Ein demokratisches Kunstwerk

dzLichtkunst

Die Frage „Und das soll Kunst sein?“ hat Andreas M. Kaufmann vermutlich schon öfter gehört. Auch und gerade in Bezug auf seine Waschtrommel in Bergkamen. Daraus hat er Konsequenzen gezogen.

Bergkamen

, 23.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oft stellt ein Künstler sein Werk im Öffentlichen Raum auf, kommt zur Einweihung und lässt sich dann nie wieder oder zumindest nur noch selten blicken. Diesen Vorwurf kann man Andreas M. Kaufmann nicht machen. Der Künstler, der in Barcelona lebt, war erst in dieser Woche wieder in Bergkamen, um sich mit seinem Kunstwerk „no agreement today, no agreement tomorrow“ zu befassen.

Die Mitbestimmung gehört zum Kunstkonzept

Und zwar auf demokratische Weise: Denn bei der Veranstaltung mit Kaufmann entschieden die Teilnehmer, dass für 2019 die Klimaaktivistin Greta Thunberg in die „Waschtrommel“ kommt, wie das Kunstwerk auch genannt wird. Diese Form der Mitbestimmung gehört zu Kaufmanns Kunstkonzept. Er kommt zwar nicht jedes Jahr, aber doch regelmäßig nach Bergkamen, um mit den Bürgern über den Bilderwechsel zu entscheiden. Die Entscheidung fällt per Abstimmung.

Im Lauf der Jahre hat Kaufmann sein Demokratiekonzept erweitert. Früher machte er noch Vorschläge, wer in die Trommel könnte, die Bergkamener durften dann daraus auswählen. Inzwischen machte Kaufmann gar keine Vorgaben mehr, sondern lässt die Besucher seiner Veranstaltungen diskutieren.

Ein demokratisches Kunstwerk

In dieser Woche hat Andreas M. Kaufmann mit Bergkamener über den jüngsten Bilderwechsel diskutiert. Sie entschieden sich für Greta Thunberg. © Stefan Milk

Im jüngsten Fall entschieden sie sich zwar einstimmig für Greta – in früheren Jahren gab es aber auch schon kontroverse Debatten und Kampfabstimmungen. Das allerdings hängt auch mit Kaufmanns Konzept zusammen.

In der Trommel treffen sich Gut und Böse

Denn für jedes Jahr soll die Person ausgewählt werden, die das meiste mediale Interesse auf sich gezogen haben. Und das können schon mal Figuren der Zeitgeschichte sein, die deutlich weniger Sympathien auf sich ziehen als Greta. So gab es zum Beispiel im Kulturreferat durchaus Beschwerden, weil sich der Terrorist Osama Bin-Laden in der Trommel drehte. Er verschwand aber nicht etwa aus politischen Gründen, sondern weil ihn Bergkamener bei einem der Diskussionsabende herausgewählt haben. Ganz demokratisch.

Kritik und Anfeindungen ist Kaufmann aber gewöhnt, seitdem er seine Skulptur 2004 in Bergkamen aufgebaut hat. Damals haben ihm einige Passanten sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht sehr viel von dieser Art der Kunst halten. Aber genau das brachte Kaufmann auf die Idee, den Bildertausch zu demokratisieren. Und so freut er sich auch, dass seine Skulptur in Bergkamen inzwischen als „Waschtrommel“ gekannt ist: „Wenn man etwas einen Spitznamen gibt, dann bedeutet das, das man sich damit beschäftigt hat.“

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