Wer an Bergkamen denkt, der denkt nicht unbedingt an Schlösser oder eine malerische Altstadt. Und doch gibt es in der Stadt immerhin 31 Objekte, die unter Denkmalschutz stehen.

Bergkamen

, 16.10.2018, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine alte Innenstadt hat Bergkamen ohnehin noch nie gehabt. Bevor der Bergbau kam, gab es im heutigen Bergkamen fast nur Bauernhöfe – und von dem, was später entstand, ist nicht mehr viel übrig. „Die Stadt hat sehr unter dem Zweiten Weltkrieg gelitten. Die Altsubstanz wurde stark zerstört“, sagt Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters. Dazu gehören zum Beispiel die evangelische und die katholische Kirche in Bergkamen-Mitte, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden und beide den Bombenkrieg nicht überstanden.

Die bedeutendsten Denkmäler befinden sich im Untergrund

Der ehemalige Hof Schulze-Heil., der jetzt die Ökologiestation beherbergt, steht seit 1989 unter Denkmalschutz. © Stefan Milk

Auch die Ökostation ist ein Denkmal

Die Denkmalliste besteht zwar zum Teil aus alten landwirtschaftlichen Gebäuden aus der Zeit vor dem Bergbau, die Industrialisierung und die modernen Zeiten einigermaßen unverändert überstanden haben. Allein das sogenannte Dorf Heil weist fünf denkmalgeschützte Gebäude auf – vom Bauernhaus mit Wirtschaftsgebäude von 1842 bis Fachwerkspeicher von 1870. Hinzu kommt die Hofanlage Schulze-Heil, auf der sich seit Jahren die Ökologiestation befindet.

Die bedeutendsten Denkmäler befinden sich im Untergrund

Die Skulptur „Mutter mit Kindern“ steht auf dem Kurt-Schumacher-Platz. Ursprünglich war sie Teil eines Brunnens. © Stefan Milk

„Mutter mit Kindern“

In anderen Stadtteilen finden sich jedoch auch ganz andere Objekte in der Denkmalliste. Unter Denkmalschutz steht beispielsweise die Skulptur „Mutter mit Kindern“, die 1945 auf dem damals zerstörten Kurt-Schumacher-Platz aufgestellt wurde. Sie war ein Geschenk der Maximilianshütte in Sulzbach-Rosenberg an die Schachtanlage Grimberg 1/2.

Die bedeutendsten Denkmäler befinden sich im Untergrund

Die Gaststätte „Deutsches Eck“ steht als typisches Bauwerk aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg unter Denkmalschutz. © Stefan Milk

„Deutsches Eck“ typisch für die Zeit

Aus neuerer Zeit – von 1912 – stammt auch die Gaststätte Deutsches Eck an der Ecke Landwehrstraße/Bambergstraße, die seit 1997 als typisches Gebäude ihrer Zeit unter Denkmalschutz steht – genau so wie der Schacht III in Rünthe oder die ehemalige Bergwerksdirektorenvilla am Ostenhellweg.

Die bedeutendsten Denkmäler befinden sich im Untergrund

Der Förderturm über dem Schacht Grimberg 2 ist einmalig in ganz Deutschland. © Stefan Milk

Technisches Denkmal

Das in jeder Hinsicht neueste Denkmal – sowohl was das Baujahr angeht als auch den Zeitpunkt, als es gebaut wurde – ist das Schachtgerüst über dem Schacht Grimberg 2 auf dem ehemaligen Monopol-Gelände. Es wurde erst 1980 gebaut und ist so neu, dass sogar manches Ratsmitglied 2011 bezweifelte, dass es sich um ein Denkmal handelt. Die Denkmalschützer von der oberen Denkmalbehörde in Münster dachten jedoch anders und sehen den Förderturm als technisches Denkmal. Es handelt sich um die einzige Drei-Scheiben-Anlage im gesamten Ruhrgebiet.

Ungewöhnlich sind auch die drei Bodendenkmäler, die es in Bergkamen gibt: das Römerlager Oberaden, die Bumannsburg in Rünthe und die Königslandwehr an der Grenze zwischen Rünthe und Heil. Die Bodendenkmäler sind ein spezieller Fall: Anders als bei Baudenkmälern steht nicht das unter Denkmalschutz, was der Betrachter sieht, sondern oft das, was er nicht sieht. Das führt beispielsweise dazu, dass die Archäologen erst das Gelände untersuchen müssen, bevor jemand auf dem Gelände des ehemaligen Römerlagers Oberaden bauen darf. Ansonsten soll der Boden die Geschichte bewahren. Das, was vom Römerlager zu sehen ist – zum Beispiel die Holz-Erde-Mauer – sind Nachbauten und stehen nicht unter Denkmalschutz.

