Wer häufiger am Dattel-Hamm-Kanal unterwegs ist, kennt es: Das Drachenboot der „Himmelsbooten“. Es nimmt flotte Fahrt auf, wenn alle Paddler den Rhythmus halten. Und das ist gar nicht einfach.

Bergkamen

, 26.07.2020, 12:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer auf dem Kanal unterwegs ist, zieht Blicke auf sich. Zumindest, wenn er an Bord der „Himmelsbooten“ sitzt: Das ist das Drachenboot-Team der Martin-Luther-Kirchengemeinde. Zwei Mal in der Woche fährt es von der Marina aus meist in Richtung Hamm. Dann bleiben viele Radfahrer und Spaziergänger auf dem Kanalufer-Weg stehen und schauen. Manche feuern die Paddler an, manche zücken ihre Handys, fotografieren oder filmen.

Das Boot gleitet im hohen Tempo über den Kanal.

Das Boot gleitet im hohen Tempo über den Kanal. © Stefan Milk

Und es ist ja auch ein beeindruckender Anblick, wenn das 12,5 Meter lange Gefährt ruhig im Wasser liegt und sich zügig fortbewegt, weil die Frauen und Männer im Boot ihre Paddel im gleichen Rhythmus ins Wasser stechen.

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Anfänger hat Probleme mit dem Paddel-Rhythmus

Wobei das bei dieser Trainingseinheit mit dem gleichen Rhythmus so eine Sache ist. Im Drachenboot sitzt ein Anfänger. Der hat schon alle Mühe mit der anspruchsvollen Technik. Deren Hauptherausforderung besteht darin, das Paddel kräftig einzutauchen und durchzuziehen, aber nicht zu lange im Wasser zu lassen.

Und dann gilt es noch, nicht aus dem Paddel-Takt der Mannschaft zu geraten.

Eigentlich sollen alle Insassen des Drachenbootes im gleichen Rhythmus paddeln - eigentlich.

Eigentlich sollen alle Insassen des Drachenbootes im gleichen Rhythmus paddeln - eigentlich. © Stefan Milk

„Man schaut nicht auf den Vordermann, sondern orientiert sich an den Schlagleuten“, sagt Teamcaptain Martin Lehmköster. Das sind die Frau und der Mann, die auf der ersten der zehn Bänke sitzen und den Rhythmus vorgeben.

Ganz hinten steht der Steuermann. Er lenkt nicht nur das Boot, sondern gibt auch Kommandos beim Training. Zum Beispiel, die Schlagzahl zu erhöhen und einen Sprint zwischen zwei Kanalbrücken anzuziehen. Für den ungeübten Paddler ist das besonders anstrengend, beim Renntempo stößt er an seine Grenzen und zieht das Paddel aus dem Wasser - langsamer wird das Boot dadurch nicht.

“Himmelsbooten“

Probe-paddler sind willkommen

  • Die Himmelsboten trainieren mittwochs von 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr und samstags von 10.30 Uhr bis 12 Uhr auf dem Datteln-Hamm-Kanal.
  • Start ist in der Marina in Rünthe, Treffpunkt an der Slip-Anlage am Hafenweg 38.
  • Probe-Paddler, die das Drachenbootfahren ausprobieren wollen, sind jederzeit willkommen.
  • Informationen gibt es bei Martin Lehmköster unter Tel. (02384) 911 784 oder 01590/1952053 oder per E-Mail an bmlehmkoester@gmx.de .
  • Im Internet findet man die „Himmelsbooten“ unter www.himmelsbooten.de

Bei Rennen gibt ein Trommler den Takt vor

Wer schon einmal ein Drachenboot-Rennen - etwa beim Hafenfest - beobachtet hat, weiß, dass auch ein Trommler an Bord ist, der den Rhythmus vorgibt. Meist ist das ein Kind, das nur wenig wiegt. „Bei uns macht das die Tochter eines Teammitgliedes“, sagt Lehmköster. Allerdings kommt sie nur dann zum Einsatz, wenn die „Himmelsbooten“ tatsächlich an einem Wettkampf teilnehmen. Und nur dann montieren sie auch den namensgebenden Drachenkopf an der Bootsspitze und den Schwanz am Ende - der Ursprung des Drachenbootfahrens soll in der chinesischen Mythologie liegen.

Die erste Übung beim Training der „Himmelsbooten“: Das Drachenboot muss zu Wasser gelassen werden.

Die erste Übung beim Training der „Himmelsbooten“: Das Drachenboot muss zu Wasser gelassen werden. © Stefan Milk

In dieser Saison blieben Trommel und Drachenkopf meist im Depot - wegen der Corona-Pandemie. „Alle bisher geplanten Rennen wurden abgesagt“, berichtet Lehmköster. Auch das Drachenboot-Training auf dem Kanal war zunächst gar nicht, später nur in kleiner Besetzung möglich. Inzwischen dürfen aber wieder alle gut 20 Teammitglieder mit ins Boot. Neue Mitglieder können die „Himmelsbooten“, die es seit 2006 gibt, gut gebrauchen. „Unser Durchschnittsalter liegt über 50“, sagt Lehmköster. Außerdem sei der Frauenanteil deutlich höher als bei anderen Teams. Es sitzen aber auch einige Paare im Boot: Schlagfrau ist zum Beispiel Lehmkösters Gattin Bettina.

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Fahrten auf der Seine und den Kanälen in Venedig

Sie trägt ein gelbes Trikot, das zeigt, dass die Drachenboot-Fahrer viel mehr zu sehen bekommen als den heimischen Kanal. Bettina Lehmköster hat ihr Shirt bei einem Langstrecken-Rennen in Paris bekommen. Dort paddelten die Himmelsbooten 26 Kilometer über die Seine.

Los geht‘s: Zum Training legen die Drachenbootfahrer in der Marina ab.

Los geht‘s: Zum Training legen die Drachenbootfahrer in der Marina ab. © Stefan Milk

Noch beeindruckender sei es in Venedig gewesen, wo das Drachenboot bei der „Vogalonga“ durch die Kanäle fuhr, sagt Martin Lehmköster. Das ist allerdings kein Rennen, sondern eine Art Demonstration für umweltfreundliches Bootsfahren in der Lagunenstadt. Auch in diesem Jahr hoffen die „Himmelsbooten“ noch auf einen Auslandsstart. Im September soll es nach Amsterdam gehen - wenn das Rennen dort stattfinden kann.

Begegnungen mit anderen Booten auf dem Kanal stellen in der Regel kein Problem dar.

Begegnungen mit anderen Booten auf dem Kanal stellen in der Regel kein Problem dar. © Stefan Milk

Der Wettkampf um Sieg und Platz ist aber keineswegs der Hauptzweck der „Himmelsbooten“. Vielmehr geht es um den Spaß am gemeinsamen Sporttreiben, meint Lehmköster. Den kann man auch auf dem Datteln-Hamm-Kanal haben.

Dort erfahren die Teammitglieder beim Training das schöne Gefühl, dass nicht die Fähigkeiten eines Einzelnen das Drachenboot im schnellen Tempo über das Wasser gleiten lässt, sondern die Leistung des Kollektivs. Und das funktioniert sogar, wenn ein Anfänger an Bord ist, der ständig aus dem Rhythmus gerät.

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