Eigentümer sollen bald Gewissheit haben, wie aufwendig die Sanierung wird

dzGeräumte Häuser

Die Wohnungseigentümer in den geräumten Häusern sollen in der übernächsten Woche mehr Gewissheit über den Sanierungsaufwand haben. Der Verwalter stellt die Einschätzung des Gutachters vor.

Bergkamen

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

André Beckschulte verbringt zurzeit viel Zeit am Telefon. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens aus Unna, das die geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße verwaltet. Immer wieder rufen Eigentümer, aber auch viele Mieter an, die aus ihrer Wohnung mussten. Sie alle wollen wissen, wie es weitergeht und vor allem wann: Die 60 Wohnungen in den beiden Häusern sind bereist vor drei Wochen innerhalb weniger Stunden geräumt worden. Seitdem wohnen die knapp 100 Bewohner bei Verwandten, Freunden und einige sogar in der städtischen Notunterkunft an der Fritz-Husemann-Straße.

Einladung zur Eigentümerversammlung

Sie alle sollen zumindest in den kommenden Tagen erfahren, wie es weitergeht mit den beiden Häusern. Beckschulte will gleich nach Pfingsten eine außerordentliche Eigentümerversammlung einberufen und darüber informieren, zu welchen Schlüssen der Brandsachverständige gekommen ist. Beckschulte hatte Wilhelm Tigges, den ehemaligen Leitenden Branddirektor der Stadt Hamm, eingeschaltet. Tigges schaute sich die Häuser genau an und tauschte sich mit der Bergkamener Bauaufsicht aus.

Keine schnelle Lösung möglich

Das, was er herausfand, gefällt weder dem Hausverwalter noch den Eigentümern und den Mietern: „So schnell wie ich gehofft habe, können die Häuser wieder bezogen werden“, sagt Beckschulte. Er hatte die Hoffnung, dass der Brandschutz mit wenigen, schnell durchzuführenden Maßnahmen zumindest so weit wieder hergestellt werden kann, dass die Bewohner vorläufig in ihre Wohnungen zurück können. Die Mängel sind aber offenbar auch nach Ansicht des Sachverständigen so tiefgreifend und vielfältig, dass das nicht möglich ist.

Über die Details der Aussagen des Gutachters und einen möglichen Zeitplan will sich Beckschulte vor der Eigentümerversammlung nicht äußern.

Problematische Konstruktion und illegale Umbauten

Die beiden Häuser, die aus den 70er Jahren stammen, haben eine aus heutiger Sicht schon eine problematische Konstruktion. Es gibt Müllschächte, die von allen Etagen bis in den Keller reichen. Hinzu kommen Lüftungsschächte für die innenliegenden Küchen und Bäder, die ebenfalls vom Keller bis zum Dach durchs ganze Haus reichen. Hinzu kommt, dass diese Schächte im Laufe der Jahre an vielen Stellen angebohrt und aufgestemmt wurden, zum Beispiel um Leitungen zu verlegen. Die Folge: Giftiger Brandrauch und lebensgefährliches Kohlenmonoxid breiten sich bei einem Brand irgendwo im Haus in wenigen Minuten über alle Etagen bis in die Wohnungen aus. Noch nicht einmal vorübergehend ist dort jemand sicher.

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