Eifersüchtiger schwärzt Frau per Mail als Prostituierte an

dzGericht

Wer Ärger mit der Freundin hat, sollte keine Mails schreiben, in der er sie als Prostiutierte verunglimpft. Schon gar nicht an den Arbeitgeber der Frau. Das hat ein Man vor Gericht gelernt.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 04.12.2019, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie könne nur die Beine breit machen, würde mit Sex Geld verdienen. So der Inhalt einer Mail, die ein Angeklagter dem Chef eines Bergkamener Unternehmens geschickt hatte. Mit „sie“ war eine Angestellte gemeint. Kennengelernt hatte der Angeklagte, der sich wegen Beleidigung beziehungsweise übler Nachrede im Amtsgericht Kamen verantworten musste, die Frau über eine Dating-App. Von Anfang an sei ihr Sex sehr wichtig gewesen, erklärte der 36-Jährige im Gericht. Sie habe ständig Kontakt zu anderen Männern gehabt, sei aber selber äußerst eifersüchtig gewesen.

Eifersucht und eine Affäre mit dem Ex

War er bei ihr, sei alles schön gewesen. Sobald er auf Geschäftsreise gegangen sei, hätten die Unterstellungen angefangen. Er würde etwas mit Stewardessen und Geschäftspartnerinnen haben. Obwohl ihn die Situation sehr belastet habe, sei er bei ihr geblieben. Selbst, als sie ihm eine Affäre mit ihrem Ex gebeichtete habe, sei er nicht gegangen. Während eines Urlaubs habe er sie dann wieder dabei erwischt, wie sie mit einem Verflossenen geschrieben habe. Das sei zu viel gewesen. Er habe Wein getrunken und dann die Mail an die Vorgesetzten der Geschädigten geschrieben. Allerdings habe er davon am nächsten Morgen gar nichts mehr gewusst und sich erneut per Mail entschuldigt.

Entschuldigungsmail überzeugt den Richter nicht

Besagte Entschuldigungsmail lag dem Richter vor. So richtig überzeugen konnte sie ihn aber nicht. Er kritisierte, dass sich auch darin viele negative Äußerungen über die Frau wiederfänden. Schließlich betrat die 46-Jährige mit einem dicken Aktenordner unter dem Arm den Zeugenstand. Anderthalb Jahre seien sie zusammen gewesen. Zwischendurch habe sie sich immer wieder von ihm getrennt. Am Tag der E-Mail hätten sie sich auf Mallorca befunden. Der Angeklagte sei betrunken gewesen. Da es früher schon mal zu Handgreiflichkeiten gekommen sei, sei sie an dem Abend geflohen: „Ich hatte Todesangst. Ich hatte nicht einmal Schuhe an.“ Sie habe sich dann endgültig von ihm getrennt. Er habe gedroht, sich umzubringen, wenn sie gehe. Er habe sie nicht in Ruhe gelassen. In dem Ordner hatte die Zeugin Mails von Frauen gesammelt, die ebenfalls schlimme Dinge mit dem Angeklagten erlebt hatten.

Dem 36-Jährigen war wegen der Mail an den Chef ein Strafbefehl über 6000 Euro zugegangen. Dagegen hatte er Einspruch eingelegt. Nach der Beweisaufnahme ließ der Richter durchblicken, dass er der Frau glaube. Aus Angst, die Strafe könnte dadurch noch höher werden, nahm der Angeklagte den Einspruch zurück und akzeptierte damit die 6000 Euro Geldstrafe.

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