Ehemalige Bergleute kämpfen mit neuen Bundesgenossen für den vorletzten Förderturm

dzHaus Aden

Der Bergbau-Geschichtskreis aus dem Stadtmuseum hat beim Kampf um den letzten Oberadener Förderturm Bundesgenossen gefunden. Auch die IGBCE und die SPD wollen sich für den Turm einsetzen.

Bergkamen

, 25.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der „Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4“, der aus ehemaligen Bergleuten besteht, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er will den letzten Förderturm in Oberaden retten, der noch über dem Schacht 2 der ehemaligen Zeche Haus Aden steht.

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Eigentlich scheinen die Tage des Schachtgerüsts schon gezählt. Die RAG benötigt ihn nicht mehr für die zentrale Wasserhaltung auf Haus Aden. Den neuesten Planungen steht er sogar im Weg: An seiner Stelle soll ein technisches Gebäude für die Tauchpumpen entstehen, mit denen die RAG das Grubenwasser spätestens ab 2023 in die Lippe pumpen will.

Der Förderturm über dem Schacht Haus Aden 1 wurde schon 2005 gesprengt. Dieses Schicksal will der Geschichtskreis dem anderen Förderturm der Zeche ersparen.

Der Förderturm über dem Schacht Haus Aden 1 wurde schon 2005 gesprengt. Dieses Schicksal will der Geschichtskreis dem anderen Förderturm der Zeche ersparen. © Archiv

RAG hat schon die Abrissgenehmigung

Die RAG hat auch schon eine Abrissgenehmigung für das Schachtgerüst. Sie will den Förderturm im kommenden Jahr abreißen. Er würde dann das gleiche Schicksal erleben wie sein Nachbar, der Förderturm über dem Schacht Haus Aden 1. Wie er aussah ist nur noch an einem Modell im Stadtmuseum zu besichtigen. Er wurde schon 2005 gesprengt.

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Jetzt hat der Geschichtskreis Verbündete für seine Idee gefunden, das Pumpengebäude zu errichten und den Förderturm trotzdem stehen zu lassen. Auch die Oberadener Bergbau-Gewerkschaft IGBCE und die Bergkamener SPD-Fraktion will sich dafür einsetzen.

Der Querbalken des Förderturms unterhalb der Seilscheiben befindet sich nach Angaben des Geschichtskreises auf 31 Metern Höhe. Deshalb bleibt nach seiner Ansicht Platz genug für das 12,5 Meter hohe geplante Pumpenhaus.

Der Querbalken des Förderturms unterhalb der Seilscheiben befindet sich nach Angaben des Geschichtskreises auf 31 Metern Höhe. Deshalb bleibt nach seiner Ansicht Platz genug für das 12,5 Meter hohe geplante Pumpenhaus. © Marcel Drawe

Geschichtskreis sieht Platz für Förderturm und Pumpenhaus

Nach Ansicht von Volker Wagner, dem Sprecher des Geschichtskreises, lässt sich der Förderturm auch erhalten, wenn das Pumpenhaus gebaut wird. Die Pläne der RAG sehen nach seinen Angaben vor, dass das Pumpengebäude exakt zwölfeinhalb Meter hoch wird.

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Der Querbalken des Förderturms befindet sich nicht in gleicher Höhe, wie ein RAG-Sprecher vor einigen Tagen gesagt hatte, sondern deutlich höher: Tatsächlich befindet er sich in 31 Metern Höhe, sagt Wagner.

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Genug Platz also, um das Pumpenhaus unter dem Förderturm unterzubringen. Falls die Fläche nicht reicht, könnten die seitlichen Stützstreben möglicherweise in das Gebäude integriert werden, regt er an. Die sogenannte Korbführung, die den Förderturm in der Mitte stützt, könnte auf dem Dach des Pumpenhauses aufliegen und dort abgestützt werden.

Die RAG will Grubenwasser über den Schacht 2 pumpen und in die Lippe einleiten.

Die RAG will Grubenwasser über den Schacht 2 pumpen und in die Lippe einleiten. © Archiv

Bernd Schäfer setzt sich für neue Gespräche mit der RAG ein

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Schäfer kündigte zumindest an, dass er sich für neue Gespräche mit der RAG einsetzen will.

Schachtgerüste

Die letzten von ursprünglich neun Fördertürmen

  • Der Geschichtskreis sieht den Förderturm in Oberaden als eines der letzten großen Symbole für den Bergbau in Bergkamen.
  • Nach Ansicht der ehemaligen Bergleute ist das „Geplante Hebewerk“, wie sie das Pumpengebäude nennen, „kein neuer Identifikationsort für die Bergbaugeschichte unserer Stadt“.
  • Ursprünglich gab es in Bergkamen sogar neun Fördertürme – je zwei auf Grimberg 1/2, Grimberg 3/4 und Haus Aden sowie jeweils einen an Werne 3 in Rünthe, am Schacht Grillo 3 an der Weddinghofer Straße und an Grillo 4 (Drei Finken) in Overberge,
  • Erhalten sind nur noch die Fördertürme Haus Aden 2 und Grimberg 2, der unter Denkmalschutz steht.

Wahrscheinlich geht es dabei auch darum, dem ehemaligen Bergbauunternehmen eine finanzielle Beteiligung anzubieten, wenn der Förderturm erhalten bleibt.

Der Stadtrat hatte erst in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, Fördermittel aus dem Topf „Nationales Projekt des Städtebaus“ zu beantragen. Mit dem Geld soll das Pumpengebäude unter dem Motto „Aus der Tiefe in die Höhe“ so gestaltet werden, dass es an den Bergbau auf dem Standort Haus Aden erinnert. Dabei ist ein Eigenanteil der Stadt in Höhe von über 700.000 Euro eingeplant.

Nach Schäfers Angaben liegt „der erste Aufschlag“ für neue Gespräche über das Schachtgerüst aber bei der RAG. Sie soll zumindest zeigen, dass sie gesprächsbereit ist, den Förderturm unter Umständen doch zu erhalten. Der Bergbau-Geschichtskreis geht davon aus, dass auch das Unternehmen Interesse an einer attraktiven Gestaltung des ehemaligen Bergbau-Standortes hat. Es ist über seine Tochter RAG Montan-Immobilien (RAF`G MI) auch an der Vermarktung der Grundstücke in der Wasserstadt beteiligt.

Wagner machte noch einmal deutlich, dass ein Pumpengebäude den ehemaligen Bergleuten in Bergkamen kaum als Symbol für den Bergbau zu vermitteln sei – ganz gleich, wie es gestaltet wird. Das sieht bei dem Förderturm für ihn anders aus.

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