Wenn die kalte Jahreszeit kommt, beginnt für die Bootsbesitzer und Hafenmeister Thorsten Nustede die Arbeit. Einige Boote müssen aus dem Wasser – und das ist oft eine mühsame Angelegenheit.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 14.10.2018, 15:08 Uhr / Lesedauer: 4 min

Draußen soll es in den nächsten Tagen kälter werden, die Supermärkte werben mit Adventskalendern und Weihnachten rückt immer näher – Zeit für die Marina, sich winterfest zu machen. Seit Anfang Oktober rüsten die Liegeplatz-Inhaber ihre Boote für die kalte Jahreszeit.

Von den 300 Schiffen im gesamten Hafengebiet überwintert ein Großteil im Wasser. Manche Boote werden aber auch bis zum Frühjahr trockengelegt. „Ungefähr 80 heben wir mit dem Kran an Land – das kann wenige Minuten oder mehrere Stunden dauern“, berichtete Hafenmeister Thorsten Nustede mit Blick auf sein Tagewerk. Hilfe bekommt er dabei von einigen Angestellten, seiner Frau Beate und seinem 18-jährigen Sohn Nils. Weil der goldene Oktober seinem Namen zurzeit alle Ehre mache, kann Nustede sogar im T-Shirt arbeiten. „Außerdem erleichtert gutes Wetter unsere Arbeit ungemein.“ Wenn es zum Beispiel regne, rutsche ein Boot deutlich schneller aus den Haltegurten. „Dann kann es ziemlich knifflig werden, es aus dem Kanal zu bekommen.“

Die Marina macht sich winterfest

Ein Boot wird aus dem Wasser gehievt. © Sharin Leitheiser

Mit dem Kran aus dem Wasser

Mit über 20 Jahren Erfahrung lässt sich Thorsten Nustede von kaum einer Situation ins Schwitzen bringen. Bei den Bootsbesitzern sieht es da allerdings schon ganz anders aus. Michael Evers und Nicole Christ wirken sichtlich nervös, während sie den Hafenarbeitern dabei zusehen, wie sie ihre „MIC Oldenburg“ nach und nach austarieren. „250 Liter Diesel sind getankt, sämtliche andere Flüssigkeiten abgelassen und Frostschutz hat sie auch gezogen“, bilanzierte Evers, ohne die „MIC“ aus den Augen zu lassen.

Jetzt müsste das Kunststoff-Boot nur noch mit dem Lastenkran aus dem Kanal gehievt werden. Aber selbst nach zehn Versuchen will es einfach nicht klappen – die Markierungen für den Tragegurt stimmen vorne und hinten nicht und das schwere Heck droht in der Luft immer wieder nach hinten zu kippen. „Das ist unser erstes Jahr mit dem Boot – im April haben wir es aus Greifswald hierher überführt“, resümierte Nicole Christ. Damit habe sich ihr Lebensgefährte einen lang gehegten Traum erfüllt, verriet sie. „Sein Bruder hat schon sehr, sehr viele Jahre ein Boot, aber selber fahren ist doch schöner als mitzufahren.“

Die Marina macht sich winterfest

Michael Evers und Nicole Christ wollen im kommenden Jahr auf größere Fahrt gehen. © Sharin Leitheiser

Große Fahrt im nächsten Jahr

In Bergkamen haben sich Evers und Christ nun eine Saison lang ausgetobt, aber langfristig peilen sie größere Gewässer an. „Nächstes Jahr kommt die MIC nach Holland, denn hier können wir ihre Leistung gar nicht richtig ausreizen“, erläuterte Evers. Ob der Luxus-Kahn mit Flybridge, zwei Schlafzimmern, Salon und Badezimmer ein zufriedenstellender Ersatz für klassische Hotelurlaube ist, haben die beiden noch nicht ausdiskutiert. „Im Sommer 2019 bereisen wir erst einmal die Nordsee-Inseln. Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen.“

Über zwanzig Minuten dauert es am Ende, bis die „MIC“ sicher auf ihrem Gerüst steht und mehrfach festgezurrt werden kann. Erst, als auch die letzten Schrauben festgedreht sind, können Michael Evers und Nicole Christ endgültig aufatmen. „Das war wirklich ganz schön schweißtreibend. Zum Glück hat es doch noch geklappt“, bilanzierte Evers erleichtert.

Die Marina macht sich winterfest

Nils Nustede beseitigt Algen mit einem Hochdruckreiniger. © Sharin Leitheiser

Mit Hochdruck gegen die Algen

Eine Station weiter widmete sich Nils Nustede mit dem Hochdruckreiniger der „Linger Longer“ von Detlef Markmann. Benannt sei der 8,5 Tonnen schwere holländische Stahlverdränger nach einem Ferienhotel in Cape Cod, so Markmann. „Wer einmal da ist, will nicht mehr weg“, erzählte er, während Nils Nustede den Schiffsboden gründlich von seiner bräunlichen Algenschicht befreite. „Nach dem Abspritzen muss die ‚Linger Longer‘ wieder glänzen wie neu – dafür sorgt die sogenannte ‚Fowling-Schutzlackierung‘“, so Markmann. Viele Abenteuer hat der Familienvater mit seinem Boot erlebt: Zuletzt war er drei Wochen lang mit seiner 15-jährigen Tochter in Holland. Und trotzdem möchte er die „Linger Longer“ so bald wie möglich verkaufen. „Meine Tochter verliert langsam das Interesse an Familienurlauben mit dem Boot, und für mich ist das der schönste Teil gewesen“, begründete Markmann.

