Die städtische Galerie sohle 1 wird 50 Jahre alt. Sie ist Deutschlands älteste kommunale Galerie. Statt einer Feier gibt es in Corona-Zeiten nur Glückwünsche, Bilder und ein Video-Interview.

Bergkamen

, 22.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein besonderes Datum ist Sonntag, 24. Mai: Dann feiert die städtische Galerie sohle 1 ihren 50. Geburtstag. Wortwörtlich gefeiert werden kann wegen der Corona-Auflagen nicht, aber es gibt gute Gründe, auf die vergangenen 50 Jahre zurückzublicken. Die sohle 1 war die erste kommunale Galerie für zeitgenössische Kunst.

Heute ist die Galerie im Oberaden im Gebäude des Stadtmuseums zu finden.

Heute ist die Galerie im Oberaden im Gebäude des Stadtmuseums zu finden. © Stadt Bergkamen

Vielseitig, frisch und jung geblieben

In der Kunstszene genießt die Galerie einen guten Ruf.

„Die Begegnung mit dem Original, wie es die Kunstausstellung ermöglicht, ist ein Erlebnis, das nicht durch digitale Abbildungen ersetzt werden kann.“
Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich

Außergewöhnliche Ausstellungen sind keine Seltenheit. Festgelegt auf ein Metier ist sie nicht: Ob Malerei oder bildende Kunst, ob Performances oder Fotografie, ob Collagen oder ausgefallene Techniken, die Galerie bietet bekannten Namen eine Bühne, aber auch Nachwuchskünstlern oder heimischen Kunstschaffenden Gelegenheit für Experimente. Schließlich war sie selbst einmal eins.

Dieter Treeck, der erste Kulturdezernent der Stadt, ist Begründer der Galerie. „Unfassbar: So viele Jahre mit der Kunst in Bergkamen – und sie ist so unglaublich jung geblieben“, sagt der heute 83-Jährige.

An die Anfänge erinnert er sich genau: In der gerade mal drei Jahre alten Stadt Bergkamen fing er im Jahr 1970 an – und zog mit seinem Büro in eine ehemalige Zechenvilla gegenüber der damaligen Verwaltungsbaracken. „Da gab es diesen Keller“, erinnert sich Treeck. In der jungen Stadt Bergkamen gab es außer Gesangvereinen und Musikgruppen nicht viel Kultur. Kunst, so Treeck, habe für die Menschen lediglich dekorativen Charakter im heimischen Wohn- oder Schlafzimmer gehabt. Das wollte er ändern.

In der City hatte die sohle 1 ebenfalls an der unterschiedlichen Standorten Intermezzi, bevor sie endgültig nach Oberaden umzog.

In der City hatte die sohle 1 ebenfalls an der unterschiedlichen Standorten Intermezzi, bevor sie endgültig nach Oberaden umzog. © Stadt Bergkamen

Aus Kellerraum wurde die sohle 1

Der Keller der Zechenvilla inspirierte ihn zu einem Experiment: Er glaubte, dort einen Ausstellungsort riskieren zu können. „Das schon eine Galerie zu nennen, wäre größenwahnsinnig gewesen“, sagt Treeck lachend. Doch die engen, niedrigen Räumen, erinnerten Treeck ein wenig „an unter Tage“. Und da wollte er Bilder zeigen, die talentierte Bergleute als Hobby-Künstler erstellt hatten.

„Die Galerie sohle 1 ist bis heute eines der kulturellen Highlights in Bergkamen und in der gesamten Region. Diese Kunstgalerie hat sehr dazu beigetragen, moderne Kunst vielen Menschen näher zu bringen.“
Bürgermeister Roland Schäfer

Die Wände wurden dunkelgrau, fast schwarz getüncht, von den drei Zechen in der Stadt gab es Helme, Schilder, und den Nachbau eines massiven Stolleneingangs. Die Assoziation zum Bergbau wurde so groß, dass schnell ein passender Name für die Kunst im Keller gefunden wurde: „sohle 1“.

