Rüdiger Weiß zieht sich nicht nur aus dem Rat zurück, sondern auch vom Vorsitz des SPD-Ortsvereins Oberaden. Die Suche nach einem Nachfolger ist für die Bergkamener SPD nicht ganz unwichtig. © Marcel Drawe
Kommunalpolitik

Ein mächtiger SPD-Ortsverein sucht einen Nachfolger für Rüdiger Weiß

Nach dem Rückzug von Rüdiger Weiß aus der Politik braucht die SPD in Oberaden einen neuen Vorsitzenden. Die Position ist ein wichtiger Baustein im Machtgefüge der Bergkamener Partei.

Der Vorsitz des SPD-Ortsvereins Oberaden ist womöglich nicht das wichtigste Amt, von dem Rüdiger Weiß jetzt zurücktritt. Aber es ist zumindest das, das er am längsten bekleidete: Seit 1992 stand er an der Spitze der Oberadener Sozialdemokraten. Über einen Nachfolger oder vielleicht auch eine Nachfolgerin will der Ortsvereinsvorstand beraten, wenn er an diesem Freitagabend zusammentritt.

Wer die Struktur der Bergkamener SPD kennt, wird die Bedeutung dieser Entscheidung nicht unterschätzen. Die Stadtteilchefs spielen eine zentrale Rolle innerhalb der Partei.

Die Ortsvereine haben mehr Macht als der Stadtverband

Im Zweifelsfall haben sie mehr Macht als der nominelle Parteivorsitzende an der Spitze des Stadtverbandes. Das wurde vor einigen Jahren sehr deutlich, als die Delegierten aus den Ortsvereinen die Wahl des inzwischen aus der Bergkamener Kommunalpolitik ausgeschiedenen Christian Pollack zum Stadtverbandsvorsitzenden ablehnten – obwohl er der einzige Bewerber war. Schließlich wählte die Versammlung den Kompromisskandidaten André Rocholl, der auch heute amtiert. Unter den wichtigen Ortsvereinen zählt der aus Oberaden zu den besonders mächtigen. Und das nicht nur, weil er zu den mitgliederstärksten gehört, sondern vor allem, weil hier Rüdiger Weiß fast 20 Jahre lang die Strippen zog. Seit 2010 auch aus Düsseldorf.

Der neue Ortsvereinsvorsitzende tritt also ein in jeder Hinsicht schwieriges Erbe an. Als Favoriten für die Weiß-Nachfolge müsste unter normalen Umständen einer seiner drei Stellvertreter Christian Blom, Michael Jürgens oder Dieter Mittmann gelten. Letzterer ist auch stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, von deren Spitze sich Weiß ebenfalls zurückzieht.

Noch kein offizieller Bewerber

Für den Vorsitz gebe es bisher keinen Bewerber, sagte Mittmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Er gilt als enger Gefolgsmann von Weiß. Ob er oder ein anderer der bisherigen Vize-Chefs ihren Hut in den Ring werfen, ließ Mittmann offen. Der Ortsverein habe noch gar keine Zeit gehabt, sich mit der Causa Weiß und der Nachfolgefrage zu befassen: „Es hat ja ein Termin den anderen gejagt.“

Vielleicht entscheidet sich der Ortsvereinsvorstand, dem auch Weiß‘ Ehefrau Ulrike und sein Sohn Till angehören, ja auch für einen kompletten personellen Neuanfang. Denn er kann den neuen Vorsitzenden oder die neue Vorsitzende nur kommissarisch einsetzen: Wählen müssen ihn die Oberadener SPD-Mitglieder.

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Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne

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