Klimakiller-Debatte: Die Autos der Stadt Bergkamen im Dienstwagen-Check

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Einen Trend zu „Klimakiller-Dienstwagen“ prangert die Deutsche Umwelthilfe in ihrem Dienstwagen-Check an. Unsere Redaktion hat den Fuhrpark der Stadt Bergkamen unter die Lupe genommen.

Bergkamen

, 21.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Trend zu „Klimakiller-Dienstwagen“ verstärke sich, berichtete die Deutsche Umwelthilfe vor einigen Tagen in Bezug auf ihren 14. Dienstwagen-Check. Die Limousinen der Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene seien allesamt CO2-Schleudern, nur sieben von 235 Dienstwagen im Check erfüllten demnach den EU-Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer.

Stadt hat einen Audi A6 – aber der Bürgermeister fährt auch Smart

Mit Blick auf den Fuhrpark der Stadt Bergkamen ist zunächst wichtig zu betonen, dass die klassische Limousine die Ausnahme darstellt – und auch nicht allein dem Bürgermeister zur Verfügung steht. Bernd Schäfer nutzt ebenso wie sein Vorgänger Roland Schäfer keinen festen Dienstwagen und hat auch keinen festen Fahrer. „Roland Schäfer ist viel selbst gefahren, und Bernd Schäfer steht auch oft als Selbstfahrer in der Liste“, erklärt der für den Fuhrpark zuständige Leiter Zentrale Dienste, Thomas Hartl.

Der Smart fortwo steht gleich in zweifacher Ausführung im Dienste der Stadt Bergkamen. Die drei bzw. sechs Jahre alten Zweisitzer verfügen beide über einen Elektroantrieb.

Der Smart fortwo steht gleich in zweifacher Ausführung im Dienste der Stadt Bergkamen. Die drei bzw. sechs Jahre alten Zweisitzer verfügen beide über einen Elektroantrieb. © picture alliance / dpa-tmn

Auch in einen der elektrobetriebenen Smarts passe Schäfer trotz seiner imposanten Körpergröße von 2,04 Metern hinein, versichert Hartl auf Nachfrage. Komfortabler und fraglos repräsentativer ist freilich der Audi A6 – wenn man so will, der einzige „dicke Schlitten“ unter den städtischen Dienstfahrzeugen.

Die 286 PS starke Oberklasse-Limousine stößt mit 192 Gramm das meiste klimaschädliche Kohlendioxid pro Kilometer aus, den EU-Zielwert von 95 Gramm erreichen von den Verbrenner-Fahrzeugen im Fuhrpark lediglich zwei Benziner, beides fünf Jahre alte Kleinwagen, Modell VW Up.

Kleiner City-Flitzer: Für kürzere Fahrten innerhalb der Stadt oder des Kreises stehen den Mitarbeitern der Stadt Bergkamen zwei VW Up zur Verfügung.

Kleiner City-Flitzer: Für kürzere Fahrten innerhalb der Stadt oder des Kreises stehen den Mitarbeitern der Stadt Bergkamen zwei VW Up zur Verfügung. © picture alliance / dpa-tmn

Allerdings fahren auch drei der zehn Dienstwagen mit einem Elektromotor, ein weiterer mit Hybridantrieb. Die Reichweite der Elektrofahrzeuge, zwei Smarts und ein Golf, sei optimal für Fahrten im Stadt- und Kreisgebiet, auch Münster sei machbar, wie Thomas Hartl erläutert. Bei Fahrten in die Landeshauptstadt Düsseldorf komme man jedoch ins Schwitzen. Der Golf habe zwar offiziell eine Reichweite von 300 Kilometern, doch gerade im Sommer mit eingeschalteter Klimaanlage seien eher 200 realistisch.

Ein Volkswagen „e-Golf“ in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden: Der eGolf der Stadt Bergkamen (Baujahr 2018) hat bereits über 10.000 Kilometer abgespult.

Ein Volkswagen „e-Golf“ in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden: Der eGolf der Stadt Bergkamen (Baujahr 2018) hat bereits über 10.000 Kilometer abgespult. © picture alliance / Arno Burgi/dp

„Wenn die Reichweiten besser wären, würden wir noch mehr E-Fahrzeuge kaufen“, sagt Hartl, aber sie seien freilich auch nicht wirklich günstig. Die Smarts habe die Stadt deshalb als Jahreswagen deutlich unter Neupreis gekauft.

30.000 Euro pro Jahr für Neuanschaffungen im Haushalt

Für Neuanschaffungen im Fuhrpark sind im städtischen Haushalt übrigens gerade einmal 30.000 Euro pro Jahr vorgesehen. „Wenn wir Fahrzeuge kaufen, dann für 25 bis 30 Prozent unter Neupreis als Jahreswagen“, erklärt Hartl, aber auch Leasing sei eine Option – je nachdem, was günstiger ist. Und so kommt es, dass auch ein zehn Jahre alter Golf Plus zum Fuhrpark gehört, der ebenso wie die anderen Fahrzeuge potenziell allen Mitarbeitern zur Verfügung steht.

Die Laufleistung ist generell eher unterdurchschnittlich, der zehn Jahre alte Golf etwa hat erst rund 16.000 Kilometer abgespult. Nur der erst zwei Jahre alte Audi A6 kommt bereits auf über 30.000 Kilometer – ein eindeutiges Indiz dafür, dass die komfortable Reise-Limousine für weitere Fahrten etwa nach Berlin oder in die Partnerstädte erste Wahl ist.

Umweltfreundliche Optionen: Fahrräder, E-Bikes und Ticket 2000

Ansonsten sind die niedrigen Kilometerstände auch dadurch zu erklären, dass die Mitarbeiter für innerstädtische Fahrten gerne aufs Fahrrad steigen. Zwei normale Fahrräder und zwei E-Bikes stehen zur Verfügung. „Mit dem E-Bike ist man genauso schnell in den Stadtteilen wie mit dem Auto“, sagt Thomas Hartl, vor allem in den Sommermonaten seien die Elektrofahrräder sehr gefragt.

Hinzu kommt mit dem Ticket 2000 die Nutzung des ÖPNV als weitere Option etwa für Reisen nach Düsseldorf.

Fahrer, wie man sie von Spitzenpolitikern kennt, beschäftige die Stadt Bergkamen schon lange nicht mehr, sagt Thomas Hartl. Sie werden bei Bedarf aus der Poststelle oder anderen Bereichen abgestellt. Wenn etwa der Bürgermeister mal einen Fahrer brauche, dann sei oft Terminenge der Grund, dann fehle die Zeit, noch einen Parkplatz zu suchen. Deshalb sei Roland Schäfer so gerne mit dem Smart gefahren, der die Parkplatzsuche mit seinen 2,69 Metern Länge erheblich erleichtert.

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In einigen Jahren könnte sich die Stadt übrigens auch gut vorstellen, auf Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb zu setzen, versichert Hartl. „Wir beobachten die Entwicklung, aber das wird die Zukunft sein.“

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