Die neuen Pläne für das Turmarkaden-Gelände liegen vor. Sie sind so überzeugend, dass die Stadt empfiehlt, sie diesmal nicht abzulehnen. Details sind schon öffentlich.

Bergkamen

, 22.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei den Investoren, die das Einkaufszentrum Turmarkaden abgerissen und dort ein Geschäftszentrum vor allem mit Discountern geplant haben , hat offenbar ein großer Umdenkungsprozess begonnen. Als die Stadt ihre Pläne ablehnte, hatten sie noch mit einer Schadenersatzklage gedroht. Es folgten Gespräche zwischen Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters und der Firma „Hilee B“ aus Zossen bei Berlin, die dort neu bauen will.

Die ursprünglich vorgesehenen riesigen Einzelhandelsflächen sind deutlich zugunsten von Wohnungen und einem Platz mit Gastronomie geschrumpft.

Die ursprünglich vorgesehenen riesigen Einzelhandelsflächen sind deutlich zugunsten von Wohnungen und einem Platz mit Gastronomie geschrumpft. © Stefan Milk

Stadtverwaltung rät dem Stadtrat, den neuen Plänen zuzustimmen

Das Ergebnis sind neue Pläne. Von ihnen sind Bürgermeister und Baudezernent so begeistert, dass sie dem Stadtrat empfehlen, eine Bauvoranfrage nicht erneut abzulehnen. Bürgermeister Roland Schäfer kann sich sogar vorstellen, das langwierige Bauleitplanverfahren abzukürzen, das der Stadtrat für die riesige Fläche gegenüber vom Rathaus beschlossen hat.

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Die neuen Pläne der Investoren sehen Folgendes vor:

  • Auf dem Gelände soll ein großer Lebensmittelmarkt mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern entstehen, als Ankermieter für die anderen Geschäfte. Bürgermeister Roland Schäfer wollte das nicht bestätigen, aber dem Vernehmen nach soll es sich um einen Edeka-Markt handeln.
  • Zusätzlich sind weitere, kleinere Geschäfte geplant. Unter anderem soll ein Drogeriemarkt einziehen.
  • In den bis zu fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, die in „aufgelockerter Bauweise“ auf der Fläche entstehen sollen, sind 115 barrierefreie Wohnungen geplant. Sie sollen alle einen Balkon haben. Die Gebäude dürfen übrigens nur deshalb bis zu fünf Geschosse haben, weil es auf dem Gelände noch das achtgeschossige Hochhaus an der Töddinghauser Straße gibt. Zumindest ein Teil der Wohnungen sollen Mietwohnungen sein.
  • In die Erdgeschosse der Häuser sollen Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen einziehen – wie Versicherungsbüros oder Kanzleien.
  • Zusätzlich soll es ein weiteres fünfgeschossiges Gebäude geben, in dem es im Erdgeschoss Gastronomie und kleine Einzelhandelsflächen geben soll, im ersten und zweiten Obergeschoss ein Fitnessstudio und in den oberen Geschossen Büros.
  • Zusätzlich ist ein fünfgeschossiges Ärztehaus im Bereich Zentrumsplatz geplant.

Dank des achtgeschossigen Hochhauses an der Töddinghauser Straße dürfen auch die neuen Wohn- und Geschäftshäuser bis zu fünf Geschosse haben.

Dank des achtgeschossigen Hochhauses an der Töddinghauser Straße dürfen auch die neuen Wohn- und Geschäftshäuser bis zu fünf Geschosse haben. © Stefan Milk


Viel Platz für Fußgänger und eine große Tiefgarage

Zwischen den Gebäuden soll es eine breite Achse für Fußgänger geben, die auch Platz für Außengastronomie bieten und zum Teil als Park gestaltet werden soll. Die Gestaltung soll ein Landschaftsarchitekt übernehmen. Auf den Dächern der Gebäude soll es entweder Solaranlagen geben oder sie werden begrünt.

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Die notwendigen Parkplätze sollen sich zu zwei Dritteln in einer Tiefgarage befinden. Nur ein Drittel wird oberirdisch angelegt. Die ursprünglich einmal geplanten rund 20.000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen sind deutlich abgespeckt.

„Dort soll jetzt das entstehen, was unseren Vorstellungen von einer Stadtmitte entspricht.“
Bürgermeister Roland Schäfer

Nach Angaben von Bürgermeister Roland Schäfer liegt der Stadt bereits ein Grundriss vor, wie die Gebäude angeordnet werden sollen und erste Skizzen, wie sie aussehen sollen. In den nächsten Tagen wollen die Investoren auch noch Details zu den Fassaden nachreichen. Sie sollen ihre Pläne in der Sitzung des Stadtrats am 29. Oktober in der Schützenhalle an der Schützenheide vorstellen.

Nach Überzeugung der Stadtverwaltung entsprechen sie zu nahezu 100 Prozent den Vorgaben des Stadtmittekonzepts „Bergkamen mittendrin“, das der Stadtrat in diesem Jahr beschlossen hat.

Deshalb empfiehlt die Stadtverwaltung dem Rat diesmal, eine Bauvoranfrage der Investoren nicht abzulehnen. „Das ist notwendig für den Investor, damit er die Planung weiter vorantreiben kann“, sagt Schäfer.

Baugesetzbuch

Stadtrat nutzt Gesetz, um sich durchzusetzen

  • Der Stadtrat hatte die ursprünglichen Pläne für ein sogenanntes „Hybridcenter“ vornehmlich mit Discountern mithilfe einer Möglichkeit abgelehnt, die ihm das Baugesetzbuch lässt.
  • Wenn er ein Bauleitplanverfahren einleitet, können Bauvoranfragen zurückgestellt werden, wenn sie den vermutlichen Zielen des späteren Bebauungsplans widersprechen.
  • Da sich der Bebauungsplan nach den Zielen des Stadtmittekonzepts richten sollte, war das so.
  • Die Möglichkeit gab es jedoch nur, weil die Investoren die Turmarkaden schon fast komplett abgerissen hatten. Sonst hätten sie Bestandsschutz für die Einzelhandelsflächen gehabt.
  • Bei den neuen Plänen ist übrigens nicht mehr vorgesehen, Discounter wie Lidl oder Aldi anzusiedeln. Der Stadtrat hatte den Investoren besonders übel genommen, dass der Lidl aus dem Nordberg-Center übersiedeln sollte.

Ziel der Verwaltung ist es mit den Investoren einen städtebaulichen Vertrag abzuschließen, in dem genau festgelegt wird, was und wie auf dem Turmarkaden-Gelände gebaut wird.

Das Bauleitplanverfahren, das der Stadtrat für die Fläche beschlossen hatte, soll trotzdem weiterlaufen. Wenn es durch einen Vertrag ausreichende Rechtssicherheit gibt, könne der Stadtrat beschließen es abzubrechen meinte Schäfer. Er könnte aber auch als Abschluss des Verfahrens einen Bebauungsplan beschließen, der die Planung für die Fläche im Sinne der Stadt endgültig festlegt.

Es ist zu erwarten, dass die Investoren den Abriss der Turmarkaden endgültig zu Ende bringen, wenn sie grünes Licht für ihre neuen Pläne vom Stadtrat bekommen.

Wie schnell die Fläche neu bebaut werden kann, konnte Schäfer nicht sagen. Auch dazu sollen die Investoren Stellung nehmen, wenn sie die Pläne in der öffentlichen Ratssitzung vorstellen.

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