Die ,Playfords‘ bringen Martin Luther zum Tanzen

dzKonzert zum Reformationstag

Die Bergkamener Protestanten haben den Reformationstag mit einem ungewöhnlichen Konzert gefeiert. Die Zuhörer lernten dabei eher unbekannte Seiten von Martin Luther kennen.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 01.11.2019, 13:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Als die ,Playfords‘ zum 500. Reformationsjubiläum ihre CD ,Luther tanzt‘ herausbrachten, war ich von dem Konzept gleich begeistert“, erzählte Pastor Reinhard Chudaska den vielen Zuhörern im Saal des Martin-Luther-Hauses. Dort richteten die beiden evangelischen Gemeinden ein Konzert zum Reformationstag mit der besagten Band aus.

Luther war leidenschaftlicher Lautenist

Schon allein die vielen exotisch anmutenden Musikinstrumente auf der Bühne ließen erahnen, dass die musikalische Reise in längst vergangene Zeiten gehen sollte. Wen wundert’s, dass es sich dabei überwiegend um Saiteninstrumente handelte, schließlich war Martin Luther doch ein leidenschaftlicher Lautenist,

So hatte denn auch Erik Warkenthin gleich ein ganzes Arsenal an außergewöhnlichen Lauten dabei. Nicht minder exotisch die siebensaitige barocke Viola da gamba, die Benjamin Dreßler hervorragend spielte, während Flötistin Annegret Fischer aus diversen mittelalterlichen Blockflöten sanfte und gefühlvolle Flötentöne herauszuzaubern verstand.

Anekdoten über Luther

Mit Nora Thiele stand hingegen zugleich eine führende Perkussionistin Europas auf der Bühne, die bei diesem Konzert mit Landsknechttrommel, Tamburello und Kastagnetten immer den mitreißenden Rhythmus fand. Das Weimarer Quintett komplett machte Tenor Björn Werner, der zudem einige humorvolle Anekdoten über Martin Luthers mitunter robuste Lebensweisheiten parat hatte.

So empfahl dieser einst wohlwissend: „Wenn du eine Frau suchst, die zugleich klug, schön, reich und fromm sein sollte - dann lass sie dir malen.“ Auch wusste der Feinschmecker Luther auf der ihm eigenen derben Art zu erklären, wie man am besten der Melancholie entkommen oder gar dem Satan widerstehen konnte.

Die weltliche Wurzeln des evangelischen Gesangsbuch

Bei ihren musikalischen Recherchen machten sich die fünf Musiker insbesondere auf die Suche nach den weltlichen Wurzeln der Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch. So wurde das von Hans Leo Haßler komponierte Liebeslied „Mein G’müt ist mir verwirret“ mehrfach verändert, bis es von Paul Gerhard den Text „O Haupt voll Blut und Wunden“ erhielt. Dass sie zudem die Kunst des vielstimmigen harmonischen Kontrapunktes beherrschen, bewiesen die fünf Musiker mit dem Lied „Die beste Zeit ist mein“, welches nicht nur nahtlos in das Lied „Nu freut euch lieben Christen gmein“ überging, sondern auch mit einem beeindruckenden fünfstimmigen Choral aller fünf Musiker endete.

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