Also doch: Belastete Böden der Klasse Z2 werden in die Wasserstadt Aden angeliefert, dürfen unter Auflagen verwendet werden. Die Stadt Bergkamen verdient damit sogar Geld.

Bergkamen

, 19.08.2020, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Fläche der Wasserstadt Haus Aden werden doch Böden der Zuordnungsklasse 2 (Z2) eingebaut. Sie dienen als Füllmaterial im Untergrund. Wie der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters jetzt sagte, werden sie ausschließlich im Gewerbebereich der Wasserstadt entlang der Bahnlinie im Untergrund verwendet. Das ist vom Kreis Unna auch so genehmigt worden.

Nach Angaben von Dr. Michael Kurtenacker von „Taberg Ingenieure“ aus Lünen machen sie bisher etwa 50.000 Kubikmeter der angelieferten Böden aus. Das Ingenieurbüro hat den Sanierungsplan für das ehemalige Zechengelände erstellt, auf dem die Wasserstadt entstehen soll. „Vermutlich werden auch nicht mehr viele Z2-Böden hinzukommen“, sagte Kurtenacker.

Im Vordergrund ist der zukünftige Gewerbebereich der Wasserstadt zu sehen, in dem bereits Z2-Böden verwendet wurden.

Im Vordergrund ist der zukünftige Gewerbebereich der Wasserstadt zu sehen, in dem bereits Z2-Böden verwendet wurden. © Stefan Milk (Archiv)

Mögliches Kontingent an Z2-Böden nicht ausgeschöpft

Damit sei das im Sanierungsplan genehmigte Kontingent an Z2-Böden noch nicht einmal ausgeschöpft, machte Kurtenacker deutlich. Nach dem Konzept hätten sogar 115.000 Kubikmeter Z2-Böden eingebaut werden können. Insgesamt müssen etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Boden angeliefert werden, um den Untergrund der Wasserstadt so zu gestalten, wie ihn die Planung vorsieht.

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Werner Engelhardt, der Bürgermeisterkandidat von BergAUF, hatte kritisiert, dass in der Wasserstadt auch Z2-Böden verwendet werden. Das ist die höchste Zuordnungsklasse, die noch als sogenanntes Recyclingmaterial unter bestimmten Auflagen eingebaut werden darf. Böden ab der Klasse Z3 müssen deponiert werden.

Der etwa 5,5 Hektar große Gewerbebereich befindet sich im unteren, südlichen Bereich der Wasserstadt zwischen der Bahnlinie und dem sogenannten Aden-Boulevard. Nur dort dürfen Z2-Böden verwendet werden.

Der etwa 5,5 Hektar große Gewerbebereich befindet sich im unteren, südlichen Bereich der Wasserstadt zwischen der Bahnlinie und dem sogenannten Aden-Boulevard. Nur dort dürfen Z2-Böden verwendet werden. © Stadt Bergkamen

Böden werden nur in der Gewerbezone eingebaut

Peters hatte zunächst davon gesprochen, dass solche Böden nicht eingebaut werden. Damit habe er aber nur die Wohngebiete in der Wasserstadt gemeint, stellte er jetzt richtig. Nach den gesetzlichen Vorgaben dürfen Z2-Böden nur unter genau festgelegten Bedingungen in Gewerbegebieten eingebaut werden. Unter Hausgärten, Spiel- und Sportflächen sind sie nicht erlaubt.

In den Wohngebiet werden im Untergrund ausschließlich Böden bis zu den Zuordnungsklassen Z1.1 und 1.2 verbaut. „Das sind im Ruhrgebiet die Standardböden“, sagte Kurtenacker. Nach seinen Angaben erreichen die Böden auch nur bei einzelnen Schadstoffen wie Arsen, Quecksilber oder Schwermetalle die Grenzwerte, nach denen sie in die Zuordnungsklassen Z1 oder Z2 eingestuft werden.

Der Boden, der angeliefert wird, stammt von Baustellen zwischen Münster und dem Sauerland.

Der Boden, der angeliefert wird, stammt von Baustellen zwischen Münster und dem Sauerland. © Stefan Milk (Archiv)

Bauherren müssen Mutterboden aufbringen

Die Planung sieht vor, dass die Böden nicht bis zum geplanten Geländeniveau aufgefüllt werden. In den Wohngebieten müssen die Bauherren eine mindestens einen Meter hohe Mutterbodenschicht aufbringen, im Gewerbegebiet sind es mindestens 30 Zentimeter. Nach Angaben von Projektleiterin Christiane Reumke vom Planungsamt gibt es Überlegungen, Bauherren den Boden zur Verfügung zu stellen.

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Nach ihren Angaben gibt es auch an keiner Stelle in der Wasserstadt Einschränkungen für Bauherren wegen der Bodenbeschaffenheit. Nur in einem Bereich dürften keine Keller gebaut werden – aber nicht wegen des Bodens, sondern wegen alter Zechenfundamente, die sich in dem Bereich befinden.

Ludwig Holzbeck, der Dezernent für Bauen, Umwelt, Vermessung und Katasterwesen, bestätigte, dass der Sanierungsplan so vom Kreis Unna genehmigt ist und allen gesetzlichen Regeln entspricht. Seine Einhaltung werde ständig von einem Gutachter kontrolliert.

Boden-Klassifizierung


Z-Klasse nach Schadstoffgehalt

  • Bei Böden wird die Konzentration von bestimmten Stoffen gemessen. Dazu gehören zum Beispiel Arsen, Quecksilber und Blei.
  • Je nachdem, wie hoch sie ist, werden die Böden in eine bestimmte Zuordnungsklasse (Z) eingeteilt.
  • In Z0-Böden ist die Konzentration dieser Stoffe nur so hoch, wie sie natürlich zu erwarten wäre, zum Beispiel auf einem Acker.
  • Bei Böden der Klassen ab 1.1 ist sie bei mindestens einem Stoff erhöht. Je nachdem, wie hoch die Konzentration ist, werden sie in eine Bodenklasse eingeteilt.
  • Ab der Klasse Z3 müssen die Böden auf eine Deponie oder unter gleichen Bedingungen wie auf einer Deponie gelagert werden.
  • Das ist eigentlich in den Technischen regeln der Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) festgelegt.
  • Für die Wasserstadt sind aber eigene biochemische Kennwerte festgelegt.

Dass auch Böden der Klassen Z1.1 bis Z2 an geeigneter Stelle verwendet werden, bezeichnete er als gängige Praxis. Anders seien die erforderlichen Böden in dieser Menge wie bei der Wasserstadt auch nicht zu bekommen.

Die Stadt bekommt für die Böden, die höher belastet sind als Z0, sogar Geld. Für Böden der Klasse Z2 vier Euro pro Tonne, für Z1.2-Böden zwei und für Z1.1-Böden einen Euro. Auch das sei gängige Praxis, sagt Holzbeck. Alleine für den Z2-Boden hat die Stadt damit bisher für etwa 50.000 Kubikmeter rund 200.000 Euro erhalten.

Bürgermeisterkandidat Werner Engelhardt kritisiert trotzdem, dass Boden der Klasse Z2 in der Wasserstadt eingebaut wird. Die Bewohner der Wasserstadt hätten Anspruch auf einen komplett unbelasteten Boden, fordert er. Die Regelung mit der RAG Montanimmobilien (RAG MI), die den Boden anliefert, lege für ihn nahe, Boden mit Belastungen auf diese Weise zu entsorgen.

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