Die Familienfehde lässt sich nicht aufklären

dzGericht

Bei einer Fehde zwischen zwei Familien aus Bergkamen soll ein 39-Jähriger den Sohn seiner Gegner geschlagen haben. Vor Gericht beteuerte er seine Unschuld. Es stand Aussage gegen Aussage.

von Sylvia Mönnig

Bergkamen

, 28.08.2018 / Lesedauer: 2 min

Die Gräben zwischen den beiden Familien hätten tiefer nicht sein können. In der Flüchtlingsaufnahme-Einrichtung an der Fritz-Husemann-Straße kam es ständig zum Streit. Der Angeklagte warf den Kontrahenten vor, seine dort lebende Mutter regelrecht zu misshandeln. Die Gegenseite verdächtigte ihn, mehrfach ihre Kochtöpfe inklusive Lebensmittel in den Mülleimer geworfen zu haben. Offenbar eskalierte die Situation am 12. November einmal mehr und dabei sole der Angeklagte dem vierjährigen Jungen vor dem Toilettenraum einen Schlag auf die Nase versetzt habe. Der, so der Vorwurf, zog sich eine Schürfwunde zu.

Am Dienstag befasste sich das Amtsgericht Kamen mit dem Fall. Doch der 39-Jährige wollte den Vorwurf der Körperverletzung so nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem er ausführlich über die vermeintlichen Gemeinheiten der Gegner berichtete, betonte er mit Blick auf die Mutter des Kindes: „Sie lügt. Sie hat ihren Sohn geschlagen.“

Die Mutter indes bestätigte den Vorwurf im Zeugenstand und erklärte auf Nachfrage, ob sie dabei gewesen sei: „Selbstverständlich habe ich das gesehen. Und mich wollte er auch noch schlagen.“ Ein Mädchen aus der Nachbarschaft berichtete ebenfalls, Zeugin der Tat gewesen zu sein. „Er hat ihn an die Nase geschlagen. Das Kind fing an zu bluten.“

In dieser Pattsituation verzichtete das Gericht darauf, auch noch die Mutter des Angeklagten zu befragen. Der Sachverhalt ließ sich unter den Umständen kaum aufklären, die Parteien leben nun räumlich getrennt voneinander und treffen deshalb nicht mehr aufeinander. Auch waren die Verletzungen nicht erheblich und der 39-Jährige war zuvor nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In Anbetracht dieser Aspekte entschied der Richter, das Verfahren einzustellen – und zwar ohne Auflagen.

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