Die Bummannsburg in Rünthe ist eines der geheimnisvollsten Denkmäler der Region. Die Stadt will sie bekannter machen und dadurch besser vor Zertörungen schützen.

Rünthe

, 09.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn eine Mutter aus Rünthe mit ihrem Nachwuchs an der Bummannnsburg spazieren geht, dann muss sie ihrem Nachwuchs schon einmal erklären, warum es keine gute Idee ist, mit dem Fahrrad die Wälle im Wald herunterzubrausen auch wenn das noch so eine verlockende Strecke für Mountainbikes ist.

Dornröschen wird wachgeküsst, um es besser zu schützen

Das Gelände des Bodendenkmals Bummannsburg heute. Die Straße, die in das Einkaufszentrum südlich führt, heißt jetzt „An der Bummannsburg“.

Wälle im Wald sind die Reste einer Burg
Forschung

Burg statt Römerlager

Den ersten Schritt, die Bummannsburg bekannter zu machen, hat die Stadt schon im vergangenen Jahr getan. Sie benannte die Straße „Am Römerlager“ in „An der Bummannsburg“ um. Zum falschen Straßennamen war es gekommen, weil die Anlage irrtümlich für die Reste eines römischen Kastells gehalten wurde. Erste Forschungen gab es bereits 1780, als die Lage der Wälle erstmals dokumentiert wurde. 1898 kam es zu einer ausführlichen Bestandsaufnahme, punktuelle Grabungen 1936 und 1978.

Die Rüntherin weiß immerhin, dass es sich bei den Wällen im Wald um die Reste eine frühmittelalterlichen Burg handelt und dass sie als Bodendenkmal unter Schutz steht. Viele andere wissen das aber immer noch nicht und zerstören ungewollt immer mehr von der historischen Anlage. Das zeigt auch ein Blick auf Google Maps. Dort ist ein Rundkurs über die Wälle als blaue Mountainbike-Strecke verzeichnet und lockt auch auswärtige Biker an, die garantiert keine Ahnung haben, auf welchem Gelände sie sich bewegen. Bemühungen der Stadt, die Strecke bei Google Maps löschen zu lassen, war bisher nur ein kurzer Erfolg beschieden. Schon vor zwei Jahren hatte die Stadt an das Unternehmen geschrieben und darum gebeten, die Strecke zu löschen. Das habe Google auch zunächst getan. Nur kurze Zeit später jedoch tauchte die Strecke wieder in den Plänen auf. „Wir gehen davon aus, dass mehrere Mountainbiker die Strecke erneut bei Google angemeldet haben“, sagt die stellvertretende Planungsamtsleiterin Christiane Reumke. Google sei ein Privatunternehmen und habe keine genauen Ortskenntnisse und habe deshalb wohl einfach dem Kundenwunsch entsprochen, vermutet sie. Die Stadt will deshalb noch einmal an Google schreiben, mit offiziellem Briefpapier und auf das Bodendenkmal aufmerksam machen. Sie hofft, dass die Mountainbike-Strecke dann auch nachhaltig gelöscht wird.

Dornröschen wird wachgeküsst, um es besser zu schützen

Auch umstürzende Bäume sind ein Problem für die Wallanlagen. Die Wälle werden dabei oft beschädigt. © Stefan Milk

Schäden durch umstürzende Bäume

Die Mountainbiker sind allerdings nicht die einzigen, die dem Bodendenkmal zusetzen. Auch Bäume, die durch Stürme umgestürzt sind, haben die Wälle schon beschädigt und auch Spaziergänger, die auf die Wallkronen klettern, haben ihre Spuren hinterlassen.

Die Stadt will sich deshalb mit der Forstbehörde auf ein Konzept verständigen, wo möglicherweise Bäume gefällt und an anderer Stelle ersetzt werden müssen, um weitere Schäden an der Anlage zu vermeiden. Damit haben die städtischen Denkmalschützer bereits Erfahrung: Auch für den Römerpark in Oberaden mussten Bäume gefällt werden.

Dornröschen wird wachgeküsst, um es besser zu schützen

An den Bäumen ist zu sehen, dass viele Menschen in den Bereich am Rand von Rünthe kommen. © Stefan Milk

Den Wald darf jeder betreten

Der Wald auf und um die Bummannsburg ist auch der Grund, warum das Betreten des Bereichs nicht eingeschränkt werden darf. Nach der nordrhein-westfälischen Gesetzeslage muss das Betreten des Waldes jedermann jederzeit möglich sein. Außerdem ist rechtlich nicht klar, ob der Denkmalschutz oder das Forstrecht vorgeht, wenn sie sich widersprechen. Die Stadt setzt deshalb auf Aufklärung. Es soll künftig eine Beschilderung geben, die auf das Bodendenkmal und seine Bedeutung hinweist. Reumke geht davon aus, dass im Laufe des ersten Quartals 2019 ein Konzept für eine solche Beschilderung vorliegt. „Wir haben dabei viele Behörden zu beteiligen - und das dauert einige Zeit“, sagt sie.

Dornröschen wird wachgeküsst, um es besser zu schützen

Durch das Wäldchen mit den Resten der Burg führt auch ein Radwanderweg. Sich auf den Wegen aufzuhalten ist unproblematisch. © Stefan Milk

Bedeutendes Denkmal

Die Schilder sollen außerdem einen weiteren Zweck erfüllen: Sie sollen deutlich machen, dass es neben dem Römerlager ein weiteres bedeutendes Bodendenkmal in Bergkamen gibt und den einen oder anderen Interessierten anlocken - ein mittelalterliches Dornröschen, das aus dem Schlaf geweckt wird.

Dornröschen wird wachgeküsst, um es besser zu schützen

Die alte Lageskizze zeigt die damals noch erhaltenen Wälle der Burg. Unten ist der heutige Ostenhellweg zu sehen und links der Hof Schulze Ellberg.

Eine Burg aus Holz

Es gibt zwar relativ genaue Vorstellungen, wie die Bummannsburg ausgesehen hat. Über ihren wirklichen Namen, wer sie gebaut hat und von wann bis wann sie genau bestand, gibt es aber keine schriftlichen Aufzeichnungen. Den Namen „Bummannsburg“ hat die Anlage erst in der Neuzeit bekommen, nach dem Eigentümer des Hofes, zu dem das Gelände früher gehörte.

In der Kinder-Ratesendung „1,2 oder 3“ war vor Jahren einmal eine Computeranimation zu sehen, wie die Burg ausgesehen hat. Mark Schrader, der Leiter des Stadtmuseums nutzt sie gerne bei Vorträgen. Sie zeigt eine Festung mit hölzernen Palisaden inmitten einer Fluss- und Waldlandschaft. Dass die Burg nicht aus Stein gebaut war, liegt an dem Material, das zur Verfügung stand. In der näheren Umgebung gab es keinen Steinbruch, aus dem die Steine damals an die Lippe transportiert werden konnten. Bäume gab es dagegen genug.

Die Burg bestand unter anderem aus einem bewohnten Wehrturm, einer sogenannten „Motte“ und einer Vorburg, in der auch die Wirtschaftsgebäude lagen.

Von den Wällen, auf denen die Palisaden standen, ist nur noch ein Teil erhalten. Der Sand diente den Rünthern in späteren Jahrhunderten als Baumaterial für ihre Häuser.

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