Das Gästehaus an der Ökologiestation in Bergkamen ist nahezu verwaist. Nur noch Gäste, die beruflich unterwegs sind, dürfen noch kommen. © Marcel Drawe
Lockdown in der Corona-Pandemie

Die Angst geht um bei Vermietern von Fremdenzimmern und ihren Gästen

Wer in Bergkamen Fremdenzimmer anbietet, leidet sehr unter dem Lockdown. Selbst die wenigen Gäste, die immer noch für eine Übernachtung bleiben dürften, fahren in vielen Fällen lieber nach Hause.

„Das ist doch wohl nur eine rhetorische Frage“, sagt Barbara Döring, die mit ihrem Mann Wilfried zusammen das Gästehaus an der Ökostation betreibt. Wie soll es einem Gästehaus oder Hotel während des Lockdowns schon gehen, wenn jede Art von touristischen Übernachtungen verboten ist: schlecht.

Nur noch drei bis vier von 40 Betten sind belegt

Das Ehepaar Döring darf zwar an Menschen vermieten, die beruflich unterwegs sind und übernachten müssen – genau wie alle anderen, die Hotel- oder Fremdenzimmer anbieten. Das aber ist eher ein Problem als ein Segen, sagt Döring. Die drei, vier Monteure, die im Gästehaus übernachten, bringen wenig Einnahmen, aber unverhältnismäßig viel Arbeit. Es muss ständig jemand da sein, der die Zimmer macht, das Frühstück anrichtet und das Geschirr spült – und der neue Gäste in Empfang nimmt.

Barbara Döring am Empfang des Gästehauses: So leer wie dort ist es im ganzen Gebäude. © privat © privat

Die Einnahmen aus so wenigen Übernachtungen sind aber so gering, dass sie wahrscheinlich noch nicht einmal die Ausgaben decken, meint Barbara Döring. Von den 40 Betten im Haus sind höchstens drei bis vier belegt. Hinzu kommt, dass das Gästehaus vor allem über Vier-Bett-Zimmer verfügt, sie aber nicht so vermieten darf. Wegen der Abstands- und Hygieneregeln während der Corona-Pandemie müssen die Betreiber aus den Vier-Bett- Einzelzimmer machen, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Die Seminare, die es sonst regelmäßig im Gästehaus gibt, fallen natürlich ebenfalls aus.

Bis Ende März haben die Dörings allen Gruppen schon abgesagt, die eigentlich gebucht hatten. Stornokosten nehmen die Betreiber nicht. Das Gästehaus habe einen Ruf zu verlieren – und deshalb verzichtet das Ehepaar lieber auf die Einnahmen, in der Hoffnung dass die Gäste wiederkommen.

Das Ehepaar Döring kommt nur dank der Zweitjobs noch über die Runden. © privat © privat

„Eigentlich wäre es für uns wahrscheinlich günstiger, wenn wir ganz schließen würden, bis der Lockdown vorbei ist“, sagt Barbara Döring. Das will sie aber auch nicht. Sie hofft, dass das Gästehaus im Frühjahr wieder mehr Gäste aufnehmen darf. Finanziell kann das Ehepaar nur deshalb überleben weil beide noch einen anderen Job haben und das Gästehaus nicht die einzige Einnahmequelle ist.

Selbst wer beruflich unterwegs ist, fährt lieber nach Hause

Wie schnell nach dem Lockdown wieder Gäste kommen, ist zudem fraglich. Huseyin Yasar, der Geschäftsführer des Hotel und Restaurants „Kronenkurve“, berichtet, dass viel Gäste aus Angst lieber den weiten Weg nach Hause nehmen – obwohl ihre Firma die Übernachtung schon für sie bezahlt hat. Auch er hat nur noch so wenige Gäste, dass die Einnahmen die Kosten bei weitem nicht mehr decken. „Es geht nur noch um zwei, drei Zimmer, mehr nicht“, sagt er.

Eine Erfahrung, die auch Barbara Döring mit einigen Gästen gemacht hat. „Viele haben Angst, dass sie sich in einer fremden Umgebung mit dem Coronavirus infizieren“, hat sie festgestellt – obwohl sie sich peinlich genau an alle Regeln hält. „Selbst wenn sie kommen dürften, machen viele Gäste noch einen Rückzieher.“

Das Hotel und Restaurant Kronenkurve versucht mit dem Lieferservice für Essen zu überleben. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Yasar profitiert davon, dass der Inhaber des Hotels auch noch andere Unternehmen hat und das Defizit aus deren Einnahmen ausgleichen kann.

Nur beim Restaurant läuft das Geschäft etwas besser. Das Restaurant in der Kronenkurve bietet schon seit einiger Zeit einen Abholservice an. Auch dafür habe es nur relativ wenige Interessenten gegeben, sagt Yasar. Erst seit er auch die Lieferung von Essen anbietet, läuft es nach seinen Angaben deutlich besser – allerdings auch nur an den Wochenenden. In der Woche sei die Nachfrage nach dem Lieferservice eher gering.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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