Die Orgel der Auferstehungskirche besteht aus fast 800 Pfeifen. Ein Großteil lagert derzeit auf der Empore, weil ein Orgelbauer das Instrument überholt. Er bringt zusätzliche Pfeifen mit.

Weddinghofen

, 11.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Jan Steinmann muss bei der Arbeit Ordnung halten: Er hat gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Frank Wilmsmann sämtlichen Pfeifen aus der Orgel in der Auferstehungskirche ausgebaut, um sie zu reinigen. Später muss der Orgelbauer aus dem ostwestfälischen Vlotho das Instrument wieder zusammensetzen. Da muss jede Pfeife wieder an den richtigen Platz. „Die Pfeifen sind zwar gekennzeichnet“, sagt Steinmann. Aber es macht die Arbeit deutlich einfacher, wenn die Klangkörper aus Metall und aus Holz so sortiert sind, dass der Orgelbauer auf den ersten Blick sieht, wo sie hingehören.

Die Männer, die die Orgel in ihre Bestandteile zerlegen

Nachdem die Pfeifen entfernt sind kann Frank Wilmsmann im Orgelinneren an der Seilzug-Mechanik arbeiten. © Marcel Drawe


Wenig Platz bei der Orgel-Renovierung

Erschwerend kommt hinzu, dass auf der Orgelbaustelle – der Empore der Auferstehungskirche – eine ziemliche Enge herrscht. Das Weddinghofer Instrument ist ein relativ kleiner Vertreter seiner Art. Aber die Orgel enthält immerhin 792 Pfeifen. Nicht alle davon lagern Steinmann und Wilmsmann auf der Empore. Die Pfeifen am Prospekt, also dem sichtbaren Teil der Orgel, haben sie nach der Reinigung gleich wieder eingebaut. Sie sind zum Teil über zwei Teil Meter hoch und bestehen aus Metall: „Wenn wir sie hinlegen würden, würden sie sich unter dem eigenen Gewicht verformen“, sagt der Orgelbauer. Die kleinsten Pfeifen messen gerade einmal 15 Millimeter. Dass sie in dem leichten Chaos auf der Empore nicht verloren gehen, liegt daran, dass der Fuß, mit dem sie in der Orgel befestigt werden, dann doch einige Zentimeter lang ist. In kirchenhistorischen Dimensionen gedacht, hat die Weddinghofer Orgel auch noch kein allzu hohes Alter erreicht. Sie ist 1965 installiert worden.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Orgelrenovierung in der Auferstehungskirche in Bergkamen-Weddinghofen

Orgelbauer überholen das Instrument in der Auferstehungskirche und bauen sämtliche Pfeifen aus.
11.07.2019
/
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Frank Wilmsmann an der Seilzug-Mechanik© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Seilzug-Mechanik hinter dem Spieltisch© Kevin Kavelmann
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen© Kevin Kavelmann
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, da wo sonst der Organist auf seine Noten schaut, sind jetzt die Orgelbauer Jan Steinmann (li) und Frank Wilmsmann aus dem inneren zu sehen© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Organist Dr. Hans-Christian Tacke an dem neuen Register, auf das er sich bereits länger freut© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Unzählige Pfeifen liegen aufgereit© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, an dieser Stelle befindet sich normalerweise der Spieltisch, der Arbeitsplatz des Organisten© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Teamwork beim Einbau der Pfeifen, Organist Dr. Hans-Christian Tacke packt mit an und hilft den Orgelbauern Frank Wilmsmann (li) und Jan Steinmann (re)© Marcel Drawe
Orgelumbau Auferstehungskirche Weddinghofen, Frank Wilmsmann inmitten der Orgel© Marcel Drawe



Die 60er Jahre waren eine Boomzeit

Steinmann hat häufiger mit Instrumenten aus diesem Jahrzehnt zu tun: „Das war eine Boom-Zeit für den Orgelbau.“ Inzwischen hat der Zahn der Zeit an den 60er-Jahren-Orgeln genagt, sodass Steinmann häufiger Reinigungs- und Instandsetzungsaufträge wie den in Weddinghofen bekommt. „Dass heute noch eine neue Orgel gebaut wird, kommt eher selten vor“, sagt er. Manchmal wird ein Orgelbauer aber auch damit beauftragt, ein Instrument zu rekonstruieren, also in den Originalzustand zu versetzen. „Das war gerade einer Kirche in Dortmund-Husen der Fall“, berichtet der Organist der Auferstehungskirche, Dr. Hans-Christian Tacke. Und das ist auch für das Weddinghofer Instrument von Bedeutung. Tacke hat einige der in Husen nicht mehr benötigten Pfeifen erstanden, die Steinmann und Wilmsmann einbauen werden, um die Klangmöglichkeiten der Orgel zu erweitern.

Die Männer, die die Orgel in ihre Bestandteile zerlegen

Die ersten Orgelpfeifen aus Holz haben die Orgelbauer bereits wieder installiert. © Marcel Drawe


54 zusätzlich Orgelpfeifen

Da die Orgelbauer auch noch etwas aus ihrem Fundus beisteuern, stehen dem Organisten in der Auferstehungskirche künftig 54 zusätzliche Pfeifen zur Verfügung. Steinmann und Tacke haben noch eine weitere Möglichkeit gefunden, um den Orgelklang zu verbessern. „Wir teilen ein Register“, erläutert Steinmann. So nennt man die Zusammenstellung von Pfeifen, die ähnlich klingen. „In der Orgel der Auferstehungskirche gibt es die Besonderheit eines Registers, das aus zwei Reihen besteht“, erläutert Steinmann. Damit der Organist sie künftig unabhängig voneinander anspielen kann, trennt der Orgelbauer sie voneinander. Die Mechanik im Orgel-Inneren, die die Pfeifen mit dem Spieltisch verbindet, hat er bereits installiert.

Die Männer, die die Orgel in ihre Bestandteile zerlegen

Dem Organist Dr. Hans-Christian Tacke stehen nach dem Umbau der Orgel neue Klangmöglichketien zur Verfügung. © Marcel Drawe



Jetzt lesen

Registerknopf ist Handarbeit

Damit der Organist sie auch in Gang setzen kann, benötigt er aber noch einen neuen Registerknopf. Wenn der Musiker den betätigt, aktiviert er die entsprechende Reihe von Pfeifen, in die Luft strömt und Töne erzeugt – daher kommt auch die Redewendung, dass jemand alle Register zieht. Aus optischen Gründen soll der neuen Registerknopf natürlich so aussehen, wie die schon existierenden. Kaufen kann man so etwas nicht. „Die gestaltet jeder Orgelbauer individuell nach seinem Geschmack“, sagt Steinmann. Und so wird er in seiner Werkstatt einen Registerknopf gestalten, der zur Orgel der Auferstehungskirche passt.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Ferienprojekt „Szenentreff“

Ein Musikvideo mit Bergkamener Jugendlichen ist noch in der Mache

Hellweger Anzeiger Beschwerden häuften sich

Nach „Hundetourismus“-Vorwürfen: So ist die Situation an der Deponie heute