Die Ratten sind überall – und ihre Bekämpfung erfordert viel Geduld

dzSchädlingsbekämpfung

Wer Ratten am oder im Haus hat, kann sie beim Bergkamener Ordnungsamt oder bei seinem Vermieter melden. Auch wenn sie sofort bekämpft werden: Sie verschwinden nicht von heute auf morgen.

Bergkamen

, 16.12.2019, 16:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Friedensstraße sind entsetzt: Sie haben schon seit einiger Zeit Ratten in der Umgebung des Haues. Mittlerweile sind die Nager, die im Verdacht stehen, Krankheiten zu übertragen, auch im Haus. Sie sind offenbar auf den Dachboden und die Zwischendecken der darunter liegenden Wohnung gelangt.

Rattenplage auf dem Dachboden

„Die Leute, die dort wohnen, können nachts schon nicht mehr schlafen“, sagt Klaus Peter Walter, einer der Mieter in dem Haus. Sie hörten die Tiere immer rascheln, wenn sie über ihren Köpfen herumlaufen. Der Hauseigentümer, die Firma Falk Fischer aus Selm, hat zwar ein Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung engagiert – im Volksmund „Kammerjäger“ genannt. Die Mieter haben jedoch den Eindruck, dass sich nichts tut.

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„Gefühlt hat sich die Anzahl der Ratten auf dem Dachboden auch nach vier Wochen nicht verringert“, ärgert sich Walter.

Die Mieter erbittert auch, dass die Dachbodentür abgeschlossen ist, seit die Rattenbekämpfung läuft. Das hat jedoch nach Auskunft der Firma Falk Fischer einen guten Grund: Sie will verhindern, dass Mieter zwischendurch kontrollieren, ob die Ratten an die Köder gegangen sind.

Die Ratten sind überall – und ihre Bekämpfung erfordert viel Geduld

Die Tiere können gut klettern und erreichen auch Futter in größerer Höhe. © Stefan Milk

Scherben in Köderboxen schrecken Ratten ab und sind gefährlich

Es ist zwar verboten, an die Köderboxen zu gehen. Das hindert Mieter aber nicht in allen Fällen an die Boxen zu gehen. Als die Schädlingsbekämpfer im Umfeld der Häuser Boxen mit Rattengift auslegten, stellten sie sogar fest, dass jemand Glasscherben in die Köderboxen gelegt hatte – offenbar um sicher zu gehen, dass die Tiere auch tatsächlich sterben.

Erreicht hat er damit das Gegenteil: Ratten gehen nicht an Köderboxen, wenn sie menschlichen Geruch wahrnehmen, wie eine Angestellte der Schädlingsbekämpfungs-Firma Abalin in Kamen bestätigt. „Dazu sind Ratten zu schlau.“ Die Scherben machten den Ratten-Bekämpfern außerdem noch zusätzliche Probleme: Sie mussten sie bei den Kontrollen jedes Mal vorsichtig aus den Boxen entfernen, um sich nicht daran zu schneiden.

Die Ratten sind überall – und ihre Bekämpfung erfordert viel Geduld

Die Stadt lässt überall dort Köderboxen mit Rattengift auslegen, wo Ratten gesehen worden sind. Pro Woche gibt es in Bergkamen etwa 20 bis 30 Rattenmeldungen. © Rother

Tiere gehen oft erst nach Wochen an das Gift in den Boxen

Außerdem bittet der Hauseigentümer seine Mieter um Geduld. Der Erfolg der Rattenbekämpfung mache sich erst nach einigen Wochen bemerkbar. Die Kamener Firma bestätigt, dass es meist einige Wochen dauert, bis sich ein Erfolg bei der Rattenbekämpfung einstellt. „Es kann bis zu zwei Wochen dauern, bis Ratten überhaupt zum ersten Mal an die Köderboxen gehen“, sagt die Angestellte des Kamener Unternehmens.

Rattenbekämpfung

Wo Menschen leben, gibt es fast immer auch Ratten

  • Ratten sind sogenannte „Kulturfolger“, Das bedeutet: Überall wo Menschen sind, kommen auch Ratten vor. Sie ernähren sich von dem, was Menschen meist unbewusst für sie übrig lassen. Sie fressen zum Beispiel Abfälle, Vogelfutter und leben besonders oft dort, wo Vieh gehalten wird.
  • In den Ködern befindet sich ein langsam wirkendes Gift, dass die Ratte erst nach Stunden oder Tagen tötet. Wenn es schnell wirken würde und die Ratten tote Artgenossen neben den Köderboxen finden, würden sie nicht mehr an das Gift gehen.
  • Das langsam wirkende Gift führt auch dazu, dass der Tierarzt oft noch helfen kann, wenn ein Haustier versehentlich Rattengift frisst. Meistens handelt es sich um Gerinnungshemmer, die dazu führen, dass die Tiere innerlich verbluten.

Entsprechend langwierig ist das Verfahren, Ratten wieder zu beseitigen. Erste Erfolge stellen sich nach Angaben der Schädlings-Bekämpfer meist erst nach frühestens vier Wochen ein. Es kann Monate dauern, bis die Ratten wieder verschwunden sind.

Auch Heiko Brüggenthies vom Ordnungsamt der Stadt Bergkamen bestätigt, dass die Firma, die im Auftrag der Stadt Ratten bekämpft, frühestens nach zwei Wochen Köderboxen kontrolliert, weil sich vorher ohnehin nichts tut.

Stadt registriert pro Woche 20 bis 30 Rattenmeldungen

Bei der Stadt gehen pro Woche etwa 20 bis 30 neue Meldungen über Rattenbefall ein. Das Ordnungsamt sammelt sie in einer „Rattenliste“ und gibt sie an jedem Freitag an das Unternehmen aus Dortmund weiter, das die Ratten in Bergkamen bekämpft. Die Mitarbeiter des Unternehmens fahren immer montags die Stellen ab, an denen Ratten gemeldet worden sind und legen dort Köderboxen aus. Nach zwei bis drei Wochen werden die Köderboxen wieder kontrolliert.

Die Ratten sind überall – und ihre Bekämpfung erfordert viel Geduld

Für die Bekämpfung von Ratten in der Kanalisation ist der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) zuständig. Für die Kanäle gibt es spezielle Köderboxen. © Marcel Drawe

Die Schädlingsbekämpfer kommen übrigens nur, wenn die Ratten auf einem öffentlichen Grundstück oder an einem Ein- oder Zweifamilienhaus gesichtet werden. „Bei Mehrfamilienhäusern muss die Wohnungsgesellschaft selbst Schädlingsbekämpfer bestellen und kann die Kosten auf die Mieter umlegen“, sagt er.

Für die Kanalisation ist der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) zuständig. In der Kanalisation finden die Tiere ebenfalls Nahrung.

Stadt bekämpft Ratten nur im Außenbereich

Die Stadt kümmert sich außerdem nur um den Außenbereich. Sind die Ratten im Haus, muss der Eigentümer sich ebenfalls selbst um die Bekämpfung kümmern. Leider ist sich das Ordnungsamt sicher, dass sich Ratten nie ganz ausrotten lassen. „Wir können leider nur den Bestand einigermaßen klein halten“, sagt Brüggenthies.

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