Die Jugendkunstschule will ihre neue Ausstattung nutzen, um die kreativen Seiten der Digitalisierung in den Fokus zu stellen. Das erfordert neue Wege, neue Dozenten und Mut zum Experiment.

Bergkamen

, 08.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die digitale Technik steht bereits in der Jugendkunstschule bereit. Und natürlich weiß ihr Leiter Gereon Kleinhubbert, wie man ein Tablet bedient. Aber der Jugend das kreative Potenzial der Digitalisierung beizubringen, überlässt er dann doch lieber Leuten, die sich damit wirklich auskennen. Die Kern-Zielgruppe der Jugendkunstgruppe zählt schließlich zu den „Digital Natives“. Das sind jene junge Leute, für die das Internet immer schon da war, die sich darin wie selbstverständlich bewegen und für die der Umgang mit den digitalen Geräten eine alltägliche Beschäftigung darstellt, über die man nicht großartig nachdenken muss.

Die Jugendkunstschule verbindet das Analoge und das Digitale

Die Kernzielgruppe der Jugendkunstschule besteht aus den „Digital Natives“, für die das Internet immer schon da war. © dpa


WLAN und neue Tablets

Das WLAN, das es seit kurzem in allen Räumen der Jugendkunstschule gibt, halten sie für eine Voraussetzung zivilisierten Lebens. Dass Kleinhubbert im Frühjahr dank Fördermitteln des Landes zwölf I-Pads und eine digitale Tafel namens „Smart-Board“ angeschafft hat, dürfte sie nicht sonderlich beeindrucken. Bisher ist die digitale Ausstattung auch noch gar nicht richtig zum Einsatz gekommen. Das soll sich nach den Vorstellungen von Kleinhubbert beim kommenden Jugendkunstschul-Programm ändern, das nach den Sommerferien beginnt. „Dafür haben wir eigens Kontakt zu neuen Dozenten aufgenommen.“

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Digitalisierung erfordert neue Fähigkeiten

Denn die kreative Digitalisierung erfordert andere Fähigkeiten als das klassische Jugendkunstschul-Angebot, das Kleinhubbert aber auch nicht völlig vernachlässigen will. „Es geht darum, das Digitale und das Analoge miteinander zu verbinden“, sagt er. Wobei es einen jugendlichen Smartphone-Besitzer möglicherweise überraschen wird, dass man auch ganz ohne Computer ein Bild erschaffen kann. Zugleich entwickeln Kulturformen, die die Jugend interessieren - zum Beispiel japanische Comics namens Manga - ganz andere Möglichkeiten, wenn man sie digitalisiert. Das soll im neuen Jugendkunstschul-Programm zum Ausdruck kommen.

Die Jugendkunstschule verbindet das Analoge und das Digitale

Bei ihrem neuen Digitalprogramm will die Jugendschutz das Interesse der Jugend an Mangas bedienen. © © Schaper


Die Jugendlichen sollen miteinander kooperieren

Wobei Kleinhubbert großen Wert darauf legt, dass die Jugendlichen nicht nur alleine am Smartphone oder Tablet vor sich hinwerkeln, sondern zusammenarbeiten Zum Beispiel bei einer Sommerferien-Aktion, für die die Jugendkunstschule den Leipziger Gregor Assfalg engagiert hat. Der wird in Bergkamen ein digitales Stadtlabyrinth entwickeln, in dem sich die Jugendlichen orientieren müssen. Dabei wird ihnen die Computer-Technik helfen. Sie sollen aber auch lernen, miteinander zu kooperieren und einander zu vertrauen, um in dem Digital-Irrgarten nicht verloren zu gehen. Und das ist vielleicht ein gutes Motto für die anderen Angebote, bei denen Kleinhubbert ja auch immer analoge Ausdrucksformen mit einbeziehen will. Im Idealfall führt das dazu, dass die Jugendkunstschüler über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen der Digitalisierung nachdenken und diskutieren.

Die Jugendkunstschule verbindet das Analoge und das Digitale

Im Früjahr hatten Gereon Kleinhubbert, Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel und Kulturdezernent Marc-Alexander Ulrich die Neuansschaffungen vorgestellt. © Stefan Milk


Programm auch für Erwachsene

„Wir haben aber auch ein erwachsenes Publikum, das wir an die Digitalisierung heranführen wollen“, sagt Kleinhubbert. Und dabei verfolgt er einen anderen Ansatz als bei den Jugendlichen. Zum einen geht es darum, dass die Dozenten helfen, Hemmschwellen zu überwinden. Auch, indem sie technische Feinheiten und Anwendungen erklären und somit die Möglichkeiten der Digitalisierung aufzeigen. Kleinhubbert erläutert das am Beispiel eines Skizzen- und Notizbuches, das viele künstlerisch veranlagte Menschen mit sich führen. Das lässt sich auch digital gestalten und so noch vielfältiger nutzen. Deshalb muss der Künstler ja nicht gleich Zeichenstift und Pinsel zur Seiten legen.

Experimentieren ist erlaubt

Auch bei den Angeboten für Erwachsene will die Jugendkunstschule ausloten, wie sich Analoges und Digitales miteinander verbinden und dabei fruchtbar nutzen lässt. Dabei ist Experimentieren ausdrücklich erlaubt, so wie auch Kleinhubbert und seine Dozenten noch gar nicht vorhersehen können, welche Wege die Digitalisierung der Jugendkunstschule nehmen wird. Ausprobieren sollten man sie in jedem Fall, meint der Leiter. Und wenn es richtig gut läuft, führen die Kombination aus Angeboten für junge und nicht mehr ganz so junge Jugendkunstschulbesucher dazu, dass die digitale Kluft zwischen den Generationen nicht zu groß wird.

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