Die RAG bereitet die Verfüllung des Schachtes Grimberg 2 vor. Eigentlich macht das den Weg für eine andere Nutzung frei – aber die Stadt zögert noch, ihre Ideen umzusetzen.

Bergkamen

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Neben dem Schacht Grimberg 2 auf der ehemaligen Zeche Monopol türmen sich die Sandberge. Demnächst soll dort ein weiteres Kapitel Bergkamener Bergbaugeschichte zu Ende gehen. Die RAG will demnächst damit beginnen, den Schacht zu verfüllen. Ganz ist seine Bergbauvergangenheit damit aber noch nicht beendet, wie Ulrich Aghte von der RAG in Essen bestätigt. Der Schacht ist weiterhin Reserveschacht für die zentrale Grubenwasserhaltung im östlichen Ruhrgebiet. Er soll als Absicherung für die Wasserhaltung auf Haus Aden dienen, wo die RAG zentral das gesamte Grubenwasser aus dem östlichen Ruhrgebiet in die Lippe pumpt.

Nutzung für die Wasserhaltung ist möglich aber unwahrscheinlich

Es ist jedoch recht unwahrscheinlich, dass das Bergbauunternehmen jemals für die Wasserhaltung auf den Schacht Grimberg 2 zurückgreifen muss, wie Aghte erläutert. Zunächst ist noch nicht einmal vorgesehen, dass in die Verfüllmasse sogenannte Hüllrohre eingelassen werden, durch die Tauchpumpen nach unten gelassen werden könnten. Der Schacht sei so etwas wie das Zusatznetz bei einem System, das ohnehin schon mit Netz und doppelten Boden ausgestattet ist, erläutert der RAG-Sprecher. Konkret bedeutet das: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es jemals schwerwiegende Probleme mit der Wasserhaltung aus Haus Aden gibt. Sollte es jemals dazu kommen wäre der erste Ersatz die ehemalige Zeche Hansa in Dortmund, auf der es noch relativ lange eine Wasserhaltung gab. Erst wenn auch dort nichts mehr geht, müsste die RAG doch noch auf den Schacht Grimberg 2 zurückgreifen.

Die RAG setzt den Pfropfen auf den vorletzten Bergkamener Schacht

Das Grubenwasser wird über den Schacht 2 der ehemaligen Zeche Haus Aden abgepumpt. Die RAG will die Wasserhaltung allerdings umstellen und investiert insgesamt 50 Millionen Euro auf Haus Aden. © Borys sarad

Entlassung aus der Bergaufsicht möglich

Da das so unwahrscheinlich ist, geht der RAG-Sprecher davon aus, dass das Bergamt das Schachtgelände aus der Bergaufsicht entlassen kann. Damit wären auch nicht-bergbauliche Nutzungen möglich. Die Stadt Bergkamen hat eigentlich bereits seit einiger Zeit ein Auge auf den Schacht geworfen. Es gab Überlegungen, das denkmalgeschützte Schachtgerüst mit Lichtkunst in Szene zu setzen und das Gelände für eine Art Museum zur Bergbaugeschichte der Stadt zu nutzen.

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Stadt stellt Pläne zunächst zurück

Diese Überlegungen hat die Stadt zwar nicht zu den Akten gelegt, aber zunächst zurückgestellt, wie der für Kultur zuständige Dezernent Marc Alexander Ulrich sagt. Zurzeit wird das „integrierte Stadtentwicklungskonzept“ für die Bergkamener Stadtmitte entwickelt, bei dem auch die mögliche Rolle der Monopol-Fläche untersucht wird. Auf der Grundlage dieses Konzepts will die Stadt Städtebau-Fördermittel beantragen. Ob dazu auch Mittel zur Entwicklung des Schachtes zu einem Kunst- und Kulturprojekt gehören, müsse sich erst noch zeigen, machte der Dezernent deutlich.

Die RAG setzt den Pfropfen auf den vorletzten Bergkamener Schacht

An der Einleitstelle fließen 13 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr in die Lippe. © Borys Sarad

Wasserhaltung auf Haus Aden wird komplett umgestellt

Wasserhaltung

Grubenwasserpumpen müssen ewig laufen

Zu den sogenannten Ewigkeitslasten des Bergbaus gehört es dafür zu sorgen, dass das stark salzhaltige Grubenwasser nicht in Verbindung mit dem Grundwasser unter der Erdoberfläche kommt. Deshalb pumpt die RAG das Grubenwasser an mehreren Stellen im Ruhrgebiet ab und leitet es in Flüsse ein. Auf Haus Aden befindet sich die zentrale Wasserhaltung für das östliche Ruhrgebiet. Dort läuft das Grubenwasser aus der Region zusammen. Über den noch offenen Schacht des ehemaligen Bergwerks werden 13 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr in die Lippe gepumpt.

Die RAG selbst will in Bergkamen investieren. Sie plant, die Wasserhaltung auf Haus Aden komplett zu erneuern und dabei auch wesentlich umstellen. Dafür investiert das Bergbau-Unternehmen rund 50 Millionen Euro. Auch der Schacht, durch den das Grubenwasser gepumpt wird, soll verfüllt werden. Dort will die RAG allerdings von vornherein Hüllrohre einbauen. Durch die Rohre sollen Tauchpumpen nach unten gelassen werden, die die bisherigen, fest unter Tage installierten Pumpen überflüssig werden. Die Tauchpumpen haben den Vorteil, dass sie für Wartungsarbeiten und Reparaturen nach oben gezogen werden können. Dann muss niemand mehr für solche Arbeiten in den Schacht einfahren.

Das bedeutet allerdings auch, dass das Schachtgerüst der ehemaligen Oberadener Zeche ebenfalls nicht mehr notwendig ist. Anders als der eigentlich deutlich jüngere Förderturm am Standort Grimberg 2 steht das Oberadener Schachtgerüst nicht unter Denkmalschutz und die RAG hat bereits in Erwägung gezogen, es abzureißen.

Die RAG setzt den Pfropfen auf den vorletzten Bergkamener Schacht

Der Förderturm auf Haus Aden ist so etwas wie ein Wahrzeichen von Oberaden. Wenn die Wasserhaltung umgestellt ist, wird er überflüssig. © Marcel Drawe

Unterhaltung des Förderturms ist teuer

Aghte beruhigt allerdings: Erst wenn die neue Wasserhaltung auf Haus Aden in Betrieb geht, ist der Förderturm tatsächlich überflüssig. Er geht auch davon aus, dass es der RAG schwerfallen wird, ihn abzureißen. Um das Fördergerüst auf Dauer zu erhalten, gibt es allerdings ein großes Hindernis: Die Unterhaltung eines Förderturms ist teuer. Es müsste sich eine Möglichkeit finden, der die Unterhaltung des Förderturms übernimmt.

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