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Denkmäler in Bergkamen

Bergkamen ist keine Stadt, in der Geschichts- oder Architekturinterssierte Denkmäler vermuten. Tatsächlich aber sind es 31, 28 Bau- und drei Bodendenkmäler. Einige von ihnen sind sogar recht außergewöhnlich.
16.10.2018
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Bergkamen. Die Bumannsburg in Rünthe ist sicherlich eines der geheimnisvollsten Denkmäler in Bergkamen. Zu segen sind im Wald nur noch die Reste der ehemaligen Erdwälle - und die dürfen nicht zerstört werden.© Stefan Milk
Der Hof an der Dorfstraße in Heil ist Denkmal, weil er seit seinem Bau im Jahr 1863 äußerlich kaum verändert wurde.© Stefan Milk
Auch das Oberlinhaus in Schönhausen ist ein Denkmal. Es wurde vor dem Ersten Weltkrieg als Wohlfahrtsgebäude für die Zechensiedlung gebaut. 1933 missbrauchten die Nazis das Gebäude als provisorisches KZ. Heute hat dort eine Gemeinde ihren Sitz.© Stefan Milk
Der Schacht III in Rünthe ist die ehemalige Waschkaue der Zeche Werne und ist ebenfalls denkmalgeschützt. Daran muss sich auch der neue Eigentümer orientieren, der das Gebäude 2019 übernimmt. Er steht schon seit 1989 unter Denkmalschutz.© Stefan Milk
Etwa zur gleichen Zeit wurde die Gaststätte Deutsches Eck gebaut, die seit 1997 unter Denkmalschutz steht.© Stefan Milk
Ein ungewöhnliches Baudenkmal ist die Skulptur "Mutterb mit Kindern", die auf dem Kurt-Schumacher-Platz steht und 1945 von der Maximilanhütte im Bayerischen Sulzbach-Rosenberg gestiftet wurde.© Stefan Milk
Auch die Ökostation steht unter Denkmalschutz. Die Gebäude des ehemaligen Hofs Schulze-Heil, auf dem sie ihren Sitz hat, sind schon von 1864. Der Hof ist noch älter. © Stefan Milk
Teile des Gutes Velmede in Weddinghofen stehen unter Denkmalschutz. Dort lebt die Familien von Bodelschwingh, die vor allem im 19. Jahrhundert bekannte Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Das Fachwerkhaus stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.© Borys Sarad
Das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof, an dem die Vereine am Volkstrauertag Kränze niederlegen, ist eines von drei Oberadener Denkmälern. Es stammt aus dem Jahr 1920.© Borys Sarad
Das Römerlager ist mit mehreren Hektar das größte Bergkamener Denkmal. Es handelt sich allerdinmgs um ein Bodendenkmal. Unter Denkmalschutz steht nicht der Nachbau der Holz-Erde-Mauer, sondern der Boden, in dem sich Raste des Lagers befinden.© Stefan Milk

Bodendenkmal in Heil

Die Königslandwehr dürfte den meisten Bergkamenern ohnehin nur als Straße in Heil bekannt sein. Die Reste dieser Befestigung, die im ländlichen Bergkamener Raum Eindringlinge davon abhalten sollte, sich unkontrolliert zu nähern, befinden sich westlich der ehemaligen Gärtnerei Storbeck zwischen Westenhellweg und Datteln-Hamm-Kanal. Die Fläche ist sogar eigens im Flächennutzungsplan markiert. Darauf muss übrigens sogar die Stadt Rücksicht nehmen. Bei ihren Planungen für die Freizeitanlage Marina Nord hat sie den Bereich ausgeklammert.

Geld für Denkmaleigentümer

In diesem Jahr hat die Stadt Bergkamen erstmals nach zehn Jahren wieder Maßnahmen an Baudenkmälern finanziell gefördert. Dazu hat das Land NRW 8000 Euro bereitgestellt. Die Stadt hat die Summe um den gleichen Betrag aufgestockt.

Das Geld ist für Maßnahmen an Baudenkmälern gedacht, die dem Erhalt des Denkmals dienen. Es kommt drei Maßnahmen zugute: An zwei Fachwerkhäusern an der Goekenheide in Weddinghofen und an der Rotherbachstraße in Oberaden sollen Eichenbalken erneuert werden. Außerdem ist das Geld für die ehemalige Bergwerksdirektoren-Villa gedacht, das „Haus Rünthe“ am Ostenhellweg. An dem Gebäude werden Holzfenster am Wintergarten denkmalgerecht erneuert. „Mit einem heutigen Wintergarten hat er wenig zu tun“, sagt Peters. Die Eigentümer von Baudenkmälern konnten sich um die Mittel bewerben.

Die Stadt hat bereits angekündigt, dass es die Förderung auch im kommenden Jahr geben soll, falls das Land sich beteiligt..

Hier geht es zurBergkamener Denkmalliste.
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