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Ohne die Dienste der Tagesmütter wäre die Kinderbetreuung in Bergkamen längst zusammengebrochen. Doch stoßen auch diese Betreuerinnen an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Bergkamen

, 11.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Geschäftsführerin des Tagesmütter-Vereins, Margarete Hackmann weiß, was es bedeutet, wenn sie den Wunsch von Eltern nach einer Tagesmutter ablehnen muss: „Das bringt die Familien in eine sehr schwierige Lage“, sagt sie. Und Hackmann hat in letzter Zeit öfter solche unangenehmen Situationen erlebt. Insbesondere dann, wenn Väter oder Mütter eine Betreuung für ihre Kinder in den Randzeiten suchen - also früh am Morgen oder spät am Abend.

Eigentlich liegt die Stärke der Tagesmütter genau darin, dass die Eltern ihre Kinder auch dann zu ihnen bringen können, wenn die Kindergärten geschlossen sind. Aber der Verein Familiäre Tagespflege, der die Arbeit der Tagesmütter koordiniert, muss nach Angaben von Hackmann vermehrt Betreuungsanfragen ablehnen.

Mehr Tagesmütter, aber auch mehr Kinder

Denn die Tagesmütter stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Zwar ist die Zahl der Betreuungspersonen zuletzt gestiegen: Aktuell kann der Verein auf die Dienste von 61 Tagesmüttern zurückgreifen. Das sind sieben mehr als Ende 2017. Und im Lauf des Jahres sollen zwei weitere frisch ausgebildete Betreuerinnen ihren Dienst aufnehmen. Aber die Zahl der zu betreuenden Kinder nimmt noch deutlich stärker zu: 2012 lag sie bei insgesamt bei 226, stieg bis 2017 auf 311 und erreichte im vergangenen Jahr den Stand von 361. Das macht sich auch finanziell bemerkbar: Im vergangenen Jahr musste die Stadt 500.000 Euro mehr für die Tagemütter-Betreuung ausgeben als ursprünglich vorgesehen.

Und vermutlich werden die Tagesmütter auch in der nächsten Zukunft hart an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeiten. Denn seit Jahren fehlen in Bergkamen Kindergartenplätze, weil sich die Stadt auf Prognosen einer weiter sinkender Kinderzahl verlassen hatte - das Gegenteil trat ein.

Besserung ist nur bedingt in Sicht. Wenn es gut läuft, stehen zum nächsten Kindergarten-Jahr 75 Plätze zur Verfügung, weil die Johanniter einen neuen Kindergarten in Oberaden bauen lassen. Wann die PueD-GmbH, die ein Gesundheitshaus auf dem Grimberg-Gelände in Weddinghofen errichten will, und die Awo ihre lang angekündigten Kindergarten-Pläne verwirklichen, steht weiter in den Sternen.

Die Tagesmütter können nicht mehr alle Betreuungswünsche erfüllen

Die Zahl der Kinder, die zu den Tagesmüttern gehen, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. © Stefan Milk


Tagesmütter müssen mehr Ü3-Kinder betreuen

Und womöglich könnte sich die Situation der Tagesmütter nach den Sommerferien noch einmal verschärften, befürchtet Hackmann. Nämlich dann, wenn die Zahl der Über-Dreijährigen ansteigt, die sie betreuen. Üblicherweise kümmern sich die Tagesmütter vor allem um Kinder unter drei Jahren. Wenn die älter werden, wechseln sie in einen Kindergarten. „Das ist auch aus pädagogischen Gründen sinnvoll“, meint Hackmann. Möglicherweise würden aber auch etliche Eltern ihren Nachwuchs im Kindergartenalter bei den Tagesmüttern lassen, weil sie keinen Platz in einer Einrichtung bekommen.

Wie viel Kinder die Tagesmütter im zweiten Halbjahr betreuen müssen, sei derzeit schwer zu kalkulieren, meint Hackmann. Dennoch lägen die Anmeldezahlen aus den Kindergärten nicht vor: „Im März wissen wir hoffentlich mehr.“

Auch die städtische Sozial-Dezernentin Christine Busch traut sich bisher noch keine Prognose für das neue Kindergartenjahr zu.

Die Tagesmütter können nicht mehr alle Betreuungswünsche erfüllen

Die Tagesmütter kümmern sich vor allem um Kinder unter drei Jahren. © Stefan Milk

Die Angst der Eltern, keinen Kindergartenplatz zu bekommen

Das hängt auch mit den Unwägbarkeiten des Anmeldeverfahrens zusammen. Denn die Angst der Eltern, angesichts des Mangels bei den Kindergärten gar keinen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs zu bekommen, führt zu einem Verhalten, das die Planungen auch nicht gerade erleichtert, wie Busch berichtet: „Wir hatten gerade mit einem Fall einer Mutter zu tun, die ihr Kind in fünf unterschiedlichen Einrichtungen angemeldet hat.“

Keine Räume für die Tagesmütter

Angesichts der Probleme bei der Kinderbetreuung könnte das, was drei Tagesmütter in der ehemalige Albert-Schweitzer-Schule anbieten, eine Alternative sein: Das „Beos“, eine „Großtagespflegestelle“, wie sich das im Jugendamtsdeutsch nennt. Dabei tun sich mehrere Tagesmütter zusammen und betreuen Kinder in externen Räumen. Das hat den Vorteil, dass sie sich um deutlich mehr Kinder gleichzeitig kümmern können als eine einzelne Tagesmutter. Die darf in ihrer Wohnung maximal fünf Schützlinge betreuen. Auch bei den Eltern ist diese Form der Kinderbetreuung beliebt, weil sie in Richtung einer kleinen Gruppe geht.

Also würden sowohl die Tagesmütter als auch der Verein Familiäre Kindertagesbetreuung und die Stadt gerne weitere Großtagespflegen einrichten. Allerdings mangelt es an passenden Räume. „Sie müssen groß genug sein und im Erdgeschoss liegen“, erläutert Vereinsgeschäftsführerin Margarete Hackmann. Zudem muss eine geeignete Küche vorhanden sein. Ein Garten oder zumindest ein Spielplatz in der Nähe zählen ebenfalls zu den Kriterien. Offenbar gibt es nicht allzu freie Immobilien in Bergkamen, die dem entsprechen. Und wenn sich welche finden, dann scheitert der Großtagespflege-Plan auch schon mal an den Finanzen, berichtet Sozialdezernentin Christine Busch: „Es gibt Vermieter, die unrealistische Vorstellungen entwickeln, wenn die Öffentliche Hand als Mieter auftritt.“

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