Drohungen gegen Mitarbeiter im Rathaus: Stadt will für mehr Sicherheit sorgen

dzRathaus Bergkamen

Mitarbeiter im Bergkamener Rathaus werden immer häufiger beschimpft und bedroht. Das soll Konsequenzen haben – mit einem neuen Alarmsystem und bei den Plänen für ein neues Rathaus.

Bergkamen

, 08.01.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Mitarbeiter des Jugendamtes war es ein Albtraum. Sie hatten ein Kind wegen akuter Vernachlässigung aus der Familie herausnehmen müssen. Dann tauchte die Großmutter des Kindes im Jugendamt auf, schrie die Mitarbeiter an und bedrohte sie, trat vor Stühle und den Schreibtisch.

„Für die betroffenen Mitarbeiter war das eine traumatische Erfahrung“, sagt Bürgermeister Roland Schäfer.

Im Bergkamener Rathaus kommt es immer häufiger zu Bedrohungen

Nach seinen Angaben ist das kein Einzelfall. Solche Bedrohungssituationen kommen im Rathaus immer häufiger vor – vor allem im Jugendamt, aber auch in anderen Bereichen. Auch die Mitarbeiterinnen im Vorzimmer der Dezernenten sind schon bedroht worden.

Die Stadtverwaltung will daraus Konsequenzen ziehen: Sie erprobt jetzt ein Alarmsystem, mit dem bedrohte Mitarbeiter schnell Hilfe rufen können. Außerdem gibt es Überlegungen, das Rathaus bei einem Neubau oder bei einer umfassenden Renovierung so zu gestalten, dass dabei auch Sicherheitsaspekte mit berücksichtigt werden.

Drohungen gegen Mitarbeiter im Rathaus: Stadt will für mehr Sicherheit sorgen

In Gerichten und an Flughäfen ist es bereits jetzt üblich, Taschen, Mäntel und Jacken auf Waffen und andere gefährliche Gegenstände zu kontrollieren. So weit könnte es auch im Rathaus kommen. © picture alliance/dpa

Notrufsystem am PC in der Erprobungsphase

Das Notrufsystem, das jetzt in die Erprobungsphase geht, soll Mitarbeitern ermöglichen mit bestimmten Tastenkombinationen Alarm zu schlagen – und zwar je nach Bedrohungslage. Das kann etwa bedeuten, dass Kollegen aus dem Nebenzimmer und der oder die Vorgesetzte als Unterstützung angefordert werden. Aber auch ein Amokalarm bei einer sehr ernsten Bedrohungslage soll über das neue Notrufsystem möglich sein.

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Zusätzlich sollen die Mitarbeiter geschult werden. Sie sollen lernen, wie sie auf aggressive Besucher reagieren sollen, die sie beschimpfen und möglicherweise bedrohen, um die Situation zu beruhigen.

Drohungen gegen Mitarbeiter im Rathaus: Stadt will für mehr Sicherheit sorgen

Bisher ist der Zutritt zum Rathaus noch offen und ohne Kontrollen möglich. © Stefan Milk

Sicherheit soll auch in die Pläne fürs neue Rathaus einfließen

Die Sicherheit soll auch eine Rolle spielen, wenn das Rathaus neu gebaut oder komplett umgebaut wird. „Bei der Planung stehen andere Dinge im Vordergrund wie die Energieeffizienz, Barrierefreiheit und die Anpassung an digitalisierte Arbeitsprozesse“, sagt Schäfer. Aber wenn die Stadt schon dabei ist, ihr Rathaus neu zu planen, soll es eben auch um Sicherheitsaspekte gehen.

Schäfer denkt zum Beispiel daran, Bereiche der Stadtverwaltung, in denen es keinen Publikumsverkehr gibt, gleich hinter verschlossene Türen zu setzen. Dafür gibt es schon ein Beispiel: Seit die EDV-Abteilung, die besonders geschützt werden soll, in den Ratstrakt umgezogen ist, hat die Stadt den Zugang beschränkt. Frei zugänglich ist er nur während der Sitzungen. In den anderen Zeiten müssen Besucher bei den Fraktionsbüros oder der EDV schellen, um eingelassen zu werden.

Drohungen gegen Mitarbeiter im Rathaus: Stadt will für mehr Sicherheit sorgen

Der Zugang zum Ratstrakt ist bereits beschränkt. Wer zu den Fraktionen oder zur EDV will, muss schellen. © Stefan Milk

Mitarbeiter müssen Büros beim Verlassen abschließen

Außerdem gibt es schon jetzt die Anweisung an Mitarbeiter, abzuschließen, wenn sie ihr Büro verlassen. Vor einigen Jahren hatten Jugendliche mehrfach Diebstähle im Rathaus verübt, wenn Büros zeitweise verlassen waren. Überall dort wo es Publikumsverkehr gibt, sollen die Räume so untereinander verbunden sein, dass städtische Mitarbeiter bei einer Bedrohung schnell aus ihren Büros fliehen können – und so, dass die Kollegen mitbekommen, wenn es im Nachbarraum bedrohlich wird.

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Außerdem soll es die Möglichkeit geben, am Rathaus-Eingang oder am Zugang zu bestimmten Bereichen wie dem Jugendamt Sicherheitsschleusen einzurichten, an denen Besucher gecheckt werden. Solche Schleusen wie an den Flughäfen sind zum Beispiel an den Gerichten mittlerweile üblich. Schäfer will solche Schleusen aber nur, falls sich die Situation weiter verschärft. „Eigentlich wollen wir ein offenes, transparentes Rathaus für die Bürger“, sagt er.

Schäfer: Bedrohungen und Übergriffe schnell ahnden

Davon, sich zu bewaffnen, wie es zurzeit einer seiner Amtskollegen aus dem Rheinland will, hält Bergkamens Stadtoberhaupt nichts. Für die Sicherheit zu sorgen, sei alleine Sache der Polizei, sagt er. Trotzdem wünscht er sich mehr Konsequenz: Übergriffe gegen Feuerwehr, Polizei und Behördenmitarbeiter müssten schneller und konsequenter geahndet werden, sagt Schäfer.Damit meint er nicht, wenn Bürger aus Ärger schon einmal laut werden. „Damit können wir umgehen“, sagt der Bürgermeister, „aber Bedrohungen und Beleidigungen gehen nicht.“

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