Die „Heimat“ steht beim Tag der offenen Moschee im Mittelpunkt

dzOffene Türen

Um Heimat ging es beim Tag der offenen Moschee in diesem Jahr. Zwei islamische Gemeinden in Bergkamen betonen, dass auch Deutschland für sie die Heimat ist und sie sich integrieren wollen.

Bergkamen

, 03.10.2019, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Cengiz Uysal, den Vorsitzenden der Ditib-Gemeinde in Oberaden ist die Sache klar. Er ist zwar in der Türkei geboren worden und hat immer noch den türkischen Pass. „Aber für mich ist Deutschland meine Heimat und ich akzeptiere das Grundgesetz“, sagt er. „Die Türkei ist ein schönes Urlaubsland.“

Um Heimat ging es auch beim „Tag der offenen Moschee“ an dem sich neben der Ditib-Moschee an der Roherbachstraße auch die Milli-Görüs-Moschee an der Ernst-Schering-Straße beteiligte. „Menschen machen Heimat“ war das Motto in diesem Jahr - und beide Moscheevereine machten deutlich, dass sie sich als Teil der Gesellschaft in Deutschland und in Bergkamen sehen.

Die „Heimat“ steht beim Tag der offenen Moschee im Mittelpunkt

In der Milli-Görüs-Moschee führten Yavuz Songül und Hüseyin Gürbüz Margarete Krabbe durch das Gebäude. Sie war eigens aus Werne gekommen, um die Moschee zu besichtigen und sich über die islamische Gemeinschaft zu informieren. © Borys Sarad

Auch Deutschland ist für die Muslime Heimat

Abdul Kadir Evoglu, der bei Milli Görüs in Bergkamen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hatte zum Abschluss einer Führung durch die Moschee sogar eine Power-Point-Präsentation vorbereitet, bei der es um den Begriff „Heimat“ ging. Das Fazit des jungen Muslim: Er habe viele Heimaten. Dazu gehöre seine Religion aber auch Deutschland und Bergkamen. Er wehrte sich dagegen, dass der Begriff „Heimat“ instrumentalisiert wird, um Feindbilder gegenüber anderen Kulturen oder anderen Religionen zu schaffen. „Wir wollen eine pluralistische und offene Gesellschaft“, sagte er.

Gemeinde betont Toleranz und Pluralismus

Das mag den einen oder anderen kritischen Besucher überrascht haben, denn Milli Görüs gilt als besonders streng religiös und wurde zumindest früher in einigen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet. Söngül Yavaz, die zusammen mit Medine Maden Besucher durch die Moschee führte, räumte ein, dass die Gemeinschaft die Regeln des Koran besonders genau auslegt. Das habe aber nichts mit ihrem Verhältnis zur Gesellschaft zu tun. Es werde akzeptiert, wenn jemand nach andere Regeln leben will - auch innerhalb der eigenen Gemeinschaft.

Die Gemeinde wolle sich in die Gesellschaft in Deutschland integrieren, sagte sie und engagiere sich deshalb auch beispielsweise im Integrationsrat oder im Bergkamener interreligiösen Arbeitskreis.

Die „Heimat“ steht beim Tag der offenen Moschee im Mittelpunkt

Betül Caktas erklärt bei der Führung in der Ditib-Moschee das Einheitsbekenntnis. Dieses ist in Arabisch verfasst und bedeutet: „Es gibt keine Gottheit außer Gott und Mohammed ist sein einziger Prophet". © Borys Sarad

Besucher auch aus anderen Städten

Die Besucher, die sich durch die Moscheen führen ließen, wollten Einblick in das Leben innerhalb der muslimischen Gemeinschaft bekommen. Clement Chauvin war sogar aus Dortmund zur Ditib-Moschee nach Oberaden gekommen. Sie sei die einzige Mosche in der Nähe gewesen, zu der er im Internet zuverlässige Angaben zum Tag der offenen Tür bekommen habe, sagte er.

Viele junge Leute in der Gemeinde

Der junge Franzose, der in Deutschland lebt, erfuhr bei dieser Gelegenheit auch einiges über die Oberadener Ditib-Gemeinde, die nach Uysals Schätzungen etwa 1000 Mitglieder hat. Der Altersdurchschnitt der erwachsenen Gemeindemitglieder liege bei Ende 20 schätzt der Vorsitzende. Viele Ältere seien im Rentenalter in die Türkei zurückgekehrt. Ihre Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, seien geblieben. Je nach Generation scheint der Begriff Heimat ein anderer zu sein.

Die „Heimat“ steht beim Tag der offenen Moschee im Mittelpunkt

Kamil Gezgic, Recep Kelez und Mustafa Güzlü (v.l.) am Grill: Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs feiert zum Tag der offenen Moschee ihr Gemeindefest. © Borys Sarad

Fest zum Tag der offenen Moschee

Berührungsängste gibt es zumindest zwischen den Gemeinden nicht. Der Ditib-Vorstand wollte nach dem Tag der offenen Moschee das Gemeindefest bei Milli Görüs besuchen. In diesem Jahr war es parallel zum Tag der offenen Tür geplant - und wer kam, konnte gleich einfach mitfeiern. Die Türen ständen ohnehin fast jederzeit jedermann offen, betonten Uysal und Evoglu.

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