Wer vor Jahrzehnten einen unbefristeten Sparvertrag bei der Sparkasse Bergkamen-Bönen abgeschlossen hat, verdient auch in Zeiten des Niedrigzinses Geld. Doch nun kündigt die Sparkasse.

Bergkamen

, 27.08.2019, 14:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tobias Laaß, Vorstand der Sparkasse Bergkamen-Bönen, muss mit Widerspruch rechnen. Zumindest, wenn seine Kunden auf die Verbraucherzentrale Kamen hören. Bei der haben sich schon einige Sparer gemeldet, denen die Sparkasse ihre Verträge gekündigt hat. Und es könnten noch mehr werden.


Die Sparkasse kündigt den Kunden, die besonders treu sind

Sparkassen-Vorstand Tobias Laaß muss zwischen wirtschaftlichem Denken und der Verärgerung treuer Kunden abwägen. © Marcel Drawe


529 Kunden sind betroffen

Denn nach Laaß‘ Angaben sind 529 Kunden betroffen. Sie alle verfügen über eigentlich unbefristete Sparverträge, die sie zwischen 1984 und Ende 2003 abgeschlossen haben, und deren Zinsen kontinuierlich ansteigen. Die maximal erreichbare Prämie beträgt 50 Prozent. Das freut den Sparer, stellt aber für die Sparkasse eine wirtschaftliche Belastung dar. Denn die verdient ihr Geld unter anderem damit, dass sie das Geld ihrer Kunden anlegt und dafür Zinsen bekommt. Bekanntlich bewegen die sich aber schon seit Jahren auf einem extrem niedrigen Niveau – und Besserung ist nicht in Sicht.

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Das alte Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr

Deshalb funktioniert das Geschäftsmodell der Sparkasse nicht mehr wie gewohnt. „Wir haben schon länger über die Kündigung der Verträge nachgedacht“, sagt Laaß. Den Ausschlag gab dann schließlich ein Urteil, das der Bundesgerichtshof im Mai gefällt hat und das die Kündigung der Sparverträge „S-Prämiensparen flexibel“ unter bestimmten Konditionen für rechtens erklärt. Laaß sieht sich deshalb juristisch auf der sicheren Seite. Denn die gekündigten Verträge, so argumentiert er, erfüllten die von den Bundesrichtern festgelegten Bedingungen. Sie liefen unbefristet, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen war eine Kündigungsmöglichkeit festgeschrieben und die Sparer haben mindestens einmal die höchst mögliche Prämie erhalten.

Die Sparkasse kündigt den Kunden, die besonders treu sind

Elvira Roth von der Verbraucherberatung Kamen empfiehlt, Widerspruch gegen die Kündigungen einzulegen. © Stefan Milk


Verbraucherschützer raten zum Widerspruch

Gleichwohl könnten die Kündigungen den Juristen noch Arbeit verschaffen. Verbraucherschützerin Roth jedenfalls empfiehlt den Sparern, auf jeden Fall zu widersprechen. Unter Umstände gebe es verschiedene Vertragskonstellationen, die vom konkreten BGH-Fall abweichen und eine Kündigung deshalb ausschließen. Roth verweist auf einen Musterbrief für den Widerspruch, den die Verbraucherzentrale NRW auf ihre Homepage gestellt hat: www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/sparvertrag-gekuendigt-was-jetzt-wichtig-ist-24832. Sparkassen-Kunden haben zudem die Möglichkeit, sich bei der Verbraucherzentrale in Sachen Bank- und Kapitalmarktrecht beraten zulassen. Dafür müssen die Verbraucher allerdings bezahlen.

Die Sparkasse kündigt den Kunden, die besonders treu sind

In Zeiten des Niedrigzinses ist es gar nicht so einfach, eine profitable Form der Geldanlage zu finden. © Foto: Tobias Weckenbrock


Kündigung zum 31. Oktober

Zudem sollten sie einen Termin vor Ablauf der Kündigungsfrist vereinbaren, empfiehlt Roth. Die beträgt üblicherweise drei Monate. Da die Sparkasse die Kündigungen laut Laaß Ende Juli ausgesprochen hat, bleibt den Sparern also noch bis zum 31. Oktober Zeit.

Bisher hatte Roth ausschließlich mit Beschwerden und Anfragen von gekündigten Sparern der Sparkasse Bergkamen-Bönen zu tun. Die Volksbank Kamen-Werne, die ebenfalls in Bergkamen aktiv ist, hat auch nicht vor, solche Kündigungen auszusprechen, wie ihrer Pressesprecher Philipp Gärtner berichtet. Allerdings hat die Genossenschaftsbank auch ausschließlich Sparverträge abgeschlossen, die auf maximal 25 Jahre befristet und deshalb von dem BGH-Urteil nicht betroffen sind. Die Sparkasse Unna-Kamen hat bisher noch keine Kündigungen ausgesprochen. Aber das muss nicht notwendigerweise so bleiben: „Wir sind noch in der Prüfungsphase“, sagt Sprecher Andreas Schlüter.

Neuere Verträge sind befristet

Auch die Sparkasse Bergkamen-Bönen schließt seit geraumer Zeit nur noch Sparverträge über einen beschränkten Zeitraum ab. Je nachdem, wie hoch der vereinbarte Zinssatz ist, können aber auch die zur Belastung werden. Auch daran könne man sehen, wie sich die lang anhaltende Niedrig-Zins-Phase auswirke, meint Laaß: „Früher war man froh, wenn man eine Laufzeit von zehn Jahren vereinbaren konnte.“

Dass er mit der Kündigung der unbefristeten Sparverträge gerade jene Kunden verärgert, die der Sparkasse schon lange die Treue halten, ist Laaß bewusst. Aber er müsse eben auch abwägen, sagt der Sparkassen-Vorstand: „Wir betreuen das Geld von vielen Kunden.“ Insgesamt führt die Sparkasse Bergkamen-Bönen laut Laaß rund 24.000 Kunden.

Berater bieten Alternativen an

Die gekündigten Sparer entsprechen einem Anteil von zwei Prozent. Gleichwohl gibt es offenbar auch in Zeiten des Niedrigzinses noch Möglichkeiten, mit Anlagen Geld zu verdienen. Die Sparkasse biete jedem Gekündigten ein Beratungsgespräch an, um Alternativen zu den alten Verträgen aufzuzeigen, sagt Laaß. Und ganz erfolglos scheinen die Berater nicht zu sein. Die Verbraucherzentrale jedenfalls wartet noch auf den ganz großen Ansturm der enttäuschten Sparkassenkunden, berichtet Roth: „Wir hatten fünf oder sechs Anfragen.“

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