Die Bayer-Feuerwehr löscht selten mit Wasser oder Schaum – mit vielen Bildern

dzWerkfeuerwehr

Die Bayer-Werkfeuerwehr hat es mit gefährlichen Stoffen zu tun, die sich nicht mit Wasser und Schaum löschen lassen. Von ihrer Spezial-Ausrüstung profitiert manchmal auch die Allgemeinheit.

Bergkamen

, 29.11.2019, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Feuerwehrleute, die hauptberuflich für die Werkfeuerwehr im Bergkamener Bayer-Werk arbeiten haben es scheinbar gut: Sie haben alle zwei Tage frei. Die Kehrseite: Dafür sind sie auch alle zwei Tage im Einsatz. Nicht acht Stunden lang, wie bei einem anderen Arbeitnehmer bei Bayer die Schicht dauert, sondern 24 Stunden am Stück. In dieser Zeit können sie sich natürlich auch hinlegen. Sie müssen aber damit rechnen, dass sie jede Sekunde aus dem Schlaf gerissen werden.

Werkfeuerwehr stellt die Sicherheit jede Sekunde am Tag sicher

„Wir müssen die Sicherheit im Werk rund um die Uhr sicherstellen“, erklärt Martin Neumann, der Leiter der Werkfeuerwehr. Sie ist nicht nur für Bayer, sondern auch für die anderen Firmen zuständig, die ihren Sitz im Chemiepark Bergkamen haben, Huntsman und Lanxess. Zehn hauptberufliche Feuerwehrleute müssen jede Sekunde am Tag im Werk sein. Neun bilden den Trupp, der im Notfall eingreift. Einer koordiniert die Arbeiten in der Zentrale.

Die Bayer-Feuerwehr löscht selten mit Wasser oder Schaum – mit vielen Bildern

Die Werkfeuerwehr hat ein Fahrzeug mit dem sie sogenannte Abrollbehälter mit Löschpulver und CO2 transportieren kann. Das Fahrzeug kann die Löschmittel am Einsatzort absetzen und gleich Nachschub holen. © Stefan Milk

Lastwagen mit einem speziellen Aufbau

Dabei müssen sie mit Stoffen zurechtkommen, mit denen eine kommunale Feuerwehr nur selten zu tun hat. In den drei Chemiebetrieben kommen in der Produktion Stoffe zum Einsatz, die sich mit konventionellen Mitteln nicht löschen lassen.

Deshalb ist die Werkfeuerwehr zum Teil völlig anders ausgestattet als eine städtische Feuerwehr. Im Gerätehaus in der Nähe des Bayer-Tor 2 haben zwar auch ein Rettungswagen und Löschfahrzeuge ihre Heimat, die ähnlich aussehen wie normale Feuerwehrautos. In der Halle steht aber auch ein Lastwagen mit einem speziellen Aufbau.

Tank mit drei Tonnen Löschpulver

In einem Tank darauf befinden sich drei Tonnen Löschpulver. In Behältern, die wie viele aufeinandergestapelte Gasflaschen aussehen, befinden sich 720 Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Der Tieflader kann die Stoffe bei einem Brand zum betroffenen Produktionsbetrieb schaffen. Dort werden sie an eine Art Sprinkleranlage angeschlossen, um den Brand zu stoppen.

Das System hat den Vorteil, dass das Trägerfahrzeug Nachschub holen kann. „Das geht aber nur, weil unsere Einsatzorte in maximal 1,5 Kilometern Entfernung liegen“, erläutert Neumann.

Die Bayer-Feuerwehr löscht selten mit Wasser oder Schaum – mit vielen Bildern

Brandmeister Thomas Winkler im Korb der neuen Teleskopmastbühne. Er kann bis auf eine Höhe von 44 Metern ausgefahren werden. © Stefan Milk

Teleskopmast reicht 44 Meter hoch

Auch der Teleskopmast, der erst seit einigen Tagen zum Equipment der Werkfeuerwehr gehört, ist anders als das entsprechende Fahrzeug der Bergkamener Feuerwehr. Der Bayer-Teleskopmast reicht bis in eine Höhe von 44 Metern, der Bergkamener ist deutlich kürzer. „Wir haben Rohrbrücken, die sich in so großer Höhe befinden. Im Notfall müssen wir Personen aus dieser Höhe bergen können“, erläutert der Feuerwehrchef. Auch Löschangriffe in so großer Höhe können an den riesigen Produktionsbetrieben vorkommen.

