Die Innenstadt bietet vielen Migranten eine neue Heimat

dzBestandsaufnahme in der Stadtmitte

Die Mitte von Bergkamen ist jünger und internationaler als der Rest der Stadt. Das Angebot, das es dort gibt, passt dazu allerdings oft nicht.

Bergkamen

, 03.07.2019, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bergkamener Stadtmitte ist sicherlich nicht der attraktivste Teil der Stadt, wenn es ums Wohnen geht. Trotzdem hat er in den vergangenen Jahren das größte Bevölkerungswachstum erlebt: Zwischen 2012 und 2018 sind etwa 300 neue Einwohner in den Bereich zwischen der Gedächtnisstraße im Westen und der Alten Kolonie im Osten gezogen, der im Norden von der Erich-Ollenhauer, und im Süden von der Landwehrstraße begrenzt wird. Insgesamt leben dort jetzt knapp 5000 Menschen, hat die „Planungsgruppe Stadtbüro“ ermittelt – das entspricht etwa jedem zehnten Bergkamener.

Die Innenstadt bietet vielen Migranten eine neue Heimat

Die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist einer der Pluspunkte der Stadtmitte. © Stefan Milk

Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlingsströme

Plattform im Internet

Ideen online äußern

Die Planer sind noch dabei, Ideen für die Stadtmitte zu sammeln. Bürger konnten ihre Meinung bei der Auftaktveranstaltung einbringen und können bis Ende Juli online Ideen für die Bergkamener Mitte auf der Seite www.bergkamen.de/mittendrin äußern. Bisher haben schon 392 Menschen die Online-Plattform genutzt und es sind schon 34 Ideen eingegangen.
Die Dortmunder Planer haben ihren Bestandsaufnahme in der Bergkamener Mitte jetzt fast beendet. Sie soll im Rahmen des Stadtmittekonzepts „Bergkamen mittendrin“ als Grundlage für Maßnahmenvorschläge dienen, für die Bergkamen im Herbst 2020 Fördermittel beim Land beantragen will.

Die Planer stellten fest, dass der Bevölkerungszuwachs vor allem eine Folge der Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre ist. Das schlägt sich darin nieder, dass der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung in der Bergkamener Mitte bei 36 Prozent liegt. In der gesamten Stadt sind es knapp 14 Prozent. In der Bergkamener Mitte lebt ein erheblich größerer Anteil von jungen Menschen als in der gesamten Stadt und mehr Alleinerziehende. „Das deutet alles auf einen Handlungsbedarf hin“, sagt Carsten Schäfer von der Planungsgruppe. Unter anderem soll die Stadt darauf achten, wie das Sprachvermögen der Kinder ist, bevor sie in die erste Klasse gehen. Bei den Schuleingangsuntersuchungen im Jahr 2016 gab es allerdings keine Auffälligkeiten, sagt der Planer. Es sind Bemühungen zur Integration der Neubürger notwendig und Unterstützung bei der Bildung.

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Der Wohnungsbestand ist alt und nicht passend

Er sieht Probleme in der Bergkamener Mitte unter anderem, weil der Wohnungsbestand schon relativ alt ist und größtenteils zwischen der Nachkriegszeit und den 70er Jahren entstanden ist. Die Häuser sind oft nicht gut isoliert, was auch für den Klimaschutz eine Rolle spielt und bieten oft eine nicht mehr gefragte Wohnungsgröße. Zurzeit werden kleine Wohnungen für Single-Haushalte oder große Wohnungen für Familien gesucht. In der Bergkamener Mitte gibt es dagegen vor allem Wohnungen mittlerer Größe.

Die Innenstadt bietet vielen Migranten eine neue Heimat

Gleich nebenan findet sich einer der Schwachpunkte des Stadtmittebereichs. Die Bewohner der Innenstadt beklagen den Zustand an der Fußgängerzone. © Borys Sarad

Ein Plus sind die Einkaufsmöglichkeiten und Grünflächen

Der Bereich in der Mitte von Bergkamen hat aber auch seine guten Seiten: Die Bewohner selbst loben, dass es in kurzer Entfernung alles für den täglichen Bedarf gibt, die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel und die Grünflächen, die es direkt i dem Bereich gibt – wie den alten Friedhof und den Zechenpark – und in der unmittelbaren Umgebung wie die Halde. Außerdem fehlen wie fast über all in Bergkamen seniorengerechte Wohnungen.Negativ finden die Bewohner, dass es fast kein Angebot über Supermärkte hinaus gibt. Die leerstehenden Geschäfte vor allem an der Ebertstraße, die leerstehenden Turmarkaden und den Zustand an der Fußgängerzone auf dem Nordberg.

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Mehr Integration und mehr Angebote für junge Leute

Die Planer haben auch schon die ersten Ideen für die Bergkamener Stadtmitte. Sie empfehlen, noch intensivere Integrationsbemühungen als bisher – zumal sich abzeichnet, dass in einigen Bereichen bestimmte Gruppen unter sich bleiben. Die Alte Kolonie ist vor allem türkisch dominiert und im Bereich um die Gedächtnisstraße haben sich viele Menschen angesiedelt, die aus Syrien stammen. Außerdem empfehlen sie, sich Gedanken über ein größeres Angebot für jüngere Leute zu machen. Auch daran mangelt es in der Stadtmitte weitgehend.

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