„Schauen – Schaffen – Schlemmen“ lautet der Titel der Kunstlese auf der Öko-Station. Mit dem Schwerpunkt auf „Schaffen“ ist sie eher eine Mitmachaktion als eine Ausstellung.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 13.10.2019, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind wohl noch nicht fertig geworden, dachte sich so manch ein Besucher der diesjährigen Kunstlese, als sie von dem geschäftigen Treiben und Hämmern in der Deele der Ökostation empfangen wurden. Denn wo sich sonst die Besucher bei den „Kunstlesen“ der Bergkamener „Künstlergruppe sohle1“ gleich an diversen Kunstwerken, ob gemalt, gebildhauert, gedruckt oder was auch immer, ergötzen konnten, standen sie dieses Mal sozusagen vor dem Nichts.

„Schauen – Schaffen – Schlemmen“ lautet der Titel dieser Kunstlese

Genauer gesagt, vor dem fast Nichts. Denn abgesehen von den Kunstwerken selbst, war ja alles da, was die Künstler zum Erstellen ihrer Kunstwerke benötigen: die Materialien ebenso, wie die Werkzeuge. „Schauen – Schaffen – Schlemmen“ lautete der Titel dieser Kunstlese, die nämlich mit dem Schwerpunkt auf „Schaffen“ eher eine Mitmachaktion war.

Ziemlich zaghaft „strömten“ daher anfangs auch die Besucher in die große Deele, wo bereits die Künstler an zehn Stationen gespannt auf die Besucher warteten. Interessant war dabei zudem, dass sich nicht nur die Besucher experimentierfreudig zeigten, sondern auch die Künstler selbst.

Die sind noch nicht fertig geworden: Kunstlese mit viel Gehämmer

Lichtkünstler Igor Rüßtenbey bei der Arbeit. © Hoffmann

Von Holzwürmern und Steinbeißern

So hatte sich dieses Mal der „Holzwurm“ Dietrich Worbs mit diversen Nägeln jeder Art eingedeckt, um es dem Nagelkünstler Günter Ücker gleichzutun. Und auch „Steinbeißer“ Peter Wiesemann griff dieses Mal ebenfalls zu Hammer und Nagel, um seine neue Leidenschaft mit metallenen Strukturen an dem großen Holzbalken, der in der Mitte des Saales aufragte, auszuprobieren.

Schnell hatte sich zu ihnen ein Gast aus Lünen gesellt, der sich dann irgendwann als der Lichtkünstler Igor Rüßtenbey „outete“. Fleißig war auch dieser dabei, mit dem über einhundert Jahre alten Schmiedehammer von Dietrichs Worbs Opa die Nägel in eine Art Schienenschwelle zu hauen. Inspirieren ließ sich Rüßtenbey hingegen von den metallenen Flugzeugen, die Klaus Wleklik fast schon im Stundentakt aus seinen gestanzten Elementen zusammenbaute und in einen Himmel von Wäscheleinen hängte.

Die sind noch nicht fertig geworden: Kunstlese mit viel Gehämmer

Nele Hinkel nutzt die Kreativangebote bei der Veranstaltung. Sie hat am Tisch von Jutta Schürmann mit viel Geschick das Konterfei ihres Opas Dietrich Worbs herausgearbeitet. © Hoffmann

Eine Hommage an die Berliner Luftbrücke

Wlekliks Inspiration war zugleich eine Hommage an die Berliner Luftbrücke. Und dass er noch hinter seinem Ziel von 30 Fliegern zurücklag, lag natürlich daran, dass seine metallenen Doppeldecker begehrte Objekte von Kindern waren, die die Flugzeuge selbst zusammenbauen und natürlich auch mitnehmen durften. Ebenfalls für Kinder gut geeignet waren die Tetraeder und ähnliche Objekte, die Klaus Scholz aus Erbsen und Zahnstochern zusammengepinnt hat.

Ein gänzlich anderes Material ist dagegen der Speckstein, der nicht nur überraschende Farben offenbart, wenn man ihn dünn zersägt, erzählt Helmut Ladeck, sondern auch besonders leicht zu bearbeiten ist. So hat Nele Hinkel am Tisch von Jutta Schürmann mit viel Geschick schon das Konterfei ihres Opas Dietrich Worbs herausgearbeitet und Maria Timmering ebenso einen netten kleinen Piepmatz.

Die sind noch nicht fertig geworden: Kunstlese mit viel Gehämmer

Gitta Nothnagel, Rose Cherek und Heinz-Werner Becker: Bei der Kunst der Monotypie wird von einer feucht-bemalten Fliese immer wieder ein neuer Papierabdruck gezogen. © Hoffmann

Wie man perfekte Nagelbilder erstellt

Dass Drucken nicht gleich Drucken ist, konnten die Besucher an den Stationen von Bernd Sadra ausprobieren, der ein wahrer Künstler im Holzschnitt-Druck ist, oder bei Helmut Ladeck, der mit spitzer Nadel den Tiefdruck perfektioniert hat. Dass sich Linoleum nicht nur als Fußbodenbelag, sondern auch für den „Hochdruck“ eignet, erfuhren die Besucher bei Emilia Fernandez und Beate Alheidt.

Wie man perfekte Nagelbilder erstellt, konnten die Besucher bei Silke Kieslich und Gudrun Luther selber ausprobieren, wer lieber mit Acryl arbeitet, war bei Barbara Strobel gut aufgehoben, während Martina Dickhut mit ihren Acryl- und Kleisterbildern dem ganzen noch ein künstlerisches Sahnehäubchen aufsetzte.

Die sind noch nicht fertig geworden: Kunstlese mit viel Gehämmer

Für Kinder gut geeignet waren die Tetraeder und ähnliche Objekte, die Klaus Scholz aus Erbsen und Zahnstochern zusammengepinnt hat. © Hoffmann

Papierabdruck von einer feucht-bemalten Fliese

Regelrecht fasziniert von Rose Chereks und Gitta Nothnagels Kunst der Monotypie war dagegen Besucher Heinz-Werner Becker. Hierbei wird nämlich von einer feucht-bemalten Fliese immer wieder ein neuer Papierabdruck gezogen. Der daraus entstehende Farbverlust führt dabei zu immer neuen Farbenspielen.

Eine Halbwertzeit von gerade mal einer Stunde hatten hingegen die Kunstwerke von Helga Piepenbrink. Ihre Mokka-Sahne-Torte lockte nämlich so manch einen Besucher in die gemütliche Café-Ecke, wo man sich von seinem künstlerischen Tun erholen konnte.

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