Gelegentlich greift die Werkfeuerwehr auch außerhalb des Werks ein. Sie ist Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) der Chemischen Industrie angeschlossen, das öffentlichen Feuerwehren bei Bedarf hilft. Vor einiger Zeit waren der Feuerwehr bei einem Brand in einem Elektrobetrieb in Hamm die Löschmittel ausgegangen. Die Werkfeuerwehr schickte ihren Transporter mit Pulver und CO2 als Ersatz. Der Brand konnte gelöscht werden.

Die Bayer-Feuerwehr löscht selten mit Wasser oder Schaum – mit vielen Bildern

Der Gerätewart Atemschutz, Thomas Gebauer, spannt Atemschutzmasken auf einen Rahmen, auf dem sie in die Waschmaschine kommen. © Stefan Milk

Feuerwehr ist auch für den Brandschutz zuständig

Einsätze in Notfällen sind nicht der einzige Aufgabe der Feuerwehr. Sie ist auch für für den Brandschutz im Werk zuständig. Erst kürzlich hat sie die Installation eines Löschsystems begleitet, das Gas in einen Betrieb leitet, um Flammen zu ersticken und den Mitarbeitern trotzdem nicht den Sauerstoff zum Atmen nimmt.

Im Gerätehaus befindet sich außerdem die Atemschutzwerkstatt. Dort werden alle Atemmasken aus den Betrieben in Bergkamen und Berlin-Charlottenburg von zwei Mitarbeitern der Feuerwehr in Spezial-Waschmaschinen gewaschen, getrocknet und anschließend geprüft. Dabei handelt es sich nur zum kleinen Teil um den Atemschutz der Feuerwehr. Auch Mitarbeiter müssen solche Masken bei bestimmten Produktionsprozessen tragen.

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Die Bayer-Werkfeuerwehr ist für jeden Einsatz gerüstet

29.11.2019
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Martin Neumann, der Leiter der Feuerwehr im Bayer-Wer erläutert die Funktion eines Feuerwehrfahrzeugs, das Löschpulver und Kohlendioxid an den Einsatzort transportiert. Es steht im Gerätehaus auf dem Werksgelände.© Stefan Milk Stefan Milk
Der Gerätewart für den Atemschutz, Thomas Gebauer, prüft eine Atemschutzmaske mithilfe eines Computer-gestützten Programms. Die Werkfeuerwehr reinigt und wartet rund 25.000 mal pro Jahr Atemschutzmasken für die Bayer-Werke in Bergkamen und Berlin-Charlottenburg. Sie kommen auch in der Produktion zum Einsatz.© Stefan Milk Stefan Milk
Oberbrandmeister Dominik Kreutzer prüft den Löschpulverbehälter auf dem Spezialfahrzeug.© Stefan Milk Stefan Milk
Martin Neumann erklärt, warum der Teleskopmast im Hintergrund in besonders große Höhen reichen muss. Er lässt sich bis auf 44 Meter ausfahren.© Stefan Milk Stefan Milk
Brandmeister Thomas Winkler steht in voller Ausrüstung im Korb des Teleskomastes. © Stefan Milk
Der Atemschutz-Gerätewart Thomas Gebauer spannt Atemschutzmasken auf einen Rahmen, auf dem sie in den Trockner kommen.© Stefan Milk Stefan Milk

Keine Elitetruppe

Neumann will die Werkfeuerwehr trotz ihrer Ausstattung und ihrer speziellen Ausbildung nicht als Elite sehen. „Es kommt viel häufiger vor, dass wir die Bergkamener Feuerwehr als Unterstützung anfordern als umgekehrt“, sagt er. Außerdem hat die Bergkamener Feuerwehr viele Einsätze, die bei der Werkfeuerwehr nie vorkommen – Unfälle auf der Autobahn zum Beispiel oder vollgelaufene Keller.

Hin und wieder löscht übrigens auch die Bayer-Feuerwehr ganz profan mit Wasser. Vor einiger Zeit hat ein Papiercontainer auf dem Bayer-Gelände gebrannt. „Den haben wir mit Wasser gelöscht“, sagt Neumann.

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