Bergkamen soll durch gepflegtere Grünanlagen einen besseren Eindruck machen. Damit es dazu kommt, will der Baubetriebshof sich auch um das Grün kümmern, für das er eigentlich nicht zuständig ist.

Bergkamen

, 19.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn sich Bürger bisher bei der Stadt beschwerten, dass Unkraut an der Werner Straße wuchert oder dass beispielsweise die Kreisel auf der Erich-Ollenhauer-Straße nicht gepflegt genug aussehen, ernteten sie bisher oft Schulterzucken. Sie bekamen den Hinweis, dass die Stadt nicht Straßenbaulastträger ist. Für die Werner Straße als Bundesstraße ist die Landesbehörde Straßen NRW zuständig und für die Erich-Ollenhauer-Straße der Kreis Unna. Zurück blieb Frust und das offenbar auf beiden Seiten, bei Bürger und Stadt.

Auch der Wasserpark in der City gehört zu den 56 Hektar Grünflächen in Bergkamen.

Auch der Wasserpark in der City gehört zu den 56 Hektar Grünflächen in Bergkamen. © Stefan Milk

Baubetriebshof soll sich um das ganze Grün in der Stadt kümmern

Das soll sich jetzt ändern: Das neue Konzept „Stadtbildpflege - Mehr Sauberkeit und gepflegtes Grün im Stadtgebiet“ sieht vor, dass sich der Baubetriebshof der Stadt künftig um alle Grünanlagen in der Stadt kümmert. Das reicht von den Kreisverkehren, ganz gleich zu welcher Straße sie gehören, bis zum sogenannten „Straßenbegleitgrün“ an allen Straßen. „Wir wollen nicht mehr wie seit Jahrzehnten ‚Bitte, bitte´ bei anderen Behörden machen, damit etwas geschieht“, sagt der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters.

Wenn Bürger Missstände auf Grünflächen entdecken, soll sie der Eingreiftrupp „1-2-3 Bergkamen“ schnell beseitigen.

Wenn Bürger Missstände auf Grünflächen entdecken, soll sie der Eingreiftrupp „1-2-3 Bergkamen“ schnell beseitigen. © Michael Dörlemann

Schnelles Eingreifteam bei Bürgerbeschwerden

Das Konzept sieht beispielsweise vor, das Grünpflege-Eingreifteam „1-2-3 Bergkamen“ zu schaffen. Der Trupp soll sofort für Abhilfe sorgen, wenn Bürger einen Missstand melden - wenn möglich spätestens am nächsten Tag. Die Kolonne soll aus drei Mitarbeitern bestehen, die nicht in die üblichen Pflegemaßnahmen eingebunden, sondern jederzeit verfügbar sind.

Rasenflächen wie am Rathaus sollen mehr in Blumenwiesen umgewandelt werden. Das Stadtwappen aber dürfte bleiben.

Rasenflächen wie am Rathaus sollen mehr in Blumenwiesen umgewandelt werden. Das Stadtwappen aber dürfte bleiben. © Stefan Milk

Außerdem soll der Baubetriebshof die Pflege von allen Kreisverkehren übernehmen, ganz gleich welcher Baulastträger eigentlich dafür zuständig ist. Dazu muss sich die Stadt noch mit dem Kreis Unna und Straßen NRW abstimmen.

das Grün an den Straßen soll zusätzlich ökologischer gestaltet sein als bisher. Das Konzept sieht vor, besonders am Ortseingang Wildblumen auszusäen, Stauden zu pflanzen und Blumenzwiebeln für Frühjahrsblüher zu setzen.

Auf den öffentlichen Flächen soll es mehr Wildblumenwiesen geben, die den Insekten nützen.

Auf den öffentlichen Flächen soll es mehr Wildblumenwiesen geben, die den Insekten nützen. © Stefan Milk

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Wildblumenwiesen als „Insektenweide“

Ganz ähnliche Ziele setzt sich die Stadt auch für Grünanlagen, die neu angelegt werden. Dabei soll geprüft werden, ob es nicht möglich ist, statt monotoner Rasenflächen Wildblumenwiesen als Insektenweide anzulegen. Für noch wichtiger hält die Stadt weitere Bäume, denn sie verbessern das Kleinklima in der Umgebung noch nachhaltiger als Blumenwiesen.

Klimakonzept

Grünflächen sind wichtig für das Klima in der Stadt

Die Stadt Bergkamen besitzt insgesamt 160 Hektar Waldflächen und etwa 56 Hektar Grün- und Freiflächen, allerdings einschließlich der Wegeflächen. Die innerstädtischen Grünflächen haben eine große Bedeutung für das Klima in der Stadt. Die Flächen haben durch Kaltluftbildung und Luftaustausch in heißen Sommern eine kühlende Wirkung auf die Umgebung. Außerdem sind einige von ihnen wichtige Frischluftschneisen. Der Ausbau der Grünflächen spielt deshalb auch im Klimaschutzkonzept der Stadt eine Rolle. Sie sollen erhalten und sogar möglichst ausgebaut werden. Der Zeitplan des Klimaschutzkonzepts sieht vor, die städtischen Grünflächen bis Ende 2021 auf ihre Funktion für den Klimaschutz zu untersuchen. Auf dieser Basis soll es ein Konzept zum Ausbau der Grünflächen geben.

Diese Regeln sollen nicht nur für das Anlegen von Grünflächen gelten, sondern auch für die Pflege. Der Baubetriebshof soll auch das Mähen der Straßenbankette übernehmen. Die städtischen Bankette werden mindestens dreimal pro Jahr gemäht, die Bankette an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen lediglich zweimal pro Jahr.

Stad will Mahd für andere Behörden übernehmen

Der Vorschlag der Stadt: Der Baubetriebshof soll die dritte Mahd übernehmen, damit alle Bankette im gleichen Pflegezustand sind.

Für den wilden Müll, der oft auf Grünflächen liegt und Bürger ärgert, ist allerdings nicht der Baubetriebshof und der Eingreiftrupp, sondern die städtische Müllabfuhr EBB zuständig. Auch er soll sich künftig nicht nur um die städtischen Grünflächen, sondern um alle kümmern.

Sechs neue Stellen bei der Grünpflege

Um das Pensum zu schaffen, sieht das Konzept der Stadt vor, den Baubetriebshof technisch und personell noch besser auszustatten. Unter anderem sollen sechs neue Mitarbeiter eingestellt werden. Davon sollen zwei im Grünpflege-Eingreifteam arbeiten und jeweils zwei in den Grünpflegekolonnen Ost und West des Baubetriebshofs. Die Stadt rechnet mit zusätzlichen Personalkosten von 250.000 Euro im Jahr.

Außerdem sollen ein Lkw und Pflegegeräte für das Eingreifteam angeschafft werden. Die Kosten schätzt die Stadt auf 50.000 Euro.

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Das Konzept sieht außerdem vor,dass der Pflegeauftrag für das evangelische Pertheswerk erweitert wird und dass Mittel für Pflanzgut, Mutterboden und Substrate zur Verfügung gestellt wird.

Diese Maßnahmen sollen allerdings nur bis Ende 2021 gelten, wenn der Doppelhaushalt 2020/2021 endet. Dann will die Stadt den Erfolg bewerten und über eine Weiterführung entscheiden.

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