Digitalisierung in der Erziehung: „Früher war es der Fernseher, jetzt das Smartphone“

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Das Thema Emotionale Vernachlässigung ist kein neues. Doch die Risikofaktoren und das Drumherum haben sich geändert. Auch die Digitalisierung hat in der Beziehung zwischen Eltern und Kinder vieles verändert.

Bergkamen

, 08.11.2019, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

„War früher zum Beispiel das ,Parken‘ vor dem Fernseher ohne emotionale Zuwendung ein Problem, sind es heute eher die digitalen Medien“, sagt Anja Gräwe, Leiterin der Johanniter Kita Eichendorff. Mit der Digitalisierung hat sich einiges verändert. Sieht man eine Mutter, die einen Kinderwagen schiebt und zugleich auf das Handy starrt, mag man sich denken, dass mit den Smartphones die Vernachlässigung von Kindern zugenommen haben könnte.

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Das Bergkamener Jugendamt sieht das nicht so. „Es wird komplizierter, aber nicht die Vernachlässigung nimmt nicht zu. Früher war es der Fernseher, jetzt das Smartphone“, sagt Stefanie Vorac, Mitarbeiterin im Sozialen Dienst. Sie hat kürzlich den Bergkamener Arbeitskreis der Kinderfachschutzkräfte zu einem Fachtag eingeladen. Thema dieser Fortbildung war die emotionale Vernachlässigung von Kindern. Die leiden darunter, wenn sie zu wenig Fürsorge und Zuwendung durch Eltern oder Erzieher erfahren.

Google führt bei Eltern zu Verunsicherung

Egal ob Eltern ihr Kind vor dem Fernseher parken oder aufs Handy schauen, während es sich beschäftigt. In beiden Fällen wird das Kind vernachlässigt. Während die Digitalisierung in so einem Fall aber vielleicht nicht direkt Schuld an der Vernachlässigung ist, sorgt sie an anderer Stelle für Probleme bei der Erziehung.

Digitale Medien können „oft zu Verunsicherungen führen, da man bei Fragen in der Erziehung öfter zu Google greift, als sich bei erfahrenen Menschen wie zum Beispiel den eigenen Eltern oder Fachkräften Hilfe zu holen“, sagt Anja Gräwe. Und auch Sabine Vorac findet, dass die vielen Lösungen, die einem das Internet bietet, bei Eltern für Verwirrung sorgen können.

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Doch wie Gräwe schon sagt, gibt es in Bergkamen reichlich Fachkräfte, die bei Unsicherheiten beraten können. Und damit auch die Erzieherinnen in den Kitas immer auf dem neusten Stand sind, tauschen sie sich regelmäßig aus. So trifft sich der Arbeitskreis der Kinderfachschutzkräfte vierteljährlich, um aktuelle Themen zu behandeln.

Es gab bereits eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Misshandlung aus rechtsmedizinischer Sicht“. Doch während die körperliche Misshandlung offensichtlich ist, ist es die emotionale Vernachlässigung nicht.

Die Erzieherinnen beobachten die Kinder, damit sie eine mögliche Vernachlässigung früh erkennen. Zudem gibt es an einigen Kitas Regeln und Rituale, die einer solchen Vernachlässigung vorbeugen sollen. Und da kommt doch wieder das Smartphone ins Spiel. „An manchen Kitas gibt es für Eltern handyfreie Zonen“, sagt Vorac.

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