Die IG BCE Bergkamen-Mitte steht bald ohne Vorstand da

dzGewerkschaften

Der langjährige Vorsitzende der IG BCE Bergkamen-Mitte, Reiner-Horst Hennig, hört zum Jahresende auf. Definitiv. Einen Nachfolger gibt es nicht. Und einen neuen Vorstand wohl auch nicht.

Bergkamen

, 23.09.2019, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ortsgruppe Bergkamen-Mitte der Gewerkschaft IG BCE steht bald ohne Führung da: Nicht nur der Vorsitzende Reiner-Horst Hennig zieht sich zum Jahresende zurück, auch die übrigen Mitglieder des Vorstandes wollen nicht wieder kandidieren. „Und wir finden keine Nachfolger“, sagt Hennig. Er selbst gehört dem Vorstand seit 22 Jahren an und ist seit 16 Jahren Vorsitzender.

Immer wieder hat Hennig angekündigt, nun aber wirklich aufhören zu wollen, immer wieder konnten ihn die anderen Gewerkschafter überreden, doch noch einmal weiterzumachen. Diesmal nicht. Am Jahresende ist wirklich Schluss. Der Gesundheit wegen und weil der 59-jährige Hennig noch etwas vom Leben und von seinem Enkelkind haben will.

Vorstand plante einen geordneten Übergang

„Aber wir handeln auch nicht nach dem Motto: ,Nach uns die Sintflut‘“, betont Hennig. Der scheidende Vorstand kommt im Oktober noch einmal zu einer Klausurtagung zusammen. Dort werde er über einen geordneten Übergang beraten, sagt Hennig. Denn die Ortsgruppe Mitte ist noch immer die mit Abstand größte in Bergkamen.

Aktuell gehören ihr laut Hennig rund 1000 Mitglieder an. Als Hennig 2003 den Vorsitz übernahm, waren es 400 mehr. „Aber pro Jahr sind im Durchschnitt 50 gestorben“, sagt Hennig. Wer die Grundrechenarten beherrscht, erkennt, dass es in der Ära Hennig auch Neueintritte gab: „Das liegt natürlich vor allem an Bayer und den anderen Chemie-Unternehmen in Bergkamen“, sagt Hennig.

Die IG BCE Bergkamen-Mitte steht bald ohne Vorstand da

Die Struktur der IG BCE stammt noch aus Bergbauzeiten, meint Reiner-Horst Hennig. Deshalb muss sie sich mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus verändern. © Stefan Milk


Bergbau-Ende verändert auch die IG BCE

Denn die IG BCE ist bekanntlich 1997 aus dem Zusammenschluss der IG Bergbau und Energie mit der IG Chemie-Papier-Keramik und der Gewerkschaft Leder entstanden. Und dass es seit dem vergangenen Jahr keinen Steinkohlenbergbau mehr in Deutschland gibt, wirkt sich natürlich auch auf das Gewerkschaftsleben aus.

„Die Struktur mit den Ortsgruppen stammt noch aus der Zeit des Bergbaus“, sagt Hennig. Dementsprechend stünden auch dort Veränderungen an, die jetzt auch in Bergkamen-Mitte zu spüren sind. Ganz ohne Organisation stehen die hiesigen IG BCEler allerdings nicht da: Es gibt ja immer noch das Regionalforum, zu dem sich die Gewerkschaften in Bergkamen und Kamen zusammenschlossen. „Dem kommt jetzt eine ganz neue Bedeutung zu“, sagt Hennig. Er und die anderen Vorständler wollen ihre Mitglieder aus Bergkamen-Mitte natürlich ausgiebig darüber informieren, was auf sie zukommt.

Mitgliederversammlung im Dezember

Deshalb soll es im Dezember noch einmal eine Mitgliederversammlung geben, bei der der scheidende Vorstand seine Haltung begründet. Vorher gibt es am 2. November noch einen weiteren wichtigen Gewerkschaftstermin: Die Jubilarehrung. Es wird eine der letzten Amtshandlungen von Hennig als Vorsitzender sein – er zählt selbst zu den Geehrten. Hennig trat der damaligen IG Bergbau am 15. Februar 1979 bei. Damals trat der gelernte Kfz-Mechaniker seine Arbeit auf der Zeche Monopol/Haus Aden an. 1998 wurde die mit der Zeche Heinrich Robert in Hamm zum Bergwerk Ost zusammengelegt. Dort fungierte Hennig als freigestellter Betriebsrat. Das blieb er bis zu seinem letzten Arbeitstag am 30. August 2010. Hennig engagiert sich auch noch in anderen Bereichen. Seit 2002 spricht Hennig als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Dortmund Recht: „Das mache ich noch bis 2022“, sagt er. Seine Zeit als IGBCE-Vorsitzender hingegen geht definitiv zu Ende. Noch einmal lässt sich Hennig nicht überreden. Aber womöglich andere: „Vielleicht finde ich ja doch noch einen Nachfolger.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Parkfriedhof Bergkamen

Wie ehemalige Langzeitarbeitslose auf einem Friedhof zu neuen Menschen werden

Hellweger Anzeiger Stadtmuseum

Ohne Handys und Tiefkühlpizza: Wie die Arbeit mit Holz Wertschätzung lehrt (+Video)

Hellweger Anzeiger Vortrag im Stadtmuseum

Bergkamener 9/11: So erlebten Zeugen den ersten Groß-Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg

Hellweger Anzeiger Feuerwehr Bergkamen

Besonderes „Weihnachtsgeschenk“: Die Einheit Oberaden ist bei Unfällen bald noch schneller

Meistgelesen