Der Wald ist seiner Zeit mindestens einen Monat voraus: Hitzebedingt werfen die Bäume ihre Früchte ab und verlieren Laub. Das sind nicht die einzigen Probleme der Natur mit der langen Trockenperiode.

Bergkamen

, 16.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Nicht nur auf seinem Weg durch das Lüttke Holz sind die Folgen der Hitzewelle offensichtlich: Grüne, noch unreife Eicheln liegen auf dem Boden, sobald ein leichter Wind durch den Wald zieht, rieselt das Laub. „Das alles schon im August, das gab es noch nie“, sagt Revierförster Oliver Stenzel-Franken. „Das schneit ab wie sonst Mitte September.“ Er zeigt auf eine Buche: Deren Krone ist bereits vertrocknet, zwischen dem bisschen Grün, was noch an ihren Ästen wächst, hängen vertrocknete Blätter.

Die Natur schwächelt

Das Kreuzkröten-Habitat sieht etwas unwirtlich aus. Die Kröten fühlen sich dort auch im heißen Sommer wohl © Stefan Milk

Gefahr für die Bäume

Die Wahrscheinlichkeit für die Bäume mit bereits jetzt kahlen Baumkronen, ganz abzusterben, ist groß. Aber auch die Jungbäume, die nach dem Orkan Friederike im Januar gepflanzt wurden, sterben ab und können die Wälder nicht neu aufforsten. In Gebieten mit vielen Nadelbäumen entsteht dazu noch ein weiteres Problem. Das heiße Wetter begünstigt die Ausbreitung des Borkenkäfers, der die Bäume schwächt.

Die Forstwirtschaft befinde sich in diesem Jahr in einer extrem schwierigen Situation, sagt der Förster. Erst der Sturm im Januar, dann die extreme Trockenheit und dazu noch die Käfer: Der Wald hat Stress und kann sich nicht mehr regenerieren.

Hin und wieder ein Gewitter sei nicht genug: Erstens sei dies immer punktuell, zweitens könne nur eine längere Regenperiode über drei bis vier Wochen helfen, um die Wasserreserven aufzufüllen, sagt der Förster. So stehen im Lüttke Holz mittlerweile total entlaubte Buchen, auf dem Boden sind die Spuren der langen Trockenperiode ebenfalls sichtbar: Spalten, die an die 40 Zentimeter tief sind, ziehen sich über den Waldweg. „Noch so ein Sommer, dann wird es ein richtiges Waldsterben geben“, befürchtet Stenzel-Franken. „Wir haben momentan immer nur Extreme, es fehlen die Winter, damit die Natur zur Ruhe kommt.“

Es gebe Wissenschaftler, die mittlerweile schon von einem Baumartenwechsel in der Region sprechen. Buchen, Fichten und Birken, die besonders unter den Auswirkungen der Wetterextreme leiden, könnten von Eichen und Kiefern abgelöst werden. Wenn das hiesige Klima, das dem mediterranen mittlerweile sehr gleicht, bleibe, könne man auch über die Anpflanzung von Esskastanien nachdenken.

Die Förster sind nicht die einzigen, die den heißen Sommer mit einer gewissen Sorge beobachten – auch wenn sie nicht so starke Konsequenzen befürchten. Nach Angaben von Klaus Klinger, dem Leiter der Biologischen Station auf der Ökologiestation in Heil, sind in den Lippeauen viele kleine Gewässer trocken gefallen oder stehen zumindest kurz davor. Der Fluss selbst ist davon allerdings nicht betroffen. „Die Lippe wird zurzeit aus dem Kanalnetz aufgefüllt“, erklärt Klinger. In den meisten anderen Sommern ist das umgekehrt: Dann bekommt der Kanal Wasser aus der Lippe. Ein großes Fischsterben, wie in anderen Gewässern ist in der Lippe bisher ausgeblieben.

Die Natur schwächelt

Auch der Schwanenweiher an der Erich-Ollenhauer-Straße ist fast trocken. Naturschützer sehen aber keinen Grund einzugreifen. Sie gehen davon aus, dass sich die Natur mit der Zeit wieder regeneriert. © Stefan Milk

Gewässer trocknen aus

Es gibt jedoch auch flache Gewässer in den Flussauen, die keinen Zulauf haben. Ein Teil von ihnen fällt ohnehin zeitweise trocken und die Lebewesen dort sind daran angepasst. Andere Gewässer sind jedoch tiefer und führen sonst immer Wasser. Klinger befürchtet schon, dass ein Teil der Fauna die Trockenheit dort nicht überlebt. „Es wird kein Fischsterben geben – aber wirbellose Arten wie Insekten und Schnecken sind betroffen“, sagt er.

Dennoch sieht der Biologie keine Möglichkeit zu Rettungsaktionen – auch wenn die Tiere in der Nahrungskette fehlen.

„Wir können die Wasserlebenwesen schließlich nicht zu Hause in der Badewanne unterbringen“, sagt er. Klinger ist sich sicher, dass sich die Natur im Laufe der Zeit wieder komplett von dem trockenen Sommer 2018 erholt – zumindest, wenn er nicht zum Dauerzustand wird.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Jubiläum im „Mikado“

Warum die Stadt seit 25 Jahren keine eigenen Kindergärten mehr baut