Die Bürger sind wichtiger als die Interessen von Investoren

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Die Stadt darf den Zustand der Turmarkaden-Brache nicht mehr länger hinnehmen, meint Autor Michael Dörlemann. © Stefan Milk
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Wenn man Menschen, die noch nie in Bergkamen waren, Bilder vom Gelände des ehemaligen Einkaufszentrums Turmarkaden zeigt, herrscht regelmäßig ungläubiges Entsetzen. Fast immer kommt die Nachfrage, ob das wirklich ein Bild aus einer deutschen Mittelstadt ist. Und fast jedes Mal setzt bei Bergkamenern der Reflex ein zu erklären, dass ihre Stadt gar nicht so schlimm ist wie es auf den Bildern aussieht.

Denn das sollte sich die Stadt Bergkamen klar machen: Ihre Bürger müssen diesen Anblick, der ihre Stadt abwertet, schon seit mehr als zwei Jahren ertragen. Diejenigen, die in der Nähe wohnen, sogar jeden Tag.

Die meisten glauben wohl auch nicht mehr daran, dass sich dieser Zustand irgendwann bessert. Dafür haben im Laufe der Jahre schon zu viele Investoren scheinbar schöne Pläne präsentiert, aus denen nie etwas geworden ist. Die Reaktion von Stadtspitze und politischer Mehrheit darauf war immer die Gleiche: Der achselzuckende Hinweis, dass die Fläche Privateigentum ist und die Stadt nichts machen kann. Eine Haltung, die Bergkamen in all den Jahren keinen Schritt weiter gebracht hat.

Die Stadt kann sehr wohl etwas tun: Sie kann Investoren klar machen, dass die Bergkamener Stadtmitte kein Spekulationsobjekt ist und dass ihr der Geduldsfaden irgendwann reißt. Sie muss öffentlich machen, was der neue Investor will und sich nicht auf Stillschweigen-Abkommen einlassen. Die Stadt muss Politik für ihre Bürger machen – und nicht die Interessen von Investoren wahren.