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Dass die Bergkamener Eishalle gerettet ist, verdankt sie mehreren Umständen – vor allem aber einem engagierten Geschäftsmann und Eissportler. Für Unnaer lohnt sich eventuell der Blick nach Bergkamen.

Bergkamen, Unna

, 22.05.2019 / Lesedauer: 4 min

In Bergkamen war keine Abstimmung über die Zukunft der Eishalle notwendig, so wie jetzt in Unna. Die Zukunft der Halle stand jedoch ebenfalls fast auf Messers Schneide. Es kamen aber drei Umstände zusammen, die dazu führten, dass die Halle gerettet werden konnte.

Bei der Rettung der Halle in Münster gescheitert

Der wichtigste Faktor war sicherlich der jetzige private Betreiber Dr. Martin Brodde. Der Unternehmer aus Münster bringt nicht nur kaufmännisches Geschick mit, sondern auch Engagement für den Eissport. Es ist selbst Torwart beim Eishockeyclub SV „Grizzlys“ Bergkamen und kennt sich mit Eissporthallen aus. Er hatte zunächst versucht, die Eissporthalle in seiner Heimatstadt Münster zu retten – eine Halle, die weitgehend baugleich mit der Bergkamener Halle war. Dabei verschaffte er sich schon die ersten Einblicke in den Betrieb der Halle. „Ich kannte die Kosten und das, was auf mich als Betreiber zukommt“, sagt er heute. Die Rettung der Halle in Münster scheiterte an ihrem Zustand. Der Investitionsbedarf in die Halle und die technischen Anlagen sei einfach zu hoch gewesen, sagt Brodde.

Drei Faktoren führen zur Rettung der Bergkamener Eishalle

Die Eishalle Bergkamen wird von dem Unternehmer Dr. Martin Brodde betrieben. Er hat sie von den Stadtwerken übernommen. © Marcel Drawe

Gute Bausubstanz und gepflegte technische Anlagen

In Bergkamen fand er bessere Bedingungen vor, und das war Faktor zwei bei der Rettung der Halle: Die Bergkamener Eissporthalle hatte zwar deutlich an Besuchern verloren. Die Bausubstanz aber war gepflegter als in Münster und der Zustand der technischen Anlagen war gut. Die Kälteanlage sei das A und O einer Eishalle, macht er deutlich. „In die Kälteanlage investiere ich regelmäßig. Wenn sie kaputt ist, kann ich die Halle schließen“, sagt Dr. Brodde. Faktor drei bei der Rettung war die Stadt Bergkamen. Die hatte zwar angesichts von einer halben Million Zuschussbedarf pro Jahr die Schließung der Eishalle und auch den Abriss für den Notfall ins Auge gefasst, wollte die Halle aber eigentlich erhalten. Als Brodde an sie herantrat, war sie offen für sein Angebot und einigte sich schließlich mit ihm.

Drei Faktoren führen zur Rettung der Bergkamener Eishalle

Zu den Vereinen, an die die Bergkamener Eishalle vermietet wird, gehört auch der KJEC aus Unna. © Niklas Mallitzky

Zuschuss von der Stadt

Der private Eishallenbetreiber bekommt einen Zuschuss von der Stadt Bergkamen dafür, dass er die Halle weiterhin für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. „Diesen Zuschuss mussten wir allerdings so rechnen, dass er unterhalb der Beihilfegrenzen der EU liegt“, macht Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer deutlich. Er liegt bei 65.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen 30.000 Euro Nutzungsgebühr dafür, dass Bergkamener Schulen und Vereine die Halle nutzen können. Diesen Zuschuss habe die Stadt aber auch vorher an die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen-Bönen-Bergkamen gezahlt, die vorher Betreiber der Halle waren. Schäfer lobt die Zusammenarbeit mit dem Eishallenbetreiber: „Er macht das gut und holt mit Veranstaltungen und der Disco die Leute in die Halle“, sagt das Stadtoberhaupt.

Betreiber nutzt Zeiten besser aus

Tatsächlich ist die Zahl der zahlenden Besucher gestiegen, sagt Brodde. Vor allem aber nutzt Brodde seine Möglichkeiten konsequent aus, um die Bergkamener Eishalle in den schwarzen Zahlen zu halten. Er hat die nachmittäglichen öffentlichen Laufzeiten an den Wochentagen beispielsweise reduziert. „Da kamen ohnehin fast keine Läufer“, sagt er. Stattdessen vermietet er die Halle in dieser Zeit lieber an Vereine, die dort trainieren möchten. Das bringt höhere Einnahmen. Außerdem versucht er, die Halle auch in der eisfreien Zeit zu vermarkten. Zum Teil mit Erfolg: Zurzeit ist sie an den Kreis Unna vermietet. Rund 2500 Siebtklässler aus dem Kreis loten bei der Aktion „Komm auf Tour“ aus, welche Fähigkeiten sie haben und welcher Beruf der richtige für sie sein könnte.

Drei Faktoren führen zur Rettung der Bergkamener Eishalle

Zu den Partys in der Eishalle kommen mittlerweile viele Schlittschuhläufer – auch zur Abtauparty, mit der die Eislaufsaison in jedem Jahr endet. © Marcel Drawe

Spielraum für kleinere Investitionen

Die Einnahmen, die Brodde erzielt, sind nicht hoch, reichen aber zumindest bisher aus, dass der Münsteraner Geschäftsmann vorsichtig in die Halle investieren kann. Gleich als er sie übernommen hatte, baute er den Eingangsbereich um. Er renovierte die Umkleiden und gestaltete den Gastronomiebereich zeitgemäßer. Für die Zukunft will er an einem Energiekonzept arbeiten, das die Energiekosten in der Halle senkt. In diesem Zuge soll sie unter anderem eine moderne LED-Lichtanlage bekommen und eine neue Audio-Anlage.

Das Aus käme mit roten Zahlen

Das Bergkamener Eishallen-Glück ist allerdings zerbrechlich. Trotz allem Enthusiasmus für den Eissport muss auch Dr. Brodde aufs Geld schauen. Seine Aussage dazu ist eindeutig: „In dem Augenblick, in dem ich Verluste mit der Eishalle mache, höre ich auf.“

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