Die L 821n-Gegner hoffen noch auf die EU und setzen auf weitere Klagen

dzTrotz „Nackenschlägen“

Das Jahr 2019 ist für die Gegner der L 821n nicht gut gelaufen. Der Bau der neuen Straße geht schnell voran. Trotzdem hoffen sie noch darauf, dass die EU eingreift.

Bergkamen

, 29.12.2019, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rolf Humbach neigt offenbar zum Realismus, wenn es um die L 821n geht. „Wir haben viele Nackenschläge bekommen“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende der Grünen, der zugleich einer der Sprecher der Initiative „L 821n - Nein!“ ist.

Im abgelaufenen Jahr hat nicht nur der Bau der Straße begonnen und schnelle Fortschritte gemacht. Die Initiative hatte trotz mehrfacher Sonntagsdemonstrationen und diverser andere Aktionen eigentlich nur Niederlagen zu verzeichnen.

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Eine der letzten erlitt sie beim Petitionsausschuss des Landtags. Der lehnte ab, sich in Sachen L 821n einzuschalten, weil der Wille der Bergkamener Ratsmehrheit erfüllt sei, wie Humbach mitteilt. Der Stadtrat hatte mit den Stimmen der SPD den Bau der Straße abgelehnt, wenn es keine verkehrslenkenden Maßnahmen auf der Ortsdurchfahrt Weddinghofen gibt. Die hat das Landes-Verkehrsministerium jedoch inzwischen zugesichert.

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Humbach muss Gehege bis Mitte Februar räumen

Auch Humbach selbst hat Konsequenzen aus dem Bau der Straße zu spüren bekommen. Ein Wildtier-Gehege, das er betreibt, liegt im zweiten Bauabschitt auf der Trasse der Straße. Humbach, der Pächter der Fläche ist, musste einen Bauerlaubnisvertrag mit Straßen NRW unterschreiben und hat einen Bescheid bekommen, dass er die Fläche bis zu 17. Februar räumen muss. Eine Ersatzfläche in Bergkamen hat er schon gefunden.

Trotzdem glaubt Humbach, dass die Wende noch gelingen kann. „Wir haben noch mehrere Eisen im Feuer“, sagt der Grünen-Vorsitzende. Die größte Hoffnung setzen die Straßengegner auf die Europäische Union (EU). Dort haben sie unter anderem Beschwerde eingelegt, weil die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Straße ihrer Meinung nach veraltet ist. Die EU habe schon häufiger Straßenbauten gestoppt, auch wenn der Bau schon begonnen hat, sagt Humbach.

Die L 821n-Gegner hoffen noch auf die EU und setzen auf weitere Klagen

Der Bau des Kreisverkehrs, an dem die L 821n an der Lünener Straße beginnen soll, ist schon weit fortgeschritten. Sogar die Randsteine sind schon gesetzt. © Borys Sarad

Klagen wegen Entwässerung und Lärmschutz

Die Initiative kämpft aber auch an anderen juristischen Fronten weiter gegen die L 821n. Die Straßengegner wollen die Anwaltskosten für Bürger übernehmen, die 2014 vom Hochwasser nach einem Starkregenereignis betroffen waren. Sie sollen gegen die Straße klagen, weil die Initiative die Entwässerung für nicht ausreichend geklärt hält.

Außerdem sollen die Anwohner der L 821n-Trasse bei der Bezirksregierung auf besseren Lärmschutz klagen. Die Initiative geht davon aus, dass wesentlich mehr Fahrzeuge auf der L 821n unterwegs sind, als bei der Planung angenommen. „Straßen NRW hat selbst zugegeben, dass die Straße als Umfahrung für das Kamener Kreuz genutzt wird“, sagt der Sprecher der Straßengegner.

Humbach hofft auch, dass die Archäologen den Straßenbau verzögern. Sie haben nach seinen Informationen drei Punkte im Straßenverlauf entdeckt, die sie untersuchen wollen.

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Neue Rodungsarbeiten sollen Straßengegner noch einmal mobilisieren

Er hofft auch, dass er die Gegner der Straße noch einmal mobilisieren kann, wenn der Landesbetrieb Straßen NRW ab Mitte Februar mit den Rodungsarbeiten für den zweiten Bauabschnitt der L 821n beginnt. Sie müssen nach dem Bundesnaturschutzgesetz bis zum 1. März abgeschlossen sein.

Betroffen ist auch der Wald, der an das Grundstück angrenzt, dass er als Wildgehege nutzt. Er habe den Wald noch nicht einmal einzäunen dürfen, kritisiert Humbach. Der Straße solle er jetzt aber zum Opfer fallen. „Es wird sicherlich einen Aufschrei geben, wenn die Bevölkerung das mitbekommt“, hofft der Straßengegner.

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