In kaum einer Stadt dieser Größe gibt es so viele Kreisverkehre wie in Bergkamen. Viele von ihnen haben nicht nur die Funktion Ampeln zu ersetzen und den Verkehr zu lenken.

Bergkamen

, 05.08.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

In gewisser Weise ist Bergkamen so etwas wie die heimliche Kreisstadt im Kreis Unna. Die Stadt ist zwar nicht Sitz der Kreisverwaltung, aber sie ist absoluter Vorreiter, wenn es darum geht, im Kreis zu fahren. Es ist zwar nicht ganz klar, ob Bergkamen immer noch die Stadt mit den meisten Kreisverkehren im Kreis Unna ist – die erste, die Kreisverkehre salonfähig gemacht hat, ist sie aber auf jeden Fall. Seitdem das damalige Landesstraßenbauamt den Kreisverkehr an der Friedenskirche in den 90er Jahren als ersten Verkehrskreisel in Bergkamen gebaut hat, findet Bergkamen Gefallen an den Kreiseln.

Sie sind vor allem schon längst nicht mehr nur ein Mittel, den Verkehr zu lenken. Sie sind auch Standort für Kunstwerke und neuerdings auch ein Platz, auf dem bald insektenfreundliche Pflanzen wachsen, ummehr Natur in die Stadt zu bringen.

Die Kreisverkehre in Bergkamen bieten Platz für die Kunst und die Natur

Der Kreisverkehr Jahnstraße/Erich-Ollenhauer-Straße bietet Platz für blühende Pflanzen. Er ist bisher der einzige Kreisel in Oberaden. © Stefan Milk

Kreisverkehr ersetzt Ampelkreuzung

Der erste Kreisverkehr, den die Stadt Bergkamen selbst gebaut hat, befindet sich praktisch direkt vor ihrer eigenen Haustür. Bergkamener können sich wahrscheinlich kaum noch erinnern, dass früher eine Ampel den Verkehr an der Ratshaus-Kreuzung direkt am Bergkamener Busbahnhof regelte. Dort befindet sich schon seit einigen Jahren einer der größten Kreisverkehre der Stadt. In seinem Inneren befindet sich nicht nur eine Pflanzfläche.

Standort für die Lichtkunst

Schwerpunkt in Mitte

Insgesamt 16 Kreisverkehre in Bergkamen

Bisher gibt es in Bergkamen nach der Statistik der Stadt 16 Kreisverkehre. Sie ballen sich allerdings fast ausschließlich in nur zwei Stadtteilen. In Bergkamen-Mitte befindet sich mit acht allein die Hälfte der Kreisverkehre, in Weddinghofen sind es sechs. In Oberaden und Rünthe gibt es bisher nur jeweils einen Kreisverkehr.

Er ist auch Standort für eines der größten und auffälligsten Lichtkunstwerke in der Stadt, die Lichtskulptur „No agreement today, no agreement tomorrow“ von Andreas M. Kaufmann, die von vielen Bergkamenern etwas despektierlich als „Waschtrommel“ bezeichnet wird. Als die vor Jahren aufgestellt wurde, sorgte sie noch für reichlich Irritationen, zum Glück allerdings nicht bei den Autofahrern. Ein Bergkamener schaltete damals sogar den ADAC ein, weil er fürchtete, dass die Lichtkunst Autofahrer so von ihrer Konzentration im Kreisel ablenken könnte, dass es zu Unfällen kommt. Passiert ist zum Glück nichts – und die Zeiten, in denen Autofahrer vor dem Einfahren in den Kreisel anhielten, um sich die Lichtkunst anzuschauen, sind auch schon lange vorbei. Die Bergkamener haben sich an die Kunst im Kreisel offenbar genau so gewöhnt wie an die Kreisverkehre selbst.

Die Kreisverkehre in Bergkamen bieten Platz für die Kunst und die Natur

Das Lichtkunstwerk „no agreement today, no agreement tomorrow“ von Andreas M. Kaufmann war umstritten, als es vor Jahren aufgestellt wurde. Kritiker befürchteten, dass es Autofahrer ablenkt. © Stefan Milk

Sechs Mal Kunst im Kreisel

Insgesamt sind es sechs der Bergkamener Verkehrskreisel, die Lichtkunstwerken Raum bieten. In vier Kreiseln um den Innenstadtbereich herum stehen die „Maßstäbe“ der Gebrüder Löbbert, die so etwas wie die nie vorhandenen Bergkamener Stadttore symbolisieren sollen. Dass die Säulen etwas schief stehen, hat einen doppelten Grund: Sie sollen an geöffnete Schlagbäume erinnern und symbolisieren, dass Bergkamen eine offene, tolerante Stadt ist. Wenn man sie verlängern würde, würden sich die Linien genau über dem Bergkamener Marktplatz treffen. Das sechste Kunstwerk ist das Werk „Der Blick in die Zukunft“ des Künstlers Horst Rellecke. Schüler des TÜV-Kollegs Nord haben das Werk im Kreisel Kleiweg/Schulstraße gebaut.

Ort für Insekten

In Zukunft sollen die Bergkamener Verkehrskreisel nicht nur ein Ort für die Kunst, sondern auch für die Insekten sein. Die Stadtverwaltung prüft, wo sich im Inneren der Kreisel Wiesen anlegen lassen, die Insekten Platz und Nahrung bieten. In diesem Zusammenhang bedauert Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters, dass es Kreisel wie an der Schulstraße/Kampstraße gibt, deren Mitte aus Platzgründen asphaltiert werden musste, statt ein Pflanzbeet anzulegen. Bei den Kreisverkehren, die es jetzt in der Stadt gibt, soll es nicht bleiben. Die nächsten sind schon geplant. Die Wasserstadt soll selbstverständlich über einen Verkehrskreisel an der Jahnstraße erschlossen werden und auch die geplante L 821n soll mit einem Kreisel beginnen und enden.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kreisverkehre in Bergkamen

05.08.2019
/
Der Kreisel am ehemaligen Hagebaumarkt heißt auch "Oberadener Tor". Die Lichtstele symbolisiert eines der Bergkamener Stadtore.© Stefan Milk
Die Kreisel an der Schulstraße ist aus Platzgründen einfach asphaltiert.© Stefan Milk
Der Kreisverkehr Gedächtnisstraße/Schulstraße bietet viel Platz für eine insektenfreundliche Bepflanzung.© Stefan Milk
"Der Blick in die Zukunft" heißt das Lichtkunstwerk von Horst Rellecke, das im Kreisel am Kleiweg steht.© Stefan Milk
Der Kreisverkehr an der Zufahrt zum Kaufland-Parkhaus ist einer der kleinsten in Bergkamen – und einer von vier Verkehrskreiseln auf wenigen hundert Metern an der Töddinghauser Straße.© Stefan Milk

Stadt wünscht sich noch mehr Kreisel

Wenn es nach dem Baudezernenten geht, bekommt Bergkamen in den kommenden Jahren noch mehr Kreisel. Er würde zum Beispiel gerne die überdimensionierte Ampelanlage Töddinghauser Straße/Weddinghofer Straße/Häupenweg gerne durch einen Verkehrskreisel ersetzen. Damit müsste aber der Kreis Unna einverstanden sein.

Am Einverständnis eines Baulastträgers – in diesem Fall der Landesbetrieb Straßen.NRW – scheiterten auch Pläne, die Ampelkreuzung Buckenstraße/Lünener Straße durch einen Kreisverkehr zu ersetzen. „Straßen.NRW fand, dass die einzelnen Arme zu stark unterschiedlich belastet sind“, erinnert sich Peters.

Von anderen Projekten nahm die Stadt selbst Abstand. Es gab zum Beispiel Pläne, die Ampelkreuzung Landwehrstraße/Ebertstraße/Bambergstraße durch einen Kreisverkehr zu ersetzen, als der Stadtbetrieb Entwässerung die Straße ohnehin erneute. Der Kreisverkehr hätte wegen der besonderen Konstruktion der Kreuzung die Form einer Ellipse bekommen. „Wir hatten zu viel Angst, dass Autofahrer falsch herum durch den Kreisverkehr fahren“, sagt Peters.

Die Kreisverkehre in Bergkamen bieten Platz für die Kunst und die Natur

Das Baudezernat würde auch die Ampelkreuzung Töddinghauser Straße/Häupenweg gerne durch einen Kreisel ersetzen. Dabei muss auch der Kreis mitspielen. © Stefan Milk

Auch die am meisten befahrenen Kreuzungen sollen Kreisel werden

Dafür kann er sich vorstellen, die beiden am meisten befahrenen Kreuzungen der Stadt in Kreisel umzuwandeln: Die Jockenhöfer-Kreuzung in Rünthe und die Fluhme-Kreuzung. Auch dabei müsste Straßen.NRW einverstanden sein und sich an der Finanzierung beteiligen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sprachprojekt in der Grundschule

Warum auch deutsche Eltern am Rucksack-Projekt für den Spracherwerb teilnehmen

Meistgelesen