Kabelbinder und lose Schrauben: Beim Blick unter die Motorhaube flog der Ebay-Verkäufer auf

dzGericht

Drei Sauerländer dachten, sie hätten ein gutes Geschäft gemacht, als sie einem Bergkamener ein Gebrauchtauto abkauften. Doch er betrog sie. Es war nicht sein erster Betrug.

von Sylvia Mönnig

Bergkamen, Kamen

, 05.02.2020, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es klang zu gut, um wahr zu sein. Und das war es auch nicht. Das vermeintliche Schnäppchen, das drei Sauerländer in Kamen kauften, entpuppte sich als Unfallwagen mit Tücken. Der Fall hatte nun ein juristisches Nachspiel.

Der Wagen wechselt für 7500 Euro den Besitzer

Das Inserat bei eBay war vielversprechend. Der rote Seat Ibiza hatte zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, war aber verhältnismäßig wenig gelaufen und besaß Extras wie Sitzheizung und ein fest installiertes Navi. Der Satz Winterreifen war inklusive. Und veräußert werden sollte das Schätzchen nur deshalb, weil die Gattin des Verkäufers schwanger sei und ein Familienauto angeschafft werden solle.

Am Abend des 12. Dezember 2018 kam es daraufhin in Kamen auf einem Supermarkt-Parkplatz zum Treffen mit Probefahrt. Alles schien bestens, zumal der Bergkamener, der das Auto anbot, versicherte, dass es sich eben nicht um ein Unfallauto handele, nur an einer Stoßstange sei beim Parken ein Malheur passiert und deshalb sei neu lackiert worden. 7500 Euro und ein Pkw wechselten die Besitzer.

Böses Erwachen am nächsten Tag

Das böse Erwachen ließ nicht lange auf sich warten. Im Hellen offenbarte sich, dass nahezu der gesamte Wagen neu lackiert war – und das alles andere als professionell. Der Blick unter die Motorhaube war noch verheerender. Lose Schrauben lagen umher, Schäden waren notdürftig geflickt und Kabelbinder zur Befestigung loser Teile verwandt. In dem Zustand, so das vernichtende Fazit des Sachverständigen, war der Pkw, der nun gar nicht mehr fährt, noch 4400 Euro wert.

Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft

Betrug wurde dem Verkäufer jetzt im Amtsgericht Kamen zur Last gelegt. Doch davon wollte der Bergkamener (49) nichts hören. Der einschlägig Vorbestrafte beteuerte, nichts von Schäden geahnt und nicht versichert zu haben, dass es kein Unfallauto war. „Ich wusste das nicht.“ Die Aussagen der Käufer enttarnten seine Einlassung aber als Schutzbehauptung. Anklage und Gericht hatten keine Zweifel an seinem Betrugsvorsatz. Und der brachte ihm letztlich 900 Euro Geldstrafe ein.

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