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Marina macht sich winterfest

Wenn der Winter naht, machen die Eigner die Boote winterfest. Einige müssen aus dem Wasser. Hafenmeister Torsten Nustede hilt dabei.
14.10.2018
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Bergkamen. Wenn der Winter naht, müssen die Boote in der Marina winterfest gemacht werden. Eigner Detlef Markmann nutzt die letzten schönen Tage für Arbeiten auf der "Linger Longer".© Sharin Leitheiser
So sieht die Algenschicht am Schiffsboden nach einem Jahr im Wasser aus. Sie wird komplett entfernt.© Sharin Leitheiser
Nils Nustede, der Sohn des Hafenmesiters, sprüht die Linger Longer mit dem Hochdruckreiniger ab. Danach sieht sie wieder aus wie neu.© Sharin Leitheiser
Bevor solche Arbeiten möglich sind, müssen die Boote aus dem Wasser gehievt werden. Die MIC Oldenburg von Michael Evers hängt schon in den Seilen.© Sharin Leitheiser
Die müssen vorher exakt angelegt werden.© Sharin Leitheiser
Michael Evers und seine Lebensgefährtin Nicole Christ schauen zu, ob sich das große Schiff ohne weiteres aus dem Wasser heben lässt.© Sharin Leitheiser
Hafenmeister Thorsten Nustede, hier mit seiner Frau Beate, hat jedoch genug Erfahrung. Er meister auch diese Aufgabe.© Sharin Leitheiser
Das Boot hebt sich schließlich aus dem Wasser.© Sharin Leitheiser
Nebenan am Wohnmobilhafen gibt es keine Winterpause.© Sharin Leitheiser
Die Camper dort genießen noch einen der letzten warmen Herbsttage.© Sharin Leitheiser
Gisela Brandl aus Recklinghausen hat sich mit dem Häkelzeug nach draußen gesetzt.© Sharin Leitheiser

Wintervorbereitungen bis in den November

Für Hafenmeister Thorsten Nustede und seine Frau Beate gehen die Vorbereitungen vor dem Winter noch weiter bis Mitte November. „Dann sollten aber auch alle Boote fit und sämtliche übrigen Arbeiten im Hafen erledigt sein“, ist sich Thorsten Nustede sicher. Frei habe er zwar selten, „aber braun gebrannt ist mein Mann trotzdem immer schon im März“, scherzte Beate Nustede optimistisch. Über den Jahreswechsel gönnt sich das Ehepaar allerdings auch eine vierwöchige Pause vom Job. In dieser Zeit komme wirklich nur Personal auf das Gelände, kündigte der Hafenmeister an. „Aber sonst steht die Marina immer offen – egal ob Pächter, Bootsliebhaber oder Spaziergänger.“

Die Marina macht sich winterfest

Der Wohnmobilhafen schließt auch im Winter nicht. Gäste kommen auch immer. © Sharin Leitheiser

Keine Winterpause im Wohnmobilhafen

Im Bootshafen an der Marina steuert alles auf die Winterpause zu – im Wohnmobilhafen hingegen ist ganzjährig Betrieb. Selbst im Oktober sind am Wochenende viele der 18 Stellplätze durchgehend belegt.

„Die meisten sind auf der Durchreise. Momentan machen hier zum Beispiel etliche Camper Rast, die den Winter in Spanien verbringen wollen“, sagte Betreiber Detlef Göke. Sein Wohnmobilhafen habe 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag geöffnet. Ein Parkschein-Automat ermöglicht es den Campern, jederzeit aus- und einzuchecken. Auf Langzeit-Urlauber ist der Stellplatz zwischen maritimer Hafen-Atmosphäre und direkter Autobahn-Anbindung ans Kamener Kreuz nicht gedacht. „Aber für ein Wochenende ist es hier ideal. Entweder, um danach weiterzufahren oder aber, um einen entspannten Kurzurlaub in ruhiger Umgebung zu verbringen“, so Göke.

Die Marina macht sich winterfest

Camperin Gisela Brandl aus Recklinghausen genießt die Herbstsonne und strickt. © Sharin Leitheiser

Stricken in der Sonne

Hartgesottene Winter-Camper sind Gisela und Erich Brandl aus Recklinghausen zwar nicht, dafür genießen sie den goldenen Herbst jedoch in vollen Zügen. „Wir waren schon einige Male hier“, sagte die Rentnerin. Seit fast 50 Jahren sei sie bereits mit ihrem Mann verheiratet, „und beinahe ebenso lange fahren wir schon zusammen mit dem Wohnmobil herum.“

An dem Stellplatz mit „Meerblick“ schätzen die beiden alles: vom kulinarischen Angebot über die Freizeitaktivitäten bis hin zur günstigen Lage. „Morgens können wir im Hafencafé Brötchen holen, danach mit dem Fahrrad an der Hafenpromenade entlang fahren und nachmittags in der Sonne sitzen“, so Brandl. Sie selbst liebt es, gemütlich zu häkeln. Gerade arbeite sie an einem bunten Schal mit Muschelmuster. „Der ist für mein Enkelkind Laura“, verriet Brandl.

Während die Camper auf seinem Stellplatz noch einmal Vitamin D tanken, erledigt Detlef Göke einige wichtige Arbeiten vor dem Winter – damit der Wohnmobilhafen im kommenden Frühjahr wieder in voller Pracht erstrahlen kann. „Den Rasen werde ich auf jeden Fall noch düngen, denn der Sommer war sehr trocken“, so Göke. Außerdem müssten die Hecken geschnitten und noch ein paar kleinere Gartenarbeiten gemacht werden. „Viel mehr ist aber gar nicht zu tun.“ Mit dem Geschäftsjahr 2018 sei er bisher sehr zufrieden. „Das Wetter war super bis zum Schluss. So macht Camping nun einmal am meisten Spaß.“

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