Die Feuerwehr muss schnell zum Einsatz - darum sind die Gerätehäuser im Ort geblieben

dzFeuerwehr

Die Bergkamener Feuerwehr muss in acht Minuten einsatzbereit an jedem Punkt im Stadtgebiet sein. Das müssen auch die Planer berücksichtigen - zum Beispiel, wenn es darum geht, wo das Gerätehaus steht.

Bergkamen

, 05.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tempo-30-Zonen wie die Rünther Straße sieht Stadtbrandmeister Dirk Kemke recht gelassen. „Das ist eine gerade Straße, auf der wir auch schneller fahren können“, sagt er. Wenn die Feuerwehr mit Martinshorn zu einem Einsatz ausrückt, kann sie nicht nur schneller als 30 fahren - sie darf es auch.

Sonderrechte in der Sraßenverkehrsordnung

Die Straßenverkehrsordnung räumt der Feuerwehr, wenn sie im Einsatz ist, besondere Sonder- und Wegerechte ein.

Sonderrechte

Ausnahmeregeln in der Straßenverkehrsordnung

  • Die Ausnahmeregeln für die Feuerwehr sind in den Paragrafen 35 und 38 der Straßenverkehrsordnung festgelegt.
  • Der Paragraph 35 befreit die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, den Katastrophenschutz, die Polizei und den Zolldienst von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung, „soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist“. Mit anderen Worten: wenn sie im Einsatz sind.
  • Absatz acht schränkt jedoch ein: „Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.
  • In Paragraph 38 ist geregelt, wann Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet werden dürfen, und zwar: „wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten“.
  • Festgelegt ist auch: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“

Das heißt: Sie muss sich nicht ans Tempolimit halten und andere Verkehrsteilnehmer müssen Platz machen, wenn die Feuerwehr zu einem Einsatz eilt - denn oft geht es um Menschenleben.

Das heißt aber nicht, dass die Feuerwehr ungehemmt rasen darf, macht Kemke deutlich. Auch sie muss darauf achten, das sie niemanden gefährdet. „Durch eine belebte Straße rasen wir auch nicht mit Tempo 100“, sagt der Bergkamener Feuerwehrchef.

Er sieht das Problem auch nicht so sehr, wenn die Feuerwehrfahrzeuge ausrücken - auch wenn die Feuerwehr ihr Veto einlegen würde, wenn bei Straßenumbauten Hindernisse eingebaut werden, die ihr Probleme machen. Das Problem ist vielmehr, dass die Feuerwehrleute in kurzer Zeit zum Gerätehaus kommen müssen. Wenn sie in ihren Privat-Pkw unterwegs sind, haben sie keine Sonderrechte. Dadurch können sie ein echtes Problem bekommen. „Wenn man auf der Rünther Straße hinter dem Linienbus hängt, kann das zu einem Problem werden“, sagt Kemke.

Nur vier Minuten bis zum Gerätehaus

Das größte Problem der Feuerwehrleute: Die Ausrückezeiten in Bergkamen legen fest, dass sie nur vier Minuten nach dem Alarm am Gerätehaus sein müssen. Dann müssen sie sich ihre Schutzkleidung anziehen und ausrücken. Spätestens acht Minuten nach dem Alarm muss der erste Trupp einsatzbereit an der Einsatzstelle sein.Um diese Zeit zu schaffen ist es wichtig, dass die Gerätehäuser sich an einem zentralen Punkt im Ortsteil befinden. „In dieser Hinsicht haben wir in Bergkamen Glück“, sagt Kemke.

Das ist auch der Grund, warum sich das Rünther Gerätehaus auch nach dem Neubau immer noch am alten Ort in der Martin-Luther-Straße steht. Es befindet sich nach wie vor fast mitten in Rünthe.

Die Feuerwehr muss schnell zum Einsatz - darum sind die Gerätehäuser im Ort geblieben

Das Feuerwehrgerätehaus Rünthe blieb auch beim Neubau in der Ortsmitte, um die Fahrzeiten für Feuerwehrleute kurz zu halten. © Stefan Milk

Standort im Gewerbegebiet ungeeignet

Zunächst gab es Überlegungen, den Standort ins Gewerbegebiet an der Industriestraße zu verlegen. Nachdem die Planer die Fahrtzeiten berechnet hatten, verwarfen sie diese Überlegungen aber schnell wieder. Es gab sogar einige Probefahrten, um die Zeit zum Ausrücken für unterschiedliche Standorte zu überprüfen.

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Das Gerätehaus ins Gewerbegebiet zu verlegen hätte bedeutet, dass die meisten Feuerwehrleute erst aus dem Ortsteil heraus zum Gerätehaus fahren müssten, um dann fast zu allen Einsätzen mit den Einsatzfahrzeugen in den Ortsteil zurück zu fahren. „Die meisten wohnen nun einmal nicht weit vom Gerätehaus entfernt und im Gewerbegebiet haben wir nur selten Einsätze“, macht Kemke deutlich.

Die Feuerwehr muss schnell zum Einsatz - darum sind die Gerätehäuser im Ort geblieben

Das alte Feuerwehrgerätehaus in Oberaden ist zu klein geworden. Es soll in einigen Jahren auf das Gelände der Jahnschule gleich rechts davon umziehen. © Stefan Milk

Standort bleibt auch in Oberaden

In Oberaden ist es ähnlich. Dort ist das alte Gerätehaus an der Jahnstraße zu klein geworden. Das Grundstück ist jedoch nicht groß genug für ein neues Gerätehaus in der passenden Größe.

Auch in Oberaden gab es zunächst Überlegungen, das neue Gerätehaus an eine andere Stelle im Ortsteil zu verlegen. Der bisherige Standort erwies sich aber für die Ausrückezeiten als optimal.

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Deshalb will die Stadt einen ähnlichen Weg wie in Rünthe gehen. Das neue Gerätehaus soll auf dem Gelände der heutigen Jahnschule entstehen, sobald die Schule umgezogen ist. Es hat zwei Vorteile: Es ist groß genug und es liegt vor allem direkt neben dem alten Gerätehaus.

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