Die Kanalbaustelle auf der Zechenbahntrasse an der Kamer Heide sieht eigentlich nicht sonderlich spektakulär aus. Aber das wirklich Spannende spielt sich ohnehin tief unter dem Radweg ab.

Overberge

, 07.03.2019, 15:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer Frank Angricks Bergkamener Baustelle besichtigen will, der muss acht Meter in die Tiefe steigen. Über eine Sprossenleiter aus Metall, die sich in einem eher unauffälligen Kanalschacht neben der Zechenbahntrasse befindet. Mitarbeiter der I + D Sanierungstechnik nehmen diesen etwas mühsamen Weg zum Arbeitsplatz derzeit werktäglich. Das Unternehmen aus Bocholt, dessen Geschäftsführer Angrick ist, saniert die Abwasserrohre an der Kamer Heide.

Arbeit im Kanalrohr

So etwas kommt im von Bergschäden geplagten Bergkamen häufiger vor. Üblicherweise wenden die Bauarbeiter dabei das so genannte Inliner-Verfahren an, bei dem ein Schlauch durch den Kanal gezogen wird, um die schadhaften Stellen abzudichten. Oder sie reißen gleich die Erde auf, um an die Rohre zu kommen. Dass die Kanalsanierer tatsächlich in den Untergrund steigen, hat zumindest in Bergkamen eher Seltenheitswert.

Das hat damit zu tun, dass sie in Kamer Heide tatsächlich in der Kanalisation arbeiten. Denn die Rohre, die unter der Zechenbahntrasse verlaufen, sind dicht - aber zu groß. „Sie haben einen Durchmesser von 180 Zentimetern“, erläutert Angrick das Problem. Gut gefüllt sind allerdings nur, wenn es regnet. Und dann entwickelt sich auch eine entsprechende Strömung - obwohl das Gefälle an der Kamer Heide wegen der Bergsenkungen inzwischen ziemlich niedrig ist.

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Kanalbau unter Overberge

07.03.2019
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Der Einstieg zu der Kanalbaustelle in acht Meter Tiefe erfolgt über einen Schacht am Rande der Zechenbahntrasse© Stefan Milk
Weil das Abwasser weiter fließt, müssen die Arbeiter ein Umleitungsrohr legen.© Stefan Milk
David Waschull
von Konstaplan Frank Angrick von der I+D Sanierungstechnik GmbH und
Günter Basener vom Stadtbetriebt Entwässerung auf dem oberirdischen Teil der Baustelle. © Stefan Milk
In der engen und niedrigen Kanalisation können allenfalls relativ kleine Menschen aufrecht stehen.© Stefan Milk
Die Trockenwasserrinne besteht aus einer Halbschale, das in einem Betonfundament ruht. © Stefan Milk
Die Kanalbauer arbeiten unter erschwerten Bedingungen. © Stefan Milk
Das Umleitungsrohr ist an der Seite der Kanalisation befestigt. © Stefan Milk
Lückenschluss im Untegrund. © Stefan Milk
Bei Trockenheit bleibt was liegen

Doch die Abwässer der Overberge laufen auch bei trockenem Wetter in die Kanalisation. Dann ist oft nicht genug Wasser im Rohr, sodass Feststoffe liegen bleiben und einen unangenehmen Geruch entwickeln. Zum Beispiel im extrem trockenen Sommer des vergangenen Jahres.

Um dieses Problem zu lösen, installieren Angricks Leute das, was Fachleute eine Trockenwasserrinne nennen. Dafür legen sie auf dem Boden des Rohres ein Betonfundament, in dem sich Halbröhren befinden. Auf dieses Weise ensteht eine Rinne, die den gleichen Effekt erzielt, wie bei einem Fluss, dessen Bett man einengt. Wer mit Angrick in die Tiefe steigt, kann das beobachten. In jenem Abschnitt, in dem die I + D-Mitarbeiter die Trockenwasserrinne bereits installiert haben, fließt das Wasser zügig ab und landet in jenem Teil des Kanals, der sich noch im alten Zustand befindet. Dort breitet es sich als stehendes Gewässer aus, weil es viel mehr Platz hat. „Dabei ist das die gleiche Menge Wasser“, sagt Angrick mit Blick auf die unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten.

Eine Rinne mit Gefälle

Das Wasser nimmt natürlich nur die richtige Richtung, wenn es ein Gefälle gibt. Die Rinne führt also bergab. Mit bloßem Auge ist das allerdings nicht zu erkennen. „Das Gefälle beträgt maximal ein Promille“, erläutert David Waschull vom Gelsenkirchener Büro Konstaplan, das die Pläne für die Kanalsanierung gemacht hat. Das bedeutet, dass sich der Kanal auf einer Länge von 1000 Meter um einen Meter absinkt. „An einigen Stellen beträgt es auch nur 0,8 Promille“, sagt Waschull.

Das reicht, damit das Wasser abfließt. Zumindest, wenn die Kanalbauer ihre Arbeit ordentlich machen. Weil sie die Rinne und den Beton per Hand verlegen müssen, ist das ziemlich aufwendig. Und die Arbeitsbedingungen in dem niedrigen Kanal, in dem nur relativ kleine Menschen aufrecht stehen können, sind auch nicht gerade ideal.

Die Kanalbauer arbeiten im Untergrund, damit es an der Kamer Heide nicht mehr stinkt

Auf diesem Abschnitt ist die Zechenbahntrasse wegen der Kanalbauarbeiten gesperrt. © stepmap

Arbeiten dauern noch bis zum Sommer

Deshalb dauert der Bau der Trockenwasserrinne auch seine Zeit. Die Arbeiten haben im vergangenen November begonnen. Und sie werden wohl bis zum Sommer dauern. Der Teil der Zechenbahntrasse, der wegen der Kanalarbeiten gesperrt ist, hat eine Länge von etwa 500 Metern. Später werden sich die Kanalbauer auch in den Rohren unter der Kamer Heide eine solche Rinne einbauen. Die Straße soll dafür aber allenfalls halbseitig gesperrt werden.

Die Arbeiter gehen bei ihrem Rinnenbau abschnittsweise vor. Denn die Abwasser der Overberger fließen natürlich auch während der Bauarbeiten in die Kanalisation. Um den Beton gießen zu können, müssen die I+D-Mitarbeiter eine Art Umleitung legen: Ein Plastikrohr mit einem Durchmesser von 30 Zentimeter, durch den der Kanalinhalt um die Beton-Baustelle herumfließt.

Starker Regen macht Probleme

„Das reicht auch, um das Regenwasser aufzunehmen“, sagt Angrick. Zumindest so lange, wie es einigermaßen kontinuierlich und nicht zu stark regnet. Was die Kanalbauer fürchten, ist ein kurzer, aber heftiger Gewitter- oder Platzregen. Dann fließt so viel Wasser durch den Kanal, dass ihnen nichts anderes bleibt, als die Baustelle im Untergrund so schnell wie möglich zu verlassen.

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