Nach tödlichem Ehedrama in Bergkamen: So arbeiten die Opferschützer

dzPolizei

Nachdem am Sonntag ein Ehemann seine Frau ermordet hat, ist der Fall für die Polizei noch nicht abgeschlossen. Jetzt werden die Opferschutzbeauftragten aktiv. Denn das Paar hatte drei Kinder.

Bergkamen

, 12.11.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 50-jährige Bergkamenerin wurde am Sonntagabend von ihrem Ehemann getötet. Der 54-Jährige brachte sich anschließend selber um. Die Staatsanwalt Dortmund ist sich auch am Dienstag noch sicher, dass sich der Vorfall so abgespielt hat. Laut der Staatsanwaltschaft wurden mittlerweile beide Leichen obduziert und es bestehen immer noch keine Zweifel daran, dass der Mann erst die Frau und dann sich tötete.

Gefunden haben die tote Frau ihre Kinder. Für die zwei erwachsenen Frauen und den Sohn, der noch bei dem Ehepaar lebte, zum Tatzeitpunkt aber nicht zu Hause war, muss das ein Schock gewesen sein, der sich nicht so leicht verdauen lässt. Doch sie müssen das dramatische Erlebnis nicht ganz alleine verarbeiten. Denn die Polizei nimmt nicht nur Täter fest, sondern sorgen auch dafür, dass Opfer und Angehörige versorgt sind.

Ob sich in dem aktuellen Bergkamener Fall die Dortmunder oder die Kreispolizei Unna um die Kindern kümmert, weiß die Unnaer Polizei am Dienstag noch nicht.

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Jetzt werden die Opferschutzbeauftragten aktiv

Ciler Durmus gehört zum Team des Kriminalkommissariats Opferschutz. Die Kriminalhauptkommissarin kümmert sich um Angehörige wie die Kinder des Bergkamener Ehepaars. Menschen, die miterleben wie ihre Angehörigen sterben oder sie selbst auffinden, können unter Schock stehen. „Aber jede Person reagiert anders“, erklärt Durmus.

„Manche sind am ersten Tag stabil und am zweiten brechen sie zusammen.“ Oft lehnten Betroffene die Hilfe der Polizisten im ersten Moment ab, weil sie nicht in der Lage sind, solche Entscheidungen zu treffen. Durmus nimmt dann zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Kontakt auf. „Wir begleiten die Menschen“, erklärt sie.

Nach tödlichem Ehedrama in Bergkamen: So arbeiten die Opferschützer

Am Sonntagabend wurden in Bergkamen-Mitte zwei Leichen gefunden. Es handelt sich um ein Ehepaar. © Axel Ruch/VN24.nrw

Durmus leistet hauptsächlich Vermittlungsarbeit und stellt für Betroffene den Kontakt zu Stellen wie der Traumaambulanz her. Doch Durmus ist auch dafür zuständig, Todesnachrichten zu übermitteln. Gemeinsam mit einem Notfallseelsorger sucht sie die nächsten Angehörigen der Todesopfer auf, nachdem die Ermittlungen abgeschlossen sind und nicht mehr gefährdet werden können.

„Wenn die Polizei klingelt, denken die meisten Menschen, dass sie schlechte Nachrichten überbringt, dann haben sie Angst.“ Deshalb redet Durmus in solchen Fällen nicht um den heißen Brei herum. Nachdem sie sich vergewissert hat, dass die richtige Person vor ihr steht, überbringt sie die schlechte Nachricht „kurz und präzise“.

Polizei begleitet die Betroffene und Opfer

Durmus ist für solche Besuche gut vorbereitet, denn nach dem ersten Schock oder Zusammenbruch stellen die Angehörigen erfahrungsgemäß viele Fragen. „Sie wollen zum Beispiel wissen, ob es die Möglichkeit gibt, die Person noch einmal zu sehen“, erklärt Durmus. Auch informiert sie sich vorab, ob der Angehörige möglicherweise gesund ist oder etwa herzkrank. „Dann informieren wir vorher einen Rettungswagen.“

Ist der Betroffene mit Informationen und Hilfsangeboten versorgt, stellt Durmus sicher, dass ein Angehöriger oder Freund kommt, damit der Betroffene nicht alleine bleibt. Der Notfallseelsorger bleibt meist länger da als sie. „Er bleibt vor Ort, bis alles so weit in Ordnung ist“, sagt Durmus.

Die Menschen werden also so lange betreut und beobachtet, bis die Polizei ganz sicher ist, dass sie in den richtigen Händen sind bzw. stabil. Die Familie des Bergkamener Ehepaars ist jetzt also nicht auf sich alleine gestellt.

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