf das es mit seiner Bönener Niederlassung umziehen will. Daraus, dass die Hildebrandt AG andernorts vor allem in Ballungsgebieten nicht immer willkommen ist, macht Marcus kein Hehl: „Wir haben ein relativ schlechtes Verhältnis von Betriebsfläche und Arbeitsplätzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende, als er die Pläne am Donnerstag vorstellte. Das sieht man auch an dem Vorhaben in Bergkamen: In die 10.000 Quadratmeter große Halle werden 30 Mitarbeiter aus der Bönener Niederlassung wechseln, dazu will Hildebrandt 15 neue Kräfte einstellen.

Dass die Stadt Bergkamen und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna trotzdem froh sind, die Fläche an Hildebrandt verkauft zu haben, hängt zum einen damit zusammen, dass das Unternehmen ausbildet. Neun Lehrstellen seien geplant, berichtete die Bönener Niederlassungsleiterin Dunja Faust. Zum anderen liegt die Fläche nicht unbedingt attraktiv. Sie befindet sich in einer rückwärtigen Lage und ist von der Industriestraße aus nicht einsehbar, weil es von den Gebäuden der Firma Bulten verdeckt wird. Außerdem sind die baulichen Möglichkeiten eingeschränkt, weil unter der Fläche eine unterirdische Gasleitung und darüber eine Hochspannungsleitung verlaufen. „Einen repräsentativen Firmensitz kann man da nicht errichten“, meinte Bürgermeister Roland Schäfer.

Aber das will Hildebrandt auch gar nicht. „Wir haben kaum Publikumsverkehr“, sagte Marcus. Sein Unternehmen beliefert Großkunden mit Kartons, Folien und anderen Verpackungsmaterialien. Der Endverbraucher bekommt die normalerweise nicht zu sehen, bei den Produkten, die Hildebrandt vertreibt, geht es um den Warentransport. Um die Verpackungen zu lagern, braucht man Platz. Der fehlt in Bönen. „Wir haben schon zusätzliche Hallen angemietet“, unter anderem an der Industriestraße in Rünthe. Aber damit kommt das Unternehmen auf eine maximale Lagerkapazität von 4000 bis 5000 Quadratmeter – und die liegen noch nicht einmal zusammen.

Ein norddeutscher Verpackungsgroßhändler zieht an die Industriestraße

Die Hildebrandt AG will sich auf diesem Grundstück hinter der Firma Bulken an der Industriestraße ansiedeln.

Investition von 10 Millionen Euro

Deshalb will Marcus rund 10 Millionen Euro investieren, um die neue Halle in Bergkamen zu errichten, in der rund 9000 Palettenplätze vorgesehen sind. In der Mitte soll sich ein Bürotrakt befinden, an den sich an beiden Seiten Lagerflächen angliedern. Das Gebäude soll neun Meter hoch werden. Vorerst plant Marcus allerdings, das Material bis zu einer Höhe von 7,50 Meter zu lagern. Das hängt mit dem Brandschutz zusammen: „Wenn wir noch höher gingen, müssten wir eine Sprinkleranlage installieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Die Kosten dafür bezifferte er mit 600.000 Euro.

Ein norddeutscher Verpackungsgroßhändler zieht an die Industriestraße

Auf diesem Grundstück will die Hildebrandt AG eine neue Lagerhalle bauen. © Stefan Milk

Verkehrsgünstige

Er lässt sich aber die Möglichkeit offen, die Hallen entsprechend nachzurüsten und so den Lagerplatz zu erhöhen.

Ein weiterer Grund, der für die Industriestraße spricht, ist die verkehrsgünstige Lage. Hildebrandt arbeitet für Großkunden wie Amazon, Ikea, Kik und Poco, die auf genau getaktete Lieferzeiten („Just-in-Time“) setzen, um die eigenen Lagerkosten gering zu halten. Deshalb sollen die Hildebrandt-Fahrer möglichst keine weiteren Lieferstrecken als 150 Kilometer bewältigen, sagt Marcus: „Bei unseren Produkten haben wir nur geringe Gewinnmargen. Da können wir uns keine langen Wege leisten.“

Und nicht zuletzt denkt Marcus bei dem Umzug auch an seine Bönener Mitarbeiter, denen er keinen zu weiten Weg zur Arbeit zumuten will. Und zwar durchaus auch im Interesse des Unternehmens: „Beim Gehaltsgefüge können wir mit der Industrie nicht mithalten“, sagte Marcus. Falls die Niederlassung zu weit von Bönen weg ziehe, bestehe deshalb die Gefahr, dass zu viele Mitarbeiter kündigen.

Ein undurchsichtiger Fonds

Das Grundstück, das die Hildebrandt AG kauft, gehört der Wirtschaftsförderung (WFG) des Kreises Unna – sie verwaltet es treuhänderisch für die Stadt Bergkamen. Die WFG hat das Grundstück vor rund drei Jahren von der Steilmann-Gruppe gekauft, die damals ihren Haupsitz in Bergkamen hatte: „Kurz darauf ging sie in Insolvenz“, erinnert sich WFG-Chef Dr. Michael Danneboom. Die Folgen des Zusammenbruchs des völlig unübersichtlichen Firmengeflechtes von Steilmann sind zum Teil bis heute zu spüren. Auch bei der Hildebrandt AG. Die hätte nämlich auch gerne die Fläche neben ihrem neuen Grundstück an der Industriestraße gekauft. Auf der befinden sich zwei leer stehende Hallen, die einst zur Steilmann-Gruppen zählten. Inzwischen gehören sie einem Immobilien-Fonds mit Sitz im israelischen Tel Aviv, hat Hildebrandt-Chef Jan Marcus herausgefunden. An den habe das Unternehmen eine Kaufanfrage gestellt: „Wir haben nicht einmal eine Antwort bekommen.“

Zeitplan der Hildebrandt AG

  • Der bau der neuen Hildebrandt-Niederlassung soll Mitte nächsten Jahres beginnen.
  • Hildebrandt-Chef Jan Marcus rechnet mit einer Bauzeit von neun Monaten.
  • Ende 2020 soll die neue Halle ihren Betrieb aufnehmen.
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