„Das war der Anfang“, erinnert sich Dieter Treeck, der jedoch auch enttäuscht wurde: „Die Leute strömten nicht herbei, um die Kunst zu sehen.“ Treeck machte viel, um den Bergkamenern einen Zugang zur Kunst zu geben und entschied bald: Wenn der Bürger nicht zur Kunst, dann kommt die Kunst zum Bürger.

Mit den Geschäftsleuten auf der Präsidentenstraße verhandelte er, dass deren Schaufenster zu Ausstellungsflächen und Ateliers werden konnten. „Das war eine Straßen- und Schaufenster-Galerie“, erklärt Treeck - und der Bergkamener Bilderbasar kam an.

Als dann noch das Angebot folgte, heimische Alpenlandschaften und röhrende Hirsche gegen neue Werke einzutauschen, sprang der Funke über. „Der Schinkenbasar“, wie er schnell genannt wurde, zog sogar das Fernsehen an.

Wie die Kunst zum Bürger kam

Treeck machte weiter: Er organisierte Ausstellungen und Künstlergespräche in sechs Bergkamener Kneipen, und als die ersten Räume der neuen City fertig wurden, zog die Galerie mehrfach innerhalb der City um und in noch leerstehende Räume. Bis das Rathaus fertig war und die Verwaltung komplett dorthin zog. Da wurden die bis dato als Zweigstelle genutzten Räume an der Jahnstraße frei – und die Galerie sohle 1 zog an den Standort, wo sie bis heute zu finden ist.

 Sympathy for the Rebel“ lautete im Jahr 2017 der Titel der Ausstellung von Van Ray.

Sympathy for the Rebel“ lautete im Jahr 2017 der Titel der Ausstellung von Van Ray. © Stadt Bergkamen

422 Ausstellungen in 50 Jahren

422 Ausstellungen wurden in den vergangen 50 Jahren in der Galerie sohle 1 präsentiert. Seit 23 Jahren gibt es die gleichnamige Künstlergruppe, in der sich lokale Kreative tummeln. Die Mitglieder präsentieren ihre Werke regelmäßig in Sonderausstellungen. Passend zum Jubiläum werden die Künstlerinnen und Künstler den Titel „Wegmarke Spuren“ nutzen. Die Ausstellung soll am 12. Juli eröffnet werden und auf die gemeinsame Geschichte mit der Galerie verweisen.

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Video-Interview mit Timm Ulrichs

Ein Künstler, der der Galerie sohle 1 besonders treu ergeben ist, ist Timm Ulrichs. Einst wurde dem jungen Künstler Gelegenheit für Experimente gegeben, heute ist er ein deutschlandweit bekannter Aktions - und Konzeptkünstler. „In Bergkamen fühle ich mich immer zu Hause“, sagt der inzwischen 80-Jährige.

„Das getarnte Frühstück im Grünen“ von Timm Ulrichs.

„Das getarnte Frühstück im Grünen“ von Timm Ulrichs. © Stadt Bergkamen

Zum Jubiläum gibt es ab dem 24. Mai ein Videointerview mit Timm Ulrichs und Dieter Treeck über die städtische Homepage im Internet zu sehen. „Die digitale Revolution hat unser Medien- und Konsumverhalten absolut verändert. Das Ziel, bildende Kunst einem breiten Publikum mit vielfältigen Methoden zu vermitteln, ist aktueller denn je“, erklärt Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel.

Für die Bergkamener gibt es zum runden Geburtstag auch ein Geschenk: Der Eintritt zur aktuellen Ausstellung „Blind Date“ der Künstlergruppen Photoclub Lünen und Duktus06 aus Dortmund ist vom 24. bis 31. Mai kostenlos. Diese Ausstellung wurde wegen Corona um einige Wochen verlängert.

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