Die Zahl der Kirchenaustritte steigt deutlich an

dzStatistik der Kirchengemeinden

Die Zahl der Kirchenaustritte im katholischen Pastoralverbund ist in diesem Jahr deutlich angestiegen. Den evangelischen Kirchengemeinden geht es auch nicht viel besser.

Bergkamen

, 20.12.2018, 13:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während 2017 52 Bergkamener Katholiken der Kirche den Rücken kehrten, waren es in diesem Jahr 74. Stichtag ist jeweils der 13. November. Der Leiter des Pastoralverbundes, Pastor Thorsten Neudenberger, glaubt allerdings, dass weniger hausgemachte als überregionale Gründe eine Rolle für diesen Anstieg spielen: „Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche war in diesem Jahr wegen einer Studie ein Thema“, meint er. Schon vor einigen Jahren führte dieser Skandal zu einem massiven Anstieg der Kirchenaustritte.

Allerdings verloren nicht nur die katholischen Gemeinden Mitglieder: Die Martin-Luther-Kirchengemeinde verzeichnete 53 Austritte. Das seien mehr als im Vorjahr hieß es auf Anfrage auf dem Gemeindebüro. Aus der evangelischen Friedenskirchengemeinde traten 71 Bergkamener aus. „Das waren ähnlich viele wie 2017, da hatten wir 68 Austritte“, berichtet der Vorsitzende des Presbyteriums, Pfarrer Frank Hielscher. Zu den Gründen könne er wenig sagen: „Wir schreiben die Menschen zwar an, aber bekommen in der Regel keine Antwort.“

Allerdings liegt die Vermutung nicht fern, dass bei den Austritten finanzielle Aspekte – namentlich die Kirchensteuer – eine wichtige Rolle spielen. Den Eindruck hat auch Pastor Neudenberger bei den Gesprächen gewonnen, den er mit denjenigen führt, die wieder in die Kirche zurückkehren wollen. Der Pastoralverbund registrierte in den vergangenen zwölf Monaten immerhin zwei Kircheneintritte, in der Martin-Luther-Gemeinde waren es sogar vier.

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt deutlich an

In der Friedenskirchengemeinde regstiert der Vorsitzende des Presbyteriums Frank Hielscher eine Stagnation der Kirchenaustritte auf relativ hohem Niveau. © Stefan Milk

Große Gemeinden verlieren besonders

Bei den Katholiken verzeichneten zwei Gemeinden einen besonders starken Aderlass. In St. Elisabeth stieg die Zahl der Austritt von 20 auf 31, in St. Barbara von 10 auf 19. „Das sind die beiden größten Gemeinden, in denen oft eine entsprechende Anonymität herrscht“, meint Neudenberger. Dadurch nehme auch die Bindung an die Kirche ab. Gleichwohl weist die Gemeindestatistik von St. Elisabeth in diesem Jahr eine Besonderheit auf: Es gab mehr Taufen (38) als Beerdigungen (37). Das hängt aus Neudenbergers Sicht nicht nur mit der Geburtenrate zusammen, sondern auch damit, dass die Bedeutung bestimmter religiöser Rituale auch für eher kirchenferne Familien von Bedeutung. So verdoppelte sich auch die Zahl der Trauungen im Pastoralverbund von zwölf auf 24.

Gleichwohl geht die Zahl der Christen, die der Amtskirche angehören, in Bergkamen weiter zurück. Und das liegt gar nicht unbedingt an den Austritten. Während Neudenberger und die anderen Pastoren 70 Täuflingen das Sakrament spendeten, mussten sie 103 Verstorbene beerdigen. In der evangelischen Friedenskirchengemeinde sieht der Trend ähnlich aus, wie Pfarrer Hielscher berichtet: „Durch Sterbefälle und Wegzüge haben wir rund 250 Gemeindeglieder verloren